Weltkatzentag: Ode an die Arschlöcher auf vier Pfoten
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In unserem bescheidenen Heim residieren zwei vierpfotige Monarchen, die mich als ihren persönlichen Fußabtreter betrachten. Und ich huldige ihnen weiterhin. Warum, fragen Sie? Hier mein Erklärungsversuch.
Meine Freundin und ich haben uns vor sieben Jahren entschieden, eine Katze und einen Kater zu „retten“. Statt „kaufen“, sage ich lieber „retten“, weil es heldenhafter klingt, als zuzugeben, dass wir lediglich zwei Vierbeiner aus einem Tierheim freigekauft haben. Das Personal dort legte großen Wert auf verantwortungsbewusste neue Besitzer. Mir wurde eine Riesenliste in die Hand gedrückt, mit Dingen, die ich unbedingt beachten und einkaufen sollte. Unter anderem wurde betont, dass die Katzen dringend einen vernetzten Balkon benötigen. Das war für uns kein Problem, da unser WLAN ausgezeichnet funktioniert, auch außerhalb der Wohnung.
Die Katze ist braun, der Kater ist schwarz. Sie näherten sich langsam einander an – ganz ähnlich wie AfD und CDU. Deshalb wollte ich sie Alice Weidel und Friedrich Merz taufen, aber meine Freundin war damit nicht einverstanden. Sie heißen jetzt Adolf und Eva, aber wenn wir unter uns sind, nenne ich sie immer noch Alice und Friedrich. Einmal saßen wir drei auf der Couch, während im Fernsehen ein Bericht über Tierschützer lief. Diese mutigen Helden retteten Haustiere aus schlechter Haltung, um sie nach Deutschland zu vermitteln. Friedrich und Alice waren völlig außer sich, fauchten und legten die Ohren an. Vielleicht hatten sie Angst, dass die anderen Katzen ihnen Herrchen, Frauchen und Futter wegnehmen könnten.
Rätselhafte Wesen
Katzen sind ganz besondere Geschöpfe. Geheimnisvoll und majestätisch. Kürzlich hat Alice mich angestarrt, und da war wirklich so etwas wie ein intelligentes Bewusstsein in den Augen zu erkennen. Aber Katzen sind auch sehr eigensinnig und bestimmend. Alice bleibt immer an meiner Seite und umkreist mich ständig. Jedes Mal, wenn ich etwas tue, das nicht ihren Wünschen entspricht, gibt sie mir einen Klaps. Wenn ich mich nach rechts bewege, obwohl ich nach links laufen sollte, vergräbt sie liebevoll ihre scharfen Krallen in meiner Wade. Deswegen nenne ich Alice auch „meine kleine Elefanten-Dompteurin“.

Autor Ahmet Iscitürk mit Kater Adolf
Wenn ich mich auf die Couch setze, darf ich mich nicht anlehnen, da Alice es liebt, in der Lücke zwischen der Rückenlehne und meinem Rücken zu liegen. Auf diese Weise kann sie mich besser kontrollieren und gleichzeitig sicherstellen, dass ich sie nicht streichle, während sie schläft. Wenn sie Lust auf Streicheleinheiten hat, positioniert sie sich genau in einer Armlänge Entfernung zu mir, sodass es für mich maximal unbequem wird, ihr Köpfchen zu kraulen. Sie ist sehr schlau und herzlos.
Liebe ist eine Einbahnstraße
Der Kater Friedrich ist nicht halb so smart, aber ebenfalls ein Arschloch. Jeden Morgen zwischen 4 und 5 Uhr hüpft er aufs Bett und signalisiert deutlich seinen Appetit. Mit einem Mix aus Grummeln und Quieken drängt er darauf, gefüttert zu werden. Zögert man zu lange, parkt er seine Pfote immer energischer auf meinem Gesicht. Nachdem Friedrich gefüttert wurde, muss noch sein Bauch gekrault werden, bis er sich ins Nirwana geschnurrt hat. Erst wenn er tief und fest pennt, kann ich meinen wohlverdienten Schönheitsschlaf fortsetzen.
Genauso schön finde ich, dass Friedrich und Alice sämtliches Katzenspielzeug ignorieren. In den vergangenen Jahren habe ich hunderte Euros in Angeln, ferngesteuerte Mäuse und Cat-Activity-Toys investiert. Alles vergeblich. Die Arschlöcher spielen nur mit der Plastikkappe eines Nasensprays, einem kurzen Draht aus einer Handyladekabel-Verpackung und einer noch verschlossenen Haselnuss. Es ist, als ob sie mir sagen möchten: „Du kannst unsere Liebe nicht erkaufen, du dumme Sau!“

Unsere Katzen zeigen ihre Liebe auf eine ganz eigene Art und Weise.
Bedingungslose Liebe
Gleichzeitig weigern sie sich aber, in günstiges Supermarkt-Katzenstreu zu kacken. Es muss hochpreisiges Bio-Klumpstreu sein und mehrmals täglich ultrafein gesiebt werden. Selbst eine winzige Unreinheit, kaum größer als ein Reiskorn, veranlasst Alice und Friedrich dazu, wild in ihren Katzentoiletten zu buddeln und alles im Umkreis von einem Meter mit Katzenstreu zu kontaminieren. Es gibt eben feste Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen, und jede Zuwiderhandlung meinerseits wird sofort bestraft.
Habe ich bereits erwähnt, dass Alice und Friedrich es ablehnen, hochgehoben oder auf den Schoß genommen zu werden? Jeder Besuch beim Tierarzt wird somit zu einem Festival der guten Laune. Beim letzten Versuch, Friedrich in seine Transportbox zu setzen, musste ich anschließend selbst einen Arzt aufsuchen, um die tiefen Kratz- und Bissverletzungen behandeln zu lassen.
Dennoch liebe ich unsere Katzen von ganzem Herzen, und es würde mir niemals in den Sinn kommen, sie erziehen zu wollen. Wie hat John F. Kennedy einmal so passend in einer seiner bedeutenden Reden gesagt: „Frage nicht, was deine Katze für dich tun kann – frage, was du für deine Katze tun kannst!“ Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber es ging in die Richtung. Wahrscheinlich leiden wir Katzenhalter unter dem Stockholm-Syndrom. Wir sind Opfer, die im Laufe der Zeit positive Gefühle, Sympathie und Verständnis für die Täter entwickeln. War das nicht der perfekte Abschlusssatz für einen Beitrag zum Weltkatzentag?
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Ahmet Iscitürk
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