Stars als Rauch-Rebellen – warum die Verbotskultur in Flammen aufgeht
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Sabrina Carpenter tut es (im Musikvideo zu Manchild), Hailey Bieber genießt es (beim Shooting), Kylie Jenner feiert es (auf dem Cover der Vanity Fair): Rauchen. Die Stars haben die Kippe wiederentdeckt und quarzen, bis der Arzt kommt. Während die Longevity-Fraktion über ihren Nahrungsergänzungsmitteln schreit „Nie mehr Nikotin!“, streckt die Gegenfraktion den Gesundheitsaposteln den Mittelfinger, äh, die Zigarette ins Gesicht.

Auf der Titelseite der aktuellen Vanity Fair Frühlingsausgabe: Kylie Jenner steckt dich genüsslich die Kippe an.
Jetzt erst recht!
Das Motto der Qualmenden: Ätsch bätsch. Ihr treibt die Preise hoch und ächtet Raucher. Jetzt machen wir es erst recht! Auf dem Instagram-Account cigfluencers sind diverse Stars mit Zigaretten zu sehen, darunter viele alte Fotos mit bekannten Gesichtern:
Als leidenschaftlicher Raucher gilt Ben Affleck. Dreifach-Oscar-Preisträger Sean Penn lässt sich seine Sucht nirgendwo verbieten und Catherine Deneuve soll Produktionsassistenten, die sie im Studio auf das Rauchverbot aufmerksam machen, eiskalt abblitzen lassen. Das sind die Unverbesserlichen. Model Kate Moss ist nach einer „Wellnessphase“ mit Vapes zurück im Spiel. Dampf ist wohl nicht Rock ’n’ Roll genug.

Sean Penn hat drei Oscars im Schrank – und vermutlich jede Menge Aschenbecher daheim.
Die Rauchrevolte kommt ausgerechnet aus Amerika
Ausgerechnet in Hollywood, wo Clean Girls alles für einen rosigen Teint tun, wo die Matcha-Chai-Society nur Gesundes an ihre Pilateskörper lässt, sieht man jetzt immer öfter junge Schönheiten genüsslich an einem Glimmstängel ziehen. An einem. Eine Schachtel hat kaum jemand dabei (oder der Assistent hält sie).
Das Süddeutsche Zeitung Magazin schreibt: „Das neue Ideal ist der Party-, Gelegenheits- und Poser-Raucher, der sich fürs Foto mit Kippe inszeniert, aber – natürlich – nicht abhängig ist.“

Sängerin Dua Lipa gehört zu den Promis, die immer wieder öffentlich rauchen.
Das mit der Abhängigkeit sei mal dahingestellt. Dua Lipa hat – ob trotz oder wegen der Kippen – eine sexy Stimme, Anya Taylor-Joy lässt sich auch von Paparazzi nicht beim Paffen stören. In der angesagten Schwulen-Eishockey-Serie „Heated Rivalry“ glühen nicht nur die Laken, sondern auch die Zigaretten. Ist es die Sehnsucht nach den wilden, alten Zeiten – oder nicht doch viel mehr? Selbst hierzulande spricht Barbara Schöneberger in ihrem Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ über gelegentliche Rauchexzesse, und dem Vernehmen nach soll sogar Heidi Klum hin und wieder … aber genau wissen wir es nicht. Die sind aber beide Ü-50 und wissen, anders als James Dean, sehr wohl, was sie tun.
Bemerkenswert ist: Alle jungen Instagram-Heldinnen wie Kylie Jenner gelten nicht als woke Vorzeigestars. Vielleicht ist das in einer Welt, die das Rauchen zurückdrängen will, die letzte Freiheit: sich eine anzünden. Öl-Krise, Regierungs-Krise, Wal-Krise – ich brauch’ jetzt mal fünf Minuten für mich.

Auch Schauspielerin Anya Taylor-Joy zieht gern mal an einer Zigarette.
Vom Lifestyle-Produkt zum Protest-Paffen
In den 1950er Jahren galt Rauchen als Inbegriff der Rebellion. Kinohelden wie James Dean zeigten der Welt mit Zigarette im Mundwinkel, was sie von ihr hielten. Die Zigarette wurde außerdem zum Zeichen der Emanzipation. Coole und kultivierte Frauen hielten zwischen Zeige- und Mittelfinger fast durchgängig einen Glimmstängel. Ganze Film-Jahrzehnte sind geprägt von Zigaretten.
Vorbei. Weltweit versuchen immer mehr Staaten, das Laster zurückzudrängen: Mexiko hat ein Rauchverbot in allen Außenbereichen, Irland, Griechenland und Frankreich schränken es an Arbeitsplätzen und teils in Parks ein. In Spanien ist es nicht mal erlaubt, auf der Außenterrasse VOR einem Restaurant zu rauchen. Und Neuseeland wollte bis 2025 komplett rauchfrei sein – die neue Mitte-Rechts-Regierung kippte das Vorhaben allerdings.
Ja, Rauchen ist ungesund, da gibt es nichts zu beschönigen. Noch immer gehen eine Vielzahl von Herz-, Kreislauferkrankungen sowie diverse Krebsarten auf übermäßigen Nikotinkonsum zurück. Aber diese Aufzählung ist bekannt. Und die Entscheidung für oder gegen die Kippe, die würden viele immer noch gern selbst treffen.
Der Kontrollwahn geht in Flammen auf
Was neu ist, ist die Vehemenz, mit der sich Teenie-Idole gegen die Ächtung auflehnen. Die Message der Stars gegenüber Staatsorganen, die immer tiefer in den Alltag der Bevölkerung eingreifen wollen: Ihr könnt uns mal!

Game of Thrones-Star Sophie Turner stieg zwischenzeitlich auf Vapes um.
Diese Rauch-Rebellion ist in der Welt der Reichen und Gelifteten kein Unterschichtzeitvertreib, sondern Luxus: In den USA kostet eine Schachtel zwischen 6 und 15 Dollar, in manchen Bundesstaaten dürfen Raucher (für alle gilt die Altersgrenze 21) nicht mal mehr in Freiluft-Warteschlangen und am Strand schmauchen. Da ist es praktisch, wenn man, wie die meisten Stars, ein großzügiges Privatgrundstück besitzt, auf dem man tun kann, was man möchte. Ohnehin machen Raucher-Restriktionen in einem Land keinen Sinn, in dem sich jeder Erwachsene in einem Weed-Shop für ein paar Dollar eine Dröhnung besorgen – und damit durch den Tag trotteln kann.
Und bei uns? Jeder fünfte Deutsche raucht laut Bundesgesundheitsministerium, Tendenz steigend – trotz aller Warnungen und Kampagnen. Ist es Sucht, Genuss oder Trotz? Ist aus der heimlichen Dampferei eine Fuck-you-Fluppe geworden? Gesund ist das sicher nicht. Aber es ist ein nachvollziehbares Auflehnen gegen staatliche Verbote.
Hätten Sie mal Feuer?
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