Wie der Staatshumor von Böhmermann und Co. die linksgrüne Vorherrschaft sichern soll
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Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann hat sich in der Zeit in einem Gastbeitrag zu Wort gemeldet. Der Text trägt den Titel „Hier spricht Jan Böhmermann“ – die Überschrift könnte nicht besser gewählt sein, illustriert sie doch die Hybris einer medialen Klasse, für die das eigene Sprechen bereits Nachrichtenwert besitzt.
Sogar in den Reihen der linksliberalen Zeitung sorgte der Text für Erstaunen. Der Zeit-Autor Jochen Bittner – ehemaliger Leiter des Streit-Ressorts und heute London-Korrespondent – schrieb auf X: „Ich bin sehr froh, dass meine Zeitung Jan Böhmermann eine ganze Seite Platz gegeben hat, um einen mutmaßlich wichtigen Impuls zu formulieren. Herausgekommen ist ein erschütterndes Zeugnis intellektueller Leere, die er versucht mit Arroganz zu kompensieren. Wirklich ein Dokument. Unbedingt lesen.“
Böhmermanns Text lässt einen als Leser zunächst ratlos zurück: Er ist zu plump, um als Debattenbeitrag verstanden werden zu können, zugleich aber zu stark moralisch aufgeladen und zu humorlos, um als Satire durchzugehen. Fast ist man beim Lesen geneigt, die Figur Böhmermann als großangelegtes Satireprojekt von rechts zu deuten: In ein paar Jahren, so spekuliert man, enttarnt er sich selbst und gesteht, als lebendige Karikatur des „linken Satirikers“ das Land an der Nase herumgeführt zu haben.
Aber das bleibt wohl Fantasie. Lesen wir den Text also als das, was er ist: ein Zeitdokument, das unfreiwillig die Rolle des Staatshumors in Deutschland entlarvt.

„Hier spricht Jan Böhmermann“ in der Zeit
„Menschen von gestern“
In seinem Text wendet Böhmermann sich gegen „Menschen von gestern“, die er wie folgt definiert: „Menschen von gestern sind jene, die verlernt (oder nie gelernt) haben, so zu denken und zu reden, dass sich aus ihren Gedanken und Worten wirksames Handeln ergeben kann.“ Diese Menschen, so Böhmermann, müssten gesellschaftlich ausgegrenzt werden: Man müsse sich „auf neue, pragmatische, zukunftsfähige Ausgrenzungskategorien verständigen, die natürlich im Einklang mit Grundgesetz und Menschenwürde stehen sollten. Wir müssten wirksame Kategorien erfinden, die Menschen ausschließlich nach ihrem Denken und Handeln beschreiben und nicht – wie bislang – nach feststehenden und unveränderlichen Parametern wie Herkunft oder Hautfarbe.“
Böhmermann schreibt über die „Menschen von gestern“: „Statt Lösungