„Wer heute baut, geht bankrott“: Dieser Satz ist viel mehr als nur der geplatzte Traum vom Eigenheim
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Es gibt nichts deutscheres als den Traum von den eigenen vier Wänden. Ein kleines Haus mit einem kleinen Garten. Vielleicht noch eine Garage nebendran. Nicht mehr Monat für Monat die Miete zu überweisen, sondern eine Wohnung oder ein Haus wirklich sein Eigen nennen können, heißt: Mir gehört ein Stück Deutschland. Ein Stück Heimat. Das nimmt mir niemand mehr weg. Dafür gehe ich gerne arbeiten.
Dieser Traum ist geplatzt. „Wer heute baut, geht bankrott.“
Das sagt Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses. Der Verband vertritt 37.000 Unternehmen aus der Baubranche, die Alarm schlagen. Mattner sagt jetzt: „Bauen ist heute faktisch unmöglich.“

Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA).
Wir – und mit wir schließe ich mich ausdrücklich mit ein – meckern gerne und oft über die sogenannte Gen Z und die Antriebslosigkeit der jungen Leute. Lieber 4-Tage-Woche und Homeoffice statt buckeln in der Firma. Aber bei diesen Bau-Bankrott-Sätzen frage ich mich schon: Wofür sollen junge Menschen eigentlich jeden Tag motiviert zur Arbeit gehen, wenn der deutscheste aller Träume für sie überhaupt keine Option sein kann?
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Wer Glück hat, erbt ein Eigenheim, der Rest zahlt ein Leben lang Miete. Nicht falsch verstehen: Es gibt Menschen, die sind ihr Leben lang gerne Mieter, weil es gut in den eigenen Lebensentwurf passt. Aber dann ist es ihre Entscheidung. Wer heute ins Berufsleben einsteigt, der hat diese Entscheidung nicht mehr. Bauen ist im Land der Bausparverträge keine Option mehr. Das ist mehr als nur der geplatzte Traum vom Eigenheim.
Es ist wieder ein Mosaiksteinchen, das zeigt: Irgendwas läuft schief in diesem Land. Und wir haben verlernt, die Kurve zu kriegen.
Nur Schweden baut in Europa langsamer
600.000 Wohnungen fehlen in diesem Jahr, 2027 sollen es 830.000 sein. Das renommierte Ifo-Institut rechnet damit, dass die Zahl der neu gebauten Wohnungen in den nächsten zwei Jahren um 35 Prozent zurückgeht. Das Ziel der Regierung war: 400.000 neue Wohnungen im Jahr. Die Realität laut Ifo: 2026 werden es 175.000 sein. Wohlgemerkt: Wohneinheiten, nicht Gebäude. Nur Schweden baut in Europa langsamer als wir.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD)
Hauptgrund für die Bau-Krise sind die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten. Und die staatlich bedingten Kosten steigen immer weiter. Grunderwerbssteuer, Umsatzsteuer, technische Baubestimmungen, energetische Anforderungen – die sogenannte Staatsquote, also das Geld, das im Zuge eines Bauprojektes an den Staat abgeführt wird, liegt in Deutschland bei 37 Prozent. In Frankreich sind es 19 Prozent, in Österreich 7 Prozent.
Und die Bundesbauministerin? Gibt den Schwarzen Peter gerne weiter. „Die Länder haben die Grunderwerbsteuer immer mehr in die Höhe gesetzt. Nun müssten sie prüfen, welchen Beitrag sie durch Senkung der Grunderwerbsteuer leisten können“, sagte Klara Geywitz (SPD) jetzt.
Deutschland war mal ein Land, in dem Probleme von kreativen Köpfen gelöst wurden, die in der Überzeugung gelebt haben: Das Land, das wir unseren Kindern hinterlassen, soll einmal besser sein als das Land, welches wir vorgefunden haben.
Die Baukrise ist für mich ein weiterer Beleg für die gegenteilige Beobachtung: Die Bahn soll im Jahr 2070 pünktlich sein, dieses an Ehrgeiz nicht zu unterbietende Ziel formuliert die Politik ganz ungeniert.

Die Bautätigkeit ist historisch eingebrochen.
Dass das ganze Land außerhalb unserer Städte ein einziges Funkloch ist und man in manchen Dörfern in den ersten Stock wandert, um mit dem Handy telefonieren zu können – ist halt so. Sollen die Menschen doch auf dem Festnetz anrufen. Und wenn der Traum von den eigenen vier Wänden für eine ganze Generation platzt, dann sind die Länder schuld. Möge einer der Ministerpräsidenten sich ein Herz fassen und irgendeine lokale Steuer senken.
Diese Ist-Nicht-Mein-Problem-Mentalität der Menschen, die dafür gewählt wurden, Probleme zu lösen, verheißt nichts Gutes. Die Bundesrepublik verwandelt sich schleichend, aber immer offensichtlicher, in ein Land der Unambitionierten.
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