Der Westen darf auf sich stolz sein: Jedes Volk braucht einen positiven Mythos
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Es ist ein weit verbreitetes Phänomen in der westlichen Welt, dass sich viele Menschen für die Taten und Eroberungen ihrer Vorfahren schämen oder sich zumindest distanzieren.
Doch während der Westen sich in Selbstkritik übt, feiern andere Kulturen ihre Eroberer und Helden mit Stolz. Ist es nicht an der Zeit, die Geschichte in einem symbolischen Kontext zu betrachten und doppelte Maßstäbe zu hinterfragen?
Dschingis Khan, der Gründer des Mongolischen Reiches, ist für seine brutalen Eroberungszüge bekannt. Er und seine Nachfolger eroberten weite Teile Asiens und Europas und hinterließen dabei eine Spur der Verwüstung. Doch in der heutigen Mongolei wird Dschingis Khan als Nationalheld verehrt. Monumente, Straßen und sogar der Hauptflughafen des Landes tragen seinen Namen. Für die Mongolen symbolisiert er Stärke, Einheit und den Höhepunkt ihrer historischen Macht.

Reiterstandbild des Dschingis Khan in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar – das höchste Reiterstandbild der Welt
Mohammed, der Prophet des Islams, war nicht nur ein religiöser Führer, sondern auch ein erfolgreicher Feldherr. Er führte seine Anhänger in zahlreichen Schlachten und Eroberungen. Heute wird er von Milliarden von Muslimen weltweit als der letzte Prophet verehrt. Seine militärischen Erfolge werden nicht als Zeichen der Aggression, sondern als göttlich inspirierte Taten betrachtet. Hierbei ignoriert man allerdings die Kolonialisierung der eroberten Gebiete und die Zwangsassimilation der unterdrückten Völker.
Doch während die Mongolen und Araber stolz auf ihre mystifizierten Vorfahren sind, sind viele westliche Nationen, insbesondere Deutschland nach den beiden Weltkriegen, in eine Phase der Selbstreflexion und Kritik an ihrer eigenen Geschichte eingetreten.
Schulen lehren über die Schrecken des Kolonialismus, des Sklavenhandels und anderer dunkler Kapitel. Museen und Denkmäler werden umgestaltet, mit dem Ziel, eine ausgewogenere Darstellung der Geschichte zu bieten. Doch wie ausgewogen ist es, jede Eroberung als ausschließlich etwas Negatives zu sehen? Natürlich muss man Genozide und Menschenhandel verurteilen und Lehren daraus ziehen, damit sich so etwas nie wieder ereignet.
Dennoch ist es von Nutzen, die Erfolge der eigenen Vorfahren zumindest zur Kenntnis zu nehmen und als Motivation zu betrachten, eine eigene Hochkultur zu schaffen beziehungsweise zu halten. Eine, die vielleicht keine Eroberungskriege mehr führen will, aber dafür ähnlichen Einfluss durch Kultur und Wirtschaft ausübt.
Napoleon und Washington werden verehrt, aber differenziert betrachtet
Die Franzosen schaffen es, in der Schule darüber zu berichten, dass Napoleon Bonaparte zwar Kolonialherr war, aber auch ein starkes Frankreich geschaffen, Bürgerrechte eingeführt und die Juden emanzipiert hat.
George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten, spielte eine entscheidende Rolle im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und legte als erster Präsident den Grundstein für das Amt und die amerikanische Demokratie. Sein Bild ziert heute noch den Ein-Dollar-Schein.
Doch wie bei vielen historischen Figuren gibt es auch bei Washington eine dunklere Seite. Er war Plantagenbesitzer und hielt Sklaven, was in der heutigen Zeit zu Recht kritisiert wird. Trotz dieser berechtigten Kritik bleibt er eine zentrale Figur in der amerikanischen Geschichte. Seine Führung, hat maßgeblich dazu beigetragen, die junge Nation zu formen.
Trotz der Kontroversen wird er als Symbol für die Gründungsideale des Landes verehrt.
Bismarck vereinte Deutschland, gerät aber zunehmend in die Kritik
Reichskanzler Otto von Bismarck wird den Schülern als Figur, die Deutschland vereinte, nähergebracht. Ein Politiker, der den Sozialstaat schaffte, Frankreich durch überlegene Feuerkraft und geschickte Diplomatie bezwang und eine konsequente Realpolitik führte.
