Warum diese Kurve wichtig für ihr Leben ist: Die deutsche Angst vor der eigenen Meinung
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Es ist eine genauso einfache wie brisante Frage: „Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?“
Diese Frage stellt das Allensbach-Institut den Deutschen seit mittlerweile 70 Jahren jedes Jahr aufs Neue. Das Allensbach-Institut ist keine Spinner-Vereinigung, sondern das renommierteste deutsche Meinungsforschungsinstitut, der Goldstandard unter den Demoskopen.
Schauen Sie einmal ganz genau auf diese Grafik hier. Sie ist extrem wichtig für Ihr Leben, für unser aller Leben:

1953, acht Jahre nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur und vier Jahre nach Gründung der Bundesrepublik, haben 58 Prozent gesagt: Ich kann frei reden. Anfang der Siebziger Jahre waren es 83 Prozent, nur 12 Prozent haben gesagt: Es ist besser, vorsichtig zu sein.
In diesem Jahr sagt das erste Mal in der Geschichte dieses Freiheitsindex eine Mehrheit der Deutschen: Es ist besser, vorsichtig mit der politischen Meinung zu sein (44 Prozent). Die Menschen, die sagen, man könne in Deutschland frei reden, sind in der Minderheit (40 Prozent). Die beiden Kurven haben sich überschnitten. 2023 ist das Jahr, in dem die Mehrheit der Deutschen Angst vor ihrer eigenen Meinung hat.
Warum ist das so? Die Umfrage liefert einen Teil der Antwort direkt mit. Anhänger aller Parteien sagen mehrheitlich, dass man mit seinen Äußerungen vorsichtig sein müsse. Einzig die Wähler der Grünen sagen zu 75 Prozent, dass es kein Problem mit der Meinungsfreiheit im Land gäbe. Natürlich empfinden sie es so. Weil ihre Meinung die Meinung ist, die im öffentlichen und akademischen Diskurs als die wünschenswerte Meinung angesehen und eingefordert wird.

Politisch korrekt oder politisch inkorrekt – das ist hier die Frage
Wer Zweifel an der Energiewende äußert, ist automatisch für die Zerstörung der Erde. Wer sich an Karneval als Indianer verkleiden will, macht sich der kulturellen Aneignung schuldig, ist ein Rassist.
Sie alle kennen das Schlagwort „politisch inkorrekt“. Darf der das so sagen?! Ist das noch zeitgemäß?!
Alleine, dass wir uns kollektiv darüber Gedanken machen, was politisch korrekt oder inkorrekt ist, zeigt den Fehler im System: Die Deutschen haben Angst vor ihrer eigenen Meinung, weil uns über Jahre eingetrichtert wurde, nicht mehr alles denken zu dürfen. Dass es Grenzen des Denkbaren – und Grenzen des Sagbaren gibt.

Das Gegenteil ist der Fall. In einer freien Gesellschaft müssen die Gedanken frei sein. Und die Worte. Menschen, die sich selbst im Kopf zensieren, entwickeln sich zu willenlosen Abnickern und Politik-Zombies.
In unserer Gesellschaft sind die Gedanken ganz offensichtlich nicht mehr frei – sonst hätte die Mehrheit im Land ja nicht Sorge dafür, ihren politischen Standpunkt in der Öffentlichkeit zu teilen.
Es erfordert Mut, aber wir müssen dringend wieder anfangen, miteinander zu streiten. Positionen auszuhalten, die dem anderen nicht gefallen. Und das zu sagen, was wir denken.
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