Warnhinweise für Otto-Filme? Lasst uns weiter über das ostfriesische Schlitzohr lachen!
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Otto Waalkes hat viele Menschen im Land schon ein paar Gehirnzellen gekostet. Nicht wegen seines Humor-Niveaus, das ganz weit oben anzusiedeln ist – nein, man kann bei seinen Auftritten minutenlang nicht mehr atmen vor Lachen. Und Sauerstoffmangel soll ja gar nicht so gesund sein…
Der WDR zeigt Otto-Filme jetzt mit Warnhinweisen. Man zeige die Werke im Original, man müsse sich deshalb auf „rassistische und diskriminierende Inhalte“ einstellen.
Halt mal. Ottos Humor ist gefährlich? Weil sich der tolle Günther Kaufmann und Otto gegenseitig als „Du N…“ bezeichnen, weil auch Otto „schwarze Füss“ hat? Das war 1985, „Woke“ zu sein war noch nicht hip und ein Rassismus-Verdacht gegenüber Waalkes hätte eher Gelächter hervorgerufen.

Der Komiker und Künstler Otto Waalkes steht nach dem Presserundgang „Otto die Ausstellung“ von Otto Waalkes im Buchheim Museum neben einer Figur eines Ottifanten und zeigt dabei auf die gemalte Hand Gottes.
Ja, die Zeiten haben sich geändert und aufgrund reeller Ereignisse und Entwicklungen gibt es nicht umsonst eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber diskriminierenden, beleidigenden, rassistischen oder Geschlechter verachtenden Inhalten. Das ist auch gut so und hilft dabei, die Gesellschaft toleranter, liberaler und gerechter zu machen.
Aber wenn eine Gruppe von Menschen „Winnetou“ auf die schwarze Liste setzen will, weil sich Karl May anmaßte, einen indianischen Krieger zu erfinden, ohne jemals den amerikanischen Kontinent betreten zu haben und ihm das als „Blackfacing“ oder „kulturelle Aneignung“ ausgelegt wird – wo führt das hin?
Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgrens Welterfolg, den Abermillionen Kinder verschlungen und noch mehr Eltern vorgelesen haben, muss umgeschrieben werden. Pippis Vater heißt statt „Negerkönig in Taka-Tuka-Land“ nun „Südseekönig“, weil Pippis Heimat Schweden in den 40er-Jahren Kolonien in der Karibik unterhielt und mit den Worten „eigenartig“ oder „fremdländisch“ auch hier rassistische Stereotype bedient werden.

Otto Waalkes verbindet Generationen
Kein Klassiker der Weltliteratur, der nicht zurzeit einer Prüfung unterzogen würde. Ian Flemings „James Bond“ ist rassistisch und diskriminiert die Frau. In Roald Dahls berühmtem Roman „Charly und die Schokoladenfabrik“ darf das dicke Kind nicht mehr als „fett“ bezeichnet werden, sondern als „enorm“.
Wenn aber selbst die BIBEL zur Disposition steht, weil sie nicht nur Szenen der Liebe, sexistische und rassistisch diskriminierende Inhalte, Gewaltszenen und Brutalität „vermittle“, dann müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, welche Folgen das hat.
Wird „Kunstfreiheit“ nicht durch das Grundgesetz geschützt? Ist „Verhältnismäßigkeit“ wirklich nur ein Wort? Jeder Klassiker hat seine Zeit, war schon zu seiner Zeit weit vorn in seiner Entwicklung. Provozierte vielleicht, war aber ein Spiegel eben dieser Zeit.

Otto Waalkes (2.v.r) und andere Gewinner feiern bei der „Kurier Romy-Gala 2023“ in der Hofburg in Wien.
Wer Westernhagens „Dicke“ als Beschimpfung schwergewichtiger Menschen versteht, missversteht den „Eulenspiegel-Effekt“, der den Lästermäulern den Spiegel vorhalten soll.
Lesen Sie auch den Kommentar von Politik-Chef Ralf Schuler: Der WDR will, dass wir uns für Otto schämen
Wenn sich die zeitgeistgetriebene Kulturkritik nun daran macht, allen den Zugang zu diesen Epochen der Pop- und Hochkultur zu verbieten, beraubt sie uns der Erfahrung, selbst zu reflektieren und uns in die Figuren hineinzuversetzen, die uns die Schriftstellerinnen und Schriftsteller schenkten. Sie spricht uns die eigene Verantwortung ab.
Also bitte, lasst uns weiter über Otto lachen, das ostfriesische Schlitzohr, das uns mit seinem naiven, aber klugen Humor die Tränen in die Augen treibt. Der tut niemandem weh. Außer unserem Bauch…
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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