Doch immer mehr gerät der Eiserne Kanzler in ein schlechtes Licht. Unter Bismarcks Führung beteiligte sich Deutschland am „Wettlauf um Afrika“ und erwarb Kolonien, was zu Konflikten und Ungerechtigkeiten gegenüber den einheimischen Bevölkerungen führte – dieser Fakt überschattet im linksgeführten Diskurs jegliche seiner Errungenschaften.

Eine Statue von Bismarck wurde von linken Vandalen mit Farbe beschmutzt.
Die „Wiedergutmachungs-Olympiade“: Wer schämt sich am schönsten?
Während die westliche Dekadenz sich auf den Errungenschaften der historischen Helden ausruht, sucht man sich einen neuen Wettkampf. Dieser Wettkampf beinhaltet keine neuen Eroberungen oder Errungenschaften, sondern er geht darum, wer sich am intensivsten schämen kann. Das scheint zum Selbstzweck geraten zu sein, zu einer Art „Wiedergutmachungs-Olympiade“.
Ein alter jüdischer Witz besagt:
Eine Gruppe von Juden in einer Synagoge zeigt ihre Gottesfurcht. Zuerst steht ein Rabbi auf und sagt: ‚Oh Gott, ich weiß, ich bin wertlos. Ich bin nichts!‘
Nachdem er fertig ist, steht ein reicher Geschäftsmann auf und sagt, sich an die Brust schlagend: ‚Oh Gott, auch ich bin wertlos, besessen von materiellem Reichtum. Ich bin nichts!‘
Nach dieser Darbietung steht auch ein armer, einfacher Jude auf und verkündet: ‚Oh Gott, ich bin nichts.‘
Der reiche Geschäftsmann stößt den Rabbi an und flüstert ihm verächtlich ins Ohr: ‚Was für eine Frechheit! Wer ist dieser Kerl, der es wagt zu behaupten, dass auch er nichts ist!‘
Doch während dieser Witz einen Einzelfall betrachtet, kann man in der westlichen Gesellschaft zunehmend beobachten, wie sich reflektierte Abgeklärte, wo sie nur können, in einem sich schämenden Licht zu präsentieren:
Typ A der reflektierten Moralin-Fanatiker weiß, was seine Großeltern 1933 bis 1945 getrieben haben und schreibt sich auf die Fahne, ein überzeugter Antifaschist zu sein. Das geht so weit, dass er auch Juden erklärt, dass sie Nazis sind, wenn sie nicht auf linker Parteilinie sind.
Typ B hat nicht nur die Geschichte der Großeltern reflektiert, sondern auch die seiner gesamten Ethnie und dazu noch den Fakt, dass sein Vater ein Geschäftsmann ist, der seine Arbeiter angeblich ausbeutet.
Typ C ist kein „Typ“ mehr, denn er hat die lange Geschichte des Patriarchats reflektiert und möchte sich lieber zu den Frauen gesellen, um in der Opfer-Pyramide aufzusteigen.
Statt die eigene Geschichte anzunehmen, zu reflektieren und abzuschließen, zeigt man sich 80 Jahre später als entschiedenen Krieger gegen den Nationalsozialismus. Je länger das NS-Regime her ist, desto mehr Widerstandskämpfer gibt es.
Es ist Zeit, wieder Helden zuzulassen
Gratismut und fehlende Identität führen dazu, dass eine Allergie auf die Errungenschaften der Vorfahren entsteht. So wichtig wie es ist, aus den Fehlern seiner historischen Figuren zu lernen, so wichtig ist es, die Errungenschaften seiner historischen Vorfahren anzuerkennen.
Speziell die Helden aus der Frühen Neuzeit, dem Mittelalter und dem Altertum bieten sich an, um eine mystifizierte Legende der eigenen Nation zu schaffen, da es keine direkt Geschädigten mehr gibt.
Ob nun Arminius, Karl der Große oder Bismarck – die Auswahl ist groß.
Eine Nation ohne Legende überdauert nicht die Zeit.
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Amir Makatov
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