Verschwendung, Quotenjagd, Linksdrall und Konformismus: Das sind die apokalyptischen Reiter von ARD und ZDF
Ein Beitrag von
Gastbeitrag von Wolfgang Herles
In der Bibel sind die vier apokalyptischen Reiter Vorboten des Untergangs. Auch durch die Flure der öffentlich-rechtlichen Anstalten traben seit Jahren vier apokalyptische Reiter.
Der erste Reiter ist die Gebührenverschwendung. Die Prozedur der regelmäßigen Erhöhung erlaubte den Anstalten, sich mit dem Sparen zurückzuhalten, selbst unter wachsendem politischen Druck. Erst die Skandale um obszöne Gehälter und Ruhebezüge in den Chefetagen ließ das Fass überlaufen. Die Spitzeneinkommen stehen übrigens im krassen Gegensatz zur Ausbeutung tausender freier Mitarbeiter. Weniger Geld macht deshalb kein besseres Fernsehen.
Der zweite Reiter ist das Dogma der Quote. Es zählt etwa im ZDF nur noch die Marktführerschaft. Es wird so getan, als müsse sich das quasi durch eine Sondersteuer finanzierte Fernsehen seine Daseinsberechtigung in offener Konkurrenz zu den Privaten beweisen. Das ist nicht der Fall. Es muss sein Geld zum Geringsten mit Werbung verdienen. Und es hat einen gesellschaftlichen Programmauftrag. Quote aber wird konsequent mit Qualität verwechselt. Daher kommt die öde Gleichförmigkeit.

Unter „www.meinungsvielfalt.jetzt“ ist das Manifest zu finden.
Allerorten dieselbe rot-grüne Soße
Der dritte apokalyptische Reiter ist der Linksdrall der Programme. Die meisten Redakteure ticken grün, größtenteils eingestellt und gefördert von Intendanten und Programmdirektoren, die auf schwarzem Ticket ins Amt rutschten. Wie das? Weil in den endlosen Merkeljahren ja auch die Unionsparteien nach links rückten. Das grüne Weltbild wucherte in den Anstalten wie Unkraut und niemand war da, es zu jäten.
Der vierte Reiter ist der Konformismus. Nicht alle sind links, aber die meisten fruchtbar angepasst. Sie ducken sich weg. Eine Seuche der ganzen Gesellschaft, auch in Politik und Wirtschaft, aber in den Sendern ganz besonders. Früher einmal galt Ausgewogenheit als journalistisches Maß. Rechte und linke Magazine hielten sich die Waage, es gab rote und schwarze Sender. Heute verbreiten vom Norddeutschen bis zum Bayerischen Rundfunk alle dieselbe rot-grüne Soße. Wer etwas werden will, passt sich an. Kaum jemand muckte auf. Andernfalls wurde er schnell einen Kopf kürzer gemacht. Die Angepassten machten das Rennen um Sendeplätze, Inhalte und Chefposten.

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Zu spät, aber wichtig und richtig: ein Manifest für Meinungsvielfalt
Da ist das Manifest „für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland“ namhafter Mitarbeiter, Journalisten, Schauspieler, Programmmacher aller Arten zu begrüßen. Sie wollen nicht, dass das Bad mit dem Kind ausgeschüttet wird. Die Demokratie braucht öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Bühne des Meinungsstreits, sagen sie. Doch ARD und ZDF haben diesen Auftrag verraten und das Vertrauen der Bürger weitgehend verspielt.
„Stimmen, die einen – medial behaupteten – gesellschaftlichen Konsens hinterfragen, werden wahlweise ignoriert, lächerlich gemacht oder gar ausgegrenzt. Inflationär bedient man sich zu diesem Zwecke verschiedener ‚Kampfbegriffe‘ wie ‚Querdenker‘, ‚Schwurbler‘, ‚Klima-Leugner‘, ‚Putin-Versteher‘, ‚Gesinnungspazifist‘ und anderen, mit denen versucht wird, Minderheiten mit abweichender Meinung zu diffamieren und mundtot zu machen.“
Es ist richtig, was da gefordert wird: innere Pressefreiheit, mehr Meinungsvielfalt und Unabhängigkeit, mehr Kontroverse, mehr Mitbestimmung der Bürger und Schluss mit der Quotengeilheit.
Die Reformdebatte hätte längst aus den Sendern heraus angestoßen werden müssen. Nicht erst jetzt, aus Notwehr gegen teils ziemlich radikale Vorschläge aus den Reihen der Politik, die erkannt hat, wie wohlfeil und populär es ist, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Gunst zu entziehen. Das Manifest kommt spät, vermutlich zu spät. Es hält den Niedergang nicht auf. Wichtig ist es dennoch. Als Ermutigung für mehr Widerstand in den Sendern.
Wolfgang Herles (73) ist Journalist, Bestsellerautor („Mehr Anarchie, die Herrschaften“, „Die Gefallsüchtigen“) und war lange Jahre Redaktionsleiter und Moderator des ZDF-Kulturmagazins „aspekte“.
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