Was passieren würde, wenn Deutschland Notre-Dame wieder aufbauen müsste
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Die ganze Welt bewundert Frankreich: Nach nur fünf Jahren Bauzeit ist es gelungen, das Meisterwerk Notre-Dame wieder aufzubauen – ein deutscher Maurer hätte es nicht schneller geschafft. Allerdings hätte er keine Chance gehabt, den Spruch „pünktlich wie ein Maurer“ unter Beweis zu stellen. Warum: In Deutschland wäre so ein gewaltiger Wiederaufbau noch in der Planungsphase.
Die deutsche Bauverordnung mahlt langsam
Zuallererst müsste der Wiederaufbau von der zuständigen Baubehörde genehmigt werden. Dazu müsste die Bauordnung des Landes geprüft werden, nehmen wir für unser Beispiel Berlin. Im Bebauungsplan wird bestimmt, wie ein Gebäude auszusehen hat, um die Bauvorschriften einhalten zu können. Wichtige Fragen sind: Ist die Nutzungsform gewährleistet (in diesem Fall Kirche); sind die Dachformen erlaubt (die einzigartige Dachkonstruktion mit den filigranen Details stehen in keiner deutschen Bauverordnung). Es müsste eine Kommission zusammengestellt werden, die darüber befindet, was zulässig ist und was nicht.

Die erste Messe des Jahres in der Kathedrale.
Bei Notre-Dame hat man beim Wiederaufbau wie früher Blei verwendet, in Deutschland würden Umwelt-Aktivisten mit Sicherheit dagegen klagen. Es könnte zu Verfahren kommen, deren Ausgang durch mehrere Instanzen ausgefochten werden müsste.
Werden die Energievorschriften wirklich eingehalten?
Andere wichtige Fragen, die in Deutschland beim Wiederaufbau eines großen Gebäudes eine wichtige Rolle spielen würde: Wird die vorgeschriebene Energieeffizienz eingehalten? Seit 2021 muss in Deutschland der sogenannte Niedrigst-Energiegebäudestandard für alle Bauten erreicht werden. Ob ein deutsches Notre-Dame den strengen Energievorschriften entsprechen würde – sehr fraglich.
Grundsätzlich gilt: Wer die Bauvorschriften missachtet, muss damit rechnen, keine Baugenehmigung erteilt zu bekommen. Das gilt in Deutschland für jeden und alles – auch für die Wiedererrichtung von Kirchen.

Flammen in Notre-Dame.
Und wie geht es den Käfern damit?
Was in Deutschland viele Bauvorhaben in die Länge zieht, ist die Rücksichtnahme auf die Tierwelt. Beispiele: Der Eichen-Heldbockkäfer, eine seltene Käferart, blockierte den Zusammenschluss der Autobahn A661 und A66 im Osten Frankfurts: Das Tier verhindert den Weiterbau seit Jahren – obwohl seit Jahren geplant. In Frankfurt-Sindelfingen sollte ein Wohngebiet mit 2000 neuen Wohnungen entstehen. Doch der Magistrat legte Planungen auf Eis, weil Tierschützer dort den Lebensraum frei lebender Hamster ausmachten. Eine Umsiedlung der Tiere kam nicht infrage, denn das sei sehr aufwendig, teuer und wahrscheinlich nicht einmal erfolgreich. Ergebnis einer Experten-Runde: Man wolle abwarten, ob die Nager „eventuell irgendwann von selbst weiterziehen“. Noch ein Beispiel aus Hessen: Ein seit zehn Jahren geplantes Wohngebiet für 700 Menschen in Hofheim (Taunus) kann nicht gebaut werden, weil der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erfolgreich dagegen geklagt hatte. Grund: der dort heimische Gartenrotschwanz hätte weichen müssen.
Zu den Tieren, die einen Wiederaufbau verhindern könnten, gehören: Fledermäuse, Spitzmäuse, Marder, Stadttauben, Schwalben, Feldsperlinge. Sollten sich folgende Tiere im noch nicht fertigen Dachgestühl einer deutschen Notre-Dame-Kathedrale einnisten, würde der Weiterbau gestoppt werden, wenn keine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde vorliegt: Nester von Hornissen, Wespen, Wildbienen dürfen nicht zerstört oder umgesiedelt werden.
P.S.: Es gibt natürlich keine Pläne für ein deutsches Notre-Dame. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Mon Dieu – Gott sei Dank!
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