Überall nur noch Verschwörungserzähler! Die Hetze gegen die „Schwurbler“ ist selbst paranoid
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Sie sind unter uns. Jeder könnte es sein: Die Kellnerin, der Bettler am Bahnhof, der Businessman im Fitnessstudio. Verschwörungserzähler. Sie glauben an geheime Eliten, fühlen sich verfolgt, sind nicht bei sich. Abermillionen Bürger sind wandelnde Demokratiegefahren!
Mit derartigen Gedanken dürften Menschen wie Tobias Meilicke ihren Alltag bestreiten. Er ist Mitgründer von „Veritas – Beratungsstelle für Betroffene von Verschwörungserzählungen“, die 2021 gegründet wurde und vom Land Berlin staatlich gefördert wird. Laut ihm glauben ganze „zehn bis dreißig Prozent“ der Bevölkerung Verschwörungserzählungen.
Grundgesetz-Demonstranten zu Staatsfeinden erklärt
Damit folgt der Berater der Schwurbelbedrohten den Staatsapparaten, die Verschwörungstheorien als ultimative Staatsgefahr aufblasen. Der Jüdischen Allgemeinen erzählte Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang (CDU) ganz unverblümt, dass „Querdenker“ und „Corona-Leugner“ unisono als verfassungsschutzrelevante „Delegitimierer“ eingeordnet werden.
Wer ernsthaft glaubt, dass das Protestgeschehen gegen die Corona-Politik ein Angriff auf das Grundgesetz war, leidet an Realitätsverlust.

Ein staatlich geförderter Experte rät dazu, keine Sachdiskussionen mit Problem-Verwandten zu führen.
Es ist schlicht paranoid: Der Inlandsgeheimdienst erklärte schwäbische Hausfrauen, um ihre Kinder besorgte Eltern und andere harmlose Grundrechte-Demonstranten zu revolutionären Staatsfeinden.
In seiner Vorstellung lebt Meilicke in der Bundesrepublik mit bis zu 25 Millionen Demokratie-Zersetzern zusammen, Menschen, die er für Sachdiskussionen nicht empfänglich hält, weil sie aus psychologisch bedingten Gründen schwurbeln würden, um so persönliche Krisen und Ohnmachtsgefühle zu kompensieren. Die Art, wie sich sogenannte „Kritiker“ von Verschwörungserzählungen mit ihrem Thema auseinandersetzen, nimmt inzwischen genau die obsessiven Züge an, die sie den „Schwurblern“ unterstellen.
Das liegt am entgrenzten Begriff von „Verschwörungstheorie“, der kaum Kriterien kennt, sondern assoziativ funktioniert. Letztlich fällt daunter, was mit der Regierungslinie in grundsätzliche Konflikte gerät. Ein paar falsche Signalwörter genügen und schon gilt man als abgedriftet oder auf dem Weg dorthin. Zweifeln Sie an der Sicherheit der Corona-Impfstoffe, sahen Grundrechte unrechtmäßig abgebaut oder nehmen totalitäre Tendenzen wahr? Etwa, weil Sie die Süddeutsche fordern hörten, „mehr Diktatur zu wagen“? Dann müssen Sie wohl Verschwörungserzählungen auf den Leim gegangen sein, mit denen Sie bei weiterer Radikalisierung bei der Idee einer jüdischen Weltverschwörung oder einer Reptiloiden-Unterwanderung ankommen.
Der Diskurs über Verschwörungstheoretiker verwischt gezielt den Unterschied zwischen Skepsis und Irrationalität, Kritik und Wahn.
Es ist Propaganda, die den Menschen Angst einjagen soll, etwas Falsches zu sagen und so zu den Verrückten und „Demokratiefeinden“ gerechnet zu werden – ins gesellschaftliche Abseits gestellt, zum Canceln freigegeben.

Sie nehmen totalitäre Tendenzen wahr? Dann sind Sie wohl ein Verschwörungsgläubiger… (Screenshot: Süddeutsche)
Wie ein manipulativer Werbe-Profi: „Gefühle statt Inhalte“!
Mit der Zweckentfremdung des Verfassungsschutzes für eigentlich demokratische Auseinandersetzungen hat die Regierung längst noch nicht alle Register gezogen. Sie will auch beim Weihnachtsessen dabei sein. Am 23. Dezember veröffentlichte das ZDF unter dem Titel „Verschwörungsmythen: Wenn Opa schwurbelt“ ein Interview mit Tobias Meilicke, in dem dieser – wie ein Werbeprofi – dazu rät, „weniger auf Inhalte einzugehen, sondern sich eher auf der emotionalen Ebene zu bewegen.“
Diese Grundsatzempfehlung macht Meilicke zu einem gefährlichen Mann: „Die Gespräche sollten nicht auf der Sachebene, sondern emotionsbasiert geführt werden“, erzählte er auch der Gewerkschaft Verdi, die seine Psycho-Tipps für Problem-Verwandte dankbar veröffentlichte. Der Tenor ist: „Verschwörungsgläubige“ sind wie unmündige Erwachsene zu behandeln. Hier werden gewöhnliche innerfamiliäre Auseinandersetzungen zugunsten staatlich erwünschter Meinung sabotiert.
Sachdiskussionen brächten nichts, „weil das Gegenüber das als Angriff auf die eigene Person wahrnimmt.“ Im Stil eines Verhaltens-Coaches geht es weiter: „Setzen Sie Grenzen in Ich-Botschaften! Nicht: Du bist blöd“, sondern: „Da kommen wir inhaltlich nicht zusammen.“ Beim Thema Corona soll man etwa entgegnen: „Ich höre gerade ganz schön viel Angst heraus“. Besser wäre es, nach „gemeinsamen Themen“ zu suchen, „zum Beispiel über Fotos oder Hobbys“ zu reden.
Um klar festzuhalten: Hier empfiehlt ein vom Staat bezahlter Mann, Bekannte, Freunde und Verwandte mit falscher Meinung wie debile Therapiebedürftige zu behandeln. Familien-Auseinandersetzungen werden zugunsten staatlich erwünschter Meinung sabotiert. Diese Hetze ist selbst paranoid: Normaler Widerspruch gilt als Gefahr für die Demokratie.
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