Wenn Deutsche ermordet werden, heißt es nicht: „Say their names“ – sondern „Instrumentalisiert nicht die Opfer“
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Wie kommt es, dass deutsche Opfer von kriminellen Ausländern namen- und gesichtslos bleiben, während an Migranten, die von Deutschen ermordet werden, ritualhaft erinnert wird? Gerade in Solingen ist der unterschiedliche Umgang mit zwei Verbrechen eklatant.
Am 19. Februar 2020 lief ein psychisch schwerstgestörter Mann in Hanau Amok, ermordete neun Ausländer, dann seine Mutter und am Schluss sich selbst. Seither vollzieht sich am Jahrestag des Verbrechens in den sozialen Medien immer dasselbe Ritual. Unter dem Hashtag „Say their names“ posten Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens die Namen der Opfer des Massakers. Und es sind immer neun, nicht zehn – die Mutter des Mörders, Gabriele Rathjen, passt nicht in das Narrativ der rassistischen Tat. In Wirklichkeit litt der Attentäter an einer schweren Psychose, fühlte sich verfolgt, von Geheimdiensten beobachtet, vermutete, dass eine „Schattenregierung“ ihn und sein Umfeld durch Gedankenkontrolle und Telepathie beeinflusste. Er konnte sich auch eine „Halbierung der deutschen Bevölkerung“ vorstellen.
Merkels unterschiedlicher Umgang mit Opfern
Politik und Medien einigten sich darauf, das rassistische Motiv hervorzuheben. Die Amadeu-Antonio-Stiftung trug Informationen und Hintergründe zu den Ermordeten zusammen: „Trotz all der wichtigen Diskussion um den rassistischen Anschlag in Hanau am 19.02.2020 darf das Gedenken an die Opfer nicht in den Hintergrund geraten. Ihre Namen sind die, die im Gedächtnis bleiben sollen.“ Das Bundesministerium des Innern schreibt auf der Plattform X: „Sie waren alle einzigartig“ und liefert eine Beschreibung jedes einzelnen Opfers (außer Gabriele Rathjen): Beispiel: „Gökhan Gültekin war 37. Er war Maurer, stammte aus einer kurdischen Familie, ist in Hanau aufgewachsen. Gökhan sparte für seine Hochzeit und arbeitete dafür in dem Kiosk, in dem er am 19. Februar ermordet wurde."
So bekommen die Opfer Namen und Gesicht. Wie die türkische Familie Genç, die bei einem Brandanschlag auf ihr Wohnhaus in Solingen fünf Angehörige verlor, 14 weitere Familienmitglieder erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die Täter waren rechtsextreme Ausländerfeinde, also traf die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 25. Jahrestag Mevlüde Genç, Mutter, Großmutter und Tante der Opfer von Solingen, bei einer Gedenkveranstaltung und zeigte sich tief beeindruckt von der alten Dame.
Dieselbe Angela Merkel nahm erst ein Jahr nach dem ISIS-Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt 2016 an der Berliner Gedächtniskirche Kontakt zu Angehörigen der 13 Opfer auf, der Öffentlichkeit waren höchstens die Namen des ermordeten polnischen Lkw-Fahrers Lukasz Urban und der israelischen Touristin Dalya Elyakim bekannt, die Zeitungen druckten ihre Namen nicht und Fotos schon gar nicht. Bis heute überlassen Journalisten das den Aktivisten im Internet, sie selbst lassen die Finger davon. Ein Jahr nach dem Terroranschlag wurde der „Goldene Riss“ eingeweiht, ein Denkmal, Mahnmal und eine Gedenkstätte für die Opfer. Auf die im Boden eingelassenen Namen pinkeln des Nachts Hunde und Betrunkene.

