Vatertag, Muttertag und das kinderlose Kanzleramt
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Donnerstag war Vatertag. Heute ist Muttertag. Dass wir diese beiden Tage in Deutschland in irgendeiner Form begehen und würdigen, zeigt: Familie ist uns wichtig. Ohne Eltern wären wir nicht auf der Welt. Sie prägen uns und unseren Blick auf die Welt, im Kleinen wie im Großen.
Deswegen erlauben Sie mir folgende Beobachtung: Seit nun mehr 26 Jahren sitzen Menschen im Kanzleramt, die keine Kinder haben. Helmut Kohl (zwei Söhne) war der letzte Regierungschef mit eigener Familie. Das waren noch Bonner Zeiten. Seit das Land aus Berlin regiert wird, wird kinderlos regiert.

Glücklich umarmt Helmut Kohl nach seiner Wahl zum Bundeskanzler seinen Sohn Walter (r). Hinten links sein Sohn Peter, links Frau Hannelore Kohl. Der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl ist am 1. Oktober 1982 von der neuen Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP zum sechsten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden.
Gerhard Schröder (1998-2005), Angela Merkel (2005-2021), jetzt Olaf Scholz – seit einer Generation schon sind unsere mächtigsten Menschen ohne eigene Kinder. Schröder hat zwei russische Waisenkinder adoptiert, eins zum Ende seiner Amtszeit (2004), eins nach der Abwahl (2006).
Den Faktor Familie kennen unsere mächtigsten Politiker nicht mehr
Nicht falsch verstehen: Die Frage, ob ein Mensch Kinder hat oder nicht, ist höchst privat und sensibel, in vielen Fällen auch keine eigene Entscheidung, sondern naturgegeben. Ich möchte die Motivation oder Gründe weder bewerten noch hinterfragen. Ich möchte nur feststellen: Den Faktor Familie und die Sorgen um die Zukunft der eigenen Kinder, den Millionen Deutsche jeden Tag spüren und der das eigene Leben bestimmt, kennen unsere mächtigsten Politiker seit nun mehr 26 Jahren nicht mehr.
Und ich glaube, dass sich das auch in der Politik widerspiegelt.

Kanzlerin a.D. Merkel beim Besuch eines Kölner Kindergartens im Jahr 2018
Eine Gesellschaft, in der sich Menschen fragen, ob sie sich Kinder noch leisten können, hat keine Zukunft
Unsere Schulen würden anders aussehen, wenn die Kinder des Kanzlers berichten würden, wie es auf den Toiletten oder im Klassenraum aussieht. Kinder würden sich für viele Paare nicht wie eine finanzielle Belastung anfühlen, im Gegenteil: Der Staat würde sie fördern, mit steuerlichen Erleichterungen. Und zwar selbstverständlich und niedrigschwellig, nicht als bürokratischer Akt.
Eine Gesellschaft, in der sich Menschen fragen, ob sie sich Kinder noch leisten können, hat keine Zukunft. Und diese Frage ist keine graue Theorie, sondern Realität. Eine repräsentative INSA-Umfrage zeigt: Die absolute Mehrheit (56 Prozent) der Deutschen beklagt, dass die Familie in der deutschen Politik momentan nicht genügend anerkannt wird. Nicht mal jeder Dritte (29 Prozent) sieht genügend Anerkennung für Familien.
Schröder, Merkel, Scholz – sie alle kennen nicht das Gefühl, wenn zum Vater- oder Muttertag ein Blumenstrauß oder ein selbst gemaltes Bild auf dem Frühstückstisch steht. Noch einmal: Ich möchte das persönlich nicht bewerten. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es einen Unterschied macht, ob man nur SAGT, Politik für die nächste Generation zu machen. Oder es auch aus einer persönlichen Verantwortung heraus SPÜRT. Und es gibt keine größere Verantwortung als die eigene Familie.
Es wird dringend Zeit, dass die kinderlose Zeit im Kanzleramt endet.
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