Warum Worte keine Gewalt sein können
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Wir leben in seltsamen Zeiten. In Zeiten, wo Männer Frauen sein können, Kinderbuchautoren Wirtschaftsminister und Worte Gewalt.
Die Behauptung, dass Worte Gewalt sein können, ist nicht nur eine sprachliche Verirrung, sondern auch ein gefährlicher Angriff auf die Grundlagen unserer Gesellschaft. Gewalt, definiert als Macht, Autorität, Recht und Mittel, um über jemanden oder etwas zu herrschen, ist ein Begriff, der in der physischen Welt verankert ist. Worte hingegen sind Werkzeuge der Kommunikation, des Gedankenaustauschs und der Meinungsbildung.
Auch im Zusammenhang mit der AfD wird das Argument aktuell immer wieder beschworen. Demnach seien Worte und Ausdrücke – „Remigration“, „Rückführungen“, „Passdeutsche“, „Sozialtourismus“ oder „Regenbogendiktatur“ – schon Ausdruck einer Diskriminierung oder einer faschistischen Weltsicht. Und die Vorboten einer Politik, die auch physisch gewaltsam werden kann. Die Ausdrücke, die in AfD-Kreisen fallen, sind umstritten, womöglich falsch, manchmal vulgär – aber ganz sicher keine Gewalt.
Das Gespenst der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit
Das Konzept der „gewaltfreien Kommunikation“ bespricht nicht, wie man miteinander agiert, ohne seine Fäuste zu benutzen – nein, es geht darum zu kommunizieren, ohne sein Gegenüber zu verletzen. Dabei hat jeder Mensch in einer Gesellschaft, die eine Meinungsfreiheit vorgaukelt, das Recht seine Ansichten frei zu äußern, auch wenn diese einem anderen nicht gefallen. Hass ist eine Meinung, genau wie Abscheu oder sogar das, was in linken Kreisen unter „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ fällt.
Eine Grenze des Sagbaren ist dort zu ziehen, wo das Gesagte keine Meinung mehr verkörpert, sondern einen Aufruf zur echten Gewalt. Ein Antisemit darf mich antisemitisch beleidigen – das ist keine Gewalt. Ruft er zur Gewalt gegen Juden auf, überschreitet er hingegen eine Linie. Eigentlich ganz einfach.

Für Linke endet die freie Meinungsäußerung da, wo ihre Gefühle verletzt werden.
Gefährlich wird es, wenn der Staat einschreitet, um die „verbale Gewalt“ zu kontrollieren, denn wenn wir anfangen, Worte als Gewalt zu betrachten, wo hört das auf? Wer entscheidet, welche Worte erlaubt sind und welche nicht? Das ist der erste Schritt zur Gedankenpolizei. Heute sind es „gewalttätige“ Worte, morgen sind es „gefährliche“ Gedanken.
Wirft Ihnen das nächste Mal jemand vor, ihre Worte seien Gewalt, entgegnen Sie, indem Sie diesen gehaltlosen Vorwurf als Gewalt bezeichnen. Auf absurde Vorwürfe lässt sich nun mal nur im Rahmen der gegebenen Absurdität argumentieren.
Bei diesem Thema fällt mir ein legendärer Tweet des US-Rappers Tyler The Creator ein. Dieser machte sich über Online-Mobbing lustig und empfahl den Betroffenen, einfach „vom Bildschirm wegzugehen“ oder seine Augen zu schließen, um das Geschriebene nicht wahrzunehmen.
Ein ähnlicher Ratschlag gilt auch den ewig Empörten, die aufgrund von „bösen Worten“ meinen, Gewalt erfahren zu haben. Sich vom „Gewalttäter“ zu entfernen, sollte helfen, die verletzten Gefühle zu schützen. Solange die Möglichkeit besteht, einfach wegzugehen, gibt es keinen Grund von Gewalt zu sprechen. Wird man hingegen festgehalten, ist es natürlich Gewalt – keine verbale.
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