Mahnmal für die Opfer des Terroranschlags vor der Gedächtniskirche in Berlin.
Wenn „Persönlichkeitsrechte“ ins Feld geführt werden
Erinnert man sich in Solingen und im politischen Berlin noch 31 Jahre nach dem Brandanschlag der Familie Genç, so sind die Namen der beim ISIS-Anschlag vom 23. August getöteten Menschen nicht einmal veröffentlicht. Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der selbst seinen fragwürdigen Beitrag zur tödlichen Willkommenskultur geleistet hat (NIUS berichtete), wandte sich beim Besuch von Kanzler Olaf Scholz an die Öffentlichkeit im Allgemeinen und an die Medien im Besonderen: Wie zuvor schon NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der dazu aufgerufen hatte, „dieser Stadt Ruhe zu geben“, forderte Kurzbach „Respekt vor den Menschen in der Stadt“, die den Schock erst einmal verarbeiten müssten: „Lasst uns zur Ruhe kommen in Solingen.“ Übersetzt ins Deutsche: Gehen Sie weiter, stellen Sie keinen unangenehmen Fragen.
Der Aufruf, jetzt erst einmal in Trauer „innezuhalten“, statt drängende Fragen zu stellen, erfolgt reflexartig, wenn wieder einmal Einheimische von illegal zugewanderten Migranten, besonders islamischer Herkunft, vergewaltigt oder ermordet werden. Über das Schicksal der 19-jährigen Studentin Maria Ladenburger, die 2016 in Freiburg von einem aus Afghanistan stammenden „Flüchtling“ vergewaltigt und anschließend ermordet wurde, berichtete die tagesschau nicht. Begründung: Es habe sich um ein „regionales Ereignis“ gehandelt. Und überhaupt: Maria wer?
Ein Muss ist auch das Argument, die Opfer könnten vor der falschen Partei „instrumentalisiert“ werden, vorgebracht von Leuten, die selbst den kleinsten Vorfall zum Anlass nehmen, Opfer für das eigene Narrativ zu missbrauchen. An Opfern, die sich nicht politisch ausschlachten lassen, besteht kein Bedarf. Oder es werden „Persönlichkeitsrechte“ vorgeschoben, die es zu beachten gelte (außer bei betrunkenen Sängern auf Sylt, die gesellschaftlich vernichtet werden sollen). So weiß bis heute kaum ein Medienkonsument, dass der achtjährige Junge, der 2019 am Frankfurter Hauptbahnhof von einem Eritreer vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurde, Leo Stettin hieß. Ob seine Mutter, die nur knapp mit dem Leben davonkam, gegen die Namensnennung war? Kaum denkbar.

Auch deutsche Opfer haben Namen und Gesichter: Kachel in den Sozialen Medien.
Keine Fragen stellen, die „die Bevölkerung verunsichern“
Die Emotionalisierung, die bei ausländischen Opfern gewünscht ist und nach Kräften kultiviert wird, muss bei einheimischen Opfern unbedingt vermieden werden. Sonst kommen womöglich bei den Bürgern Fragen auf, wenn sie das Foto eines Mordopfers sehen: Das hätte auch ich sein können. Oder meine Frau. Mein Kind. Wie konnte das passieren? Warum konnte der Mörder ins Land kommen? Wer hat das zugelassen oder gar gewollt? Die Frage nach der Verantwortung will man bei Politikern und den regierungsnahen Medien, die die offenen Grenzen und die verordnete „Willkommenskultur“ bejubelten, unter allen Umständen unter dem Teppich halten. Man fühlt sich an den ehemaligen Innenminister Thomas de Maizière erinnert, der nach der Absage eines Fußball-Länderspiels am 17. November 2015 wegen eines möglichen Terroranschlags über die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden sagte: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“
Als im Mai in Mannheim ein aus Afghanistan stammender Islamist den Islamkritiker Michael Stürzenberger mit einem Messer attackierte und schwer verletzte und im Gerangel mit Polizisten den Beamten Rouven Laur erstach, standen Politiker und Journalisten vor einem Problem: Es gab Videoaufnahmen von der Tat, vertuschen ließ sich nichts mehr. Also richtete man das Augenmerk auf den Tod des Polizisten, als habe der Anschlag ihm gegolten. Politiker wie Steinmeier, Scholz, Faeser, Kretschmann und Nouripour sprachen fast unisono von „Opfern“ oder erwähnten gerade noch den Polizisten, nicht aber den schwerstverletzten Michael Stürzenberger. (Mit Ausnahme von Ricarda Lang, um der Wahrheit die Ehre zu geben.) Stürzenberger wurde ignoriert, weil er den Elefanten im Raum, die Gefahr durch den eingewanderten Islamismus, ein paarmal zu oft erwähnt hatte und durch die Realität bestätigt worden war. Wenn er überhaupt in den Medien stattfand, beschrieb man ihn als „Islamhasser“, der sein Schicksal gewissermaßen selbst heraufbeschworen hatte.

Von den Medien ignoriert: Islamkritiker Michael Stürzenberger im Krankenhaus.
Diese Praxis, von Deutschen ermordete Ausländer als Opfer herauszustreichen, während man deutsche Opfer von Ausländern (die um ein Vielfaches zahlreicher sind) ignoriert, namen- und gesichtslos lässt, legt nur einen Schluss nahe: Das Narrativ von der vermeintlich rassistischen deutschen Bevölkerung muss aufrechterhalten werden, deutsche Opfer stören da nur – darüber kann das Gras gar nicht schnell genug wachsen. Im Namen der heiligen Vielfalt lässt man die eigenen Bürger buchstäblich über die Klinge springen.
Für Johanna H., Christiane H., Stefanie W., ermordet in Würzburg. Leo Stettin, ermordet in Frankfurt. Lukasz Urban, Anna und Georgiy Bagratuni, Sebastian Berlin, Nada Cizmar, Fabrizia di Lorenzo, Dalya Elyakim, Christoph Herrlich, Klaus Jacob, Angelika Klösters, Dorit Krebs, Peter Völker, Sascha Hüsges, ermordet in Berlin. Mia aus Kandel, Ann-Marie und Danny, ermordet in Brokstedt, Thomas L. und Partner, ermordet in Dresden. Und für viele andere.
Say their names!
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