Tannenbaum-Tipp für politisch Korrekte: Der komische Onkel ist vielleicht kein komischer Onkel, sondern einfach normal
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In den vergangenen Tagen haben Sie vielleicht immer öfter von einer Spezies gelesen, die es vor allen Dingen in der Weihnachtszeit in die Medien schafft. Der „komische Onkel am Tisch“, der hart an Verschwörungstheorien glaubt und den Festbraten latent rassistisch würzt.
Der Bayerische Rundfunk (BR) widmet diesem vor allem in den Köpfen von Journalisten beheimateten Geschöpf einen ganzen Faktenfinder und gibt sieben clevere „Tipps, wie eine friedliche, konfliktfreie und konstruktive Kommunikation“ funktionieren kann, wenn es zum Ernstfall kommt: „Was also tun, wenn beim Weihnachtsessen Gerüchte, Falschinformationen oder Verschwörungsmythen auf einmal die Unterhaltung bestimmen?“
Der Spiegel berichtet unter der Überschrift „So diskutieren Sie an Weihnachten mit dem rassistischen Onkel“ von einem Seminar des „Kulturbüro Sachsen“, bei dem vor allem junge Frauen berichten: Sie hätten Angst, dass ihr Vater oder ihre Oma Dinge sagen, die nicht in ihr Weltbild passen. Und sie würden gerne lernen, wie man damit umgeht.

In Weimar geht‘s mit dem Regenschirm zum Weihnachtsmarkt: Richtig festlich ist das noch nicht. Aber kann ja noch kommen!
Wann verbieten uns die Grünen das Würstchen?!
Sie ahnen, wogegen der BR-Faktenfuchs und das Sachsen-Seminar die Menschen wappnen wollen. Im Spiegel-Text wird eine Szene beschrieben, auf die man sich vorbereiten sollte: „Die Familie sitzt an Heiligabend zusammen, es gibt Kartoffelsalat und Wiener Würstchen, und als der Vater sich ein neues Würstchen aus dem Topf nimmt, sagt er: ,Na ja, da nehme ich mir gleich mal zwei, wer weiß, wann die Grünen uns das hier auch noch verbieten. Wenn es nach denen geht, würden sie uns ja komplett diktieren, was hier auf den Tisch kommt.‘“
Uh, Verschwörungstheorie! Dagegen braucht man eine Kommunikations-Strategie! Oder einen kleinen Blick in die Jahreschronik: Im Juni 2023 hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) seinem Ministerium untersagt, bei Veranstaltungen Fleisch zu servieren. Ausnahmen der Veggie-Pflicht bedürfen einer Sondererlaubnis. Das wird bei dem Seminar aber nicht vermittelt.
Die Faktenfinder vom BR-Faktenfuchs raten in solchen Situationen zu einer empathischen Kommunikation mit offenen Fragen: „Was denkst du darüber?“; „Woher hast du diese Information denn?“; „Was löst das in dir aus?“

Haben Sie schon mal versuch, wen auch immer unterm Tannenbaum zu therapieren? Viel Erfolg!
Respekt statt Therapie
Lesen Sie diese Fragen mal laut am Tisch vor. Ich weiß nicht, wie Sie mit ihren Familienmitgliedern umgehen, egal ob an Weihnachten oder sonst wann. Aber ich respektiere sie und versuche sie nicht zu therapieren. Wenn ich mich streiten möchte, streite ich mich. Wenn ich Ihnen zuhören möchte, höre ich Ihnen zu. Und in keinem Fall würde ich Ihnen durch eine Kommunikations-Strategie, die jeder Drittklässler durchschaut, zu verstehen geben, dass ich mich überlegen fühle und sie belehren möchte.
Das Problem der Menschen, die den Onkel am Tisch als komischen Onkel am Tisch als Fall für die familieninterne Bekehrung und bei Misserfolg als Fall für den Verfassungsschutz betrachten, ist Folgendes: Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, dass der Onkel nicht komisch, sondern vielleicht einfach ganz normal ist.
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