Soll Social Media für Minderjährige bei uns verboten werden? Als Mutter sage ich: JEIN!
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Seit Dezember sieht man in Australien wieder Teenager beim Radfahren, bei Treffen im Café, beim Bummeln. Ganz echt und analog.
Denn Australien hat durchgegriffen und als erstes Land Social Media für Unter-16-Jährige verboten. Mehr als zehn Millionen Kinder und Jugendliche liegen jetzt in Down Under nicht mehr im klimatisierten Zimmer und scrollen sich durch TikTok, sondern sie tun etwas.
Jetzt will auch Frankreich etwas tun (die Briten wollen nachziehen): Laut CNN will Präsident Emmanuel Macron den Gesetzgebungsprozess beschleunigen, damit es im September pünktlich zum neuen Schuljahr auch dort heißt: Access denied. Kein Zutritt. Geplant ist dort allerdings die Altersgrenze 15.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
Frankreich macht Ernst
Macron sagt dazu bei MFMTV: „Die Gehirne unserer Kinder und Heranwachsenden stehen nicht zum Verkauf. Ihre Gefühle können nicht manipuliert werden – weder durch amerikanische, noch durch chinesische Plattformen.“
Weiter sagt Macron: „Wir werden auch Smartphones in unseren weiterführenden Schulen verbieten. Das ist eine klare Regel: klar für unsere Teenager, klar für Familien, klar für Lehrer.“
Das klingt mit der typisch Macronschen Dreieraufzählung kernig und, naja, klar.
Erst Australien, dann Frankreich, bald Deutschland?
Als Mutter zweier Kinder bin ich zerrissen: Nicht nur ich, auch die Eltern in meinem Umfeld, haben in vielen Erziehungsjahren (Parenting nennt man das heute) schon Smartphones konfisziert und verboten. Einmal habe ich aus lauter Verzweiflung sogar eins zerstört. Denn jeder Teenager, der mehrere Stunden am Endgerät ist, schrammt haarscharf an der Abhängigkeit entlang. Die Zahl der Handysüchtigen in Deutschland hat sich seit 2019 verdreifacht.
Kinder sollen nicht so aufwachsen. Sie sollen nicht stundenlang in Screens starren, um zu sehen, wie am anderen Ende der Welt Gleichaltrige mit Nichtigkeiten Geld verdienen. Sie sollen selbst etwas erschaffen, sie sollen leben.
Goldene Kindheit in den 80ern
So wie ich früher: Immer wieder muss ich erzählen, wie ich als Kind auf Bäume kletterte, mir bei zahllosen Fahrradstürzen die Knie blutig scheuerte und bis zum Anbruch der Dunkelheit draußen war. Heute unvorstellbar. Hätten unsere Kindheitsheldinnen und -helden Helikoptereltern gehabt, Pippi Langstrumpf und Nils Holgersson hätten, mit Lichtschutzfaktor 50 eingecremt, eine überaus triste Kindheit erlebt. Haben sie aber nicht: Die 80er waren eine goldene Zeit zum Aufwachsen.
Die Kinder von heute tun mir oft leid. Ja, sie haben Sportvereine und Hobbys und Freunde. Aber eben nicht alle. Laut neuesten Studien beträgt die Smartphone-Zeit bei Teenagern mehr als vier Stunden täglich. Ich glaube: Es ist noch viel mehr. Wir Eltern sind froh, dass sie nicht draußen trinken, kiffen oder sich schwängern lassen. Dabei lauert die größte Gefahr im Handy. Wir selbst sind keine guten Vorbilder, wenn wir minütlich durch Nachrichten scrollen oder „mal eben auf Insta“ sind.

Laut neuesten Studien beträgt die Smartphone-Zeit bei Teenagern mehr als vier Stunden täglich.
Ein Nanny-Staat, der immer mitreden will? Nein, danke!
Ein gesetzliches Verbot mag uns vor bösen Algorithmen aus China beschützen. Aber er wird das nicht uneigennützig tun: Wer so viel Einfluss auf Teenager nimmt, baut seine Macht in einem beängstigenden Maße aus. Denn es ist ja nicht so, dass die Jugend dann in einem neutralen Umfeld aufwächst und sich selbst eine Meinung bilden kann. Im Gegenteil: An unseren Schulen wird massiv Einfluss auf Heranwachsende genommen, sei es mit Klima-, oder Identitätspolitik. Wer schützt unsere Kinder davor?
Ja, auch wir Eltern sind gefragt, Aktivitäten anzubieten, auch mal durchzugreifen – und Interesse zu zeigen. Denn nicht alles, was die Jugend da ansieht, ist Quatsch: Mein Kind liest dank des BookTok-Hypes englische Bücher. Auch Nachhilfe-Influencer erleben einen Boom. Und wer folgt nicht lieber einem toll gestalteten Account, als Frau Müller-Schniepenbusch in Mathe wieder mal nicht zu verstehen? Und natürlich haben Parteien, die dieses Game beherrschen, auch im Wahlkampf die Nase vorn.
Ist die Gen Z smarter als das Smartphone?
Man sollte die Gen Z nicht unterschätzen: Sie reguliert ihre Süchte schon selbst. Die Abkehr von Social Media feiern aktuell immer mehr Teenies: Sie gehen in Cafés ohne WLAN, lesen dort Bücher, schreiben Notizen und kaufen sich einen alten Nokia-Knochen, mit dem man nur noch eins kann: telefonieren. Dumbphoning heißt dieser Trend. Und so dumm, wie er klingt, ist er nicht.
Ein Freund, der im australischen Sydney zwei Teenagertöchter großzieht, zeigt sich zwar begeistert von der schwarzen Staatspädagogik. Aber ich fürchte: Die Teenager, die sich heute etwas von einer Regierung verbieten lassen, sind morgen die Erwachsenen, die … Sie wissen schon.
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Melanie Grün
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