Soll man alte Leute sterben lassen, weil Medikamente zu teuer sind?
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Und was machte Dr. med. Hendrik Streeck? Er begab sich auf ein Feld, auf dem er nur verlieren konnte – und genauso kam es. Er sprach über die Frage, ob es notwendig sei, sehr teure Medikamente auch an ganz alte Menschen zu verabreichen.

Streeck stellte teure Medikamente für alte Menschen bei „Welt TV“ infrage.
Gehen die Deutschen zu oft zum Arzt?
Er sprach von einer „Vollkasko-Mentalität“, den die Deutschen hätten. Er beklagte, dass die Frauen und Männer bei uns im Durchschnitt zehnmal einen Arzt aufsuchen würden, die Franzosen nur fünfmal. Er rechnete vor, dass Deutschland jeden Tag 1 Milliarde Euro für die Gesundheit ausgeben würde und dass dies im Vergleich zu anderen Ländern nicht gut sei. Und schließlich: „Alle müssen sich beteiligen, um die Situation zu verbessern.“ Es fielen die Worte, Gesundheit sei kein „All-You-Can-Eat-Buffett“.
Wörtlich sagte Streeck: „Es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht einfach so benutzen sollte.“ Neue Studien und neue, teure Medikamente haben nicht immer den gewünschten Effekt, erklärte der Drogenbeauftragte. Nur weil neue Studien behaupten, ihr Medikament könnte die Sterblichkeit um 10 Prozent reduzieren, sei ein Einsatz nicht immer sinnvoll. „Wenn man das aber bei einer 100-Jährigen macht, dann ist die Frage: Will man wirklich diese teuren Medikamente verabreichen?“

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU)
„Viel Geld bei seinem Vater ausgegeben – hat nichts gebracht“
Er habe bei seinem Vater (er starb an Lungenkrebs) die Erfahrung gemacht, dass „so viel Geld ausgegeben“ wurde und „es hat nichts gebracht. Es wurden die neuesten Therapien aufgefahren – es hat nichts gebracht, und er hat dort mehr ausgegeben als je in seinem ganzen Leben im Gesundheitswesen.“
Zur Erklärung: Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wird vom sogenannten Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegt. Diesem Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen gehören Vertreter der Ärzte, Krankenkassen, Krankenhäuser und unparteiische Mitglieder an. Patientenvertreter haben ein Mitberatungs-, aber kein Stimmrecht.
„Dieser kalte Zynismus von Hendrik Streeck stößt mich ab“
Streecks Einlassungen lösten Wut und Empörung im Netz aus, man muss es so hart sagen. So schrieb der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki: „Ein älterer Mensch hat genau denselben Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung wie ein junger. Man muss über Effizienz im Gesundheitssystem reden, aber dieser kalte Zynismus von Hendrik Streeck stößt mich ab und steht im Widerspruch zu den fundamentalen Werten, auf denen dieses Land fußt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt. Die Verfassung spricht ausdrücklich nicht von Nützlichkeit.“

Traurige Statistik: Zahlreiche Menschen bekommen im hohen Alter Krebs.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat auch empört auf die Überlegungen Streecks zu einer eingeschränkten Arzneivergabe an Hochbetagte reagiert. Stiftungsvorstand Brysch sagte: „Kosten und Alter dürfen keine Ausschlusskriterien sein, wenn es um teure Therapien geht. Jeder Mensch hat einen gesetzlichen Anspruch auf die bestmögliche Patientenversorgung.“
Ich finde, der Satz von Hendrik Streeck: „Es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr so einfach benutzen sollte“, besonders abstoßend. Streeck hat das Beispiel vom Sterben seines eigenen Vaters herangezogen, der trotz teuerster Medikamente gestorben ist. Und dabei habe er in dieser letzten Phase „mehr ausgegeben als je zuvor in seinem ganzen Leben im Gesundheitswesen“.
Daran ist alles schief und krumm. Wenn man kämpft, weiß man nicht, wie der Kampf ausgehen wird. Das weiß man erst hinterher, leider negativ, wie bei Streecks Vater. Das hindert einen aber nicht daran, zu kämpfen. Es ist buchstäblich der letzte Kampf. Und den muss man als Angehöriger mitkämpfen – koste es, was es wolle.
Was Papst Franziskus im März 2024 niederschrieb, hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren: „Das menschliche Leben, selbst in seinem schmerzhaften Zustand, ist Träger einer Würde, die immer geachtet werden muss, die nicht verlorengehen kann und deren Achtung bedingungslos bleibt.“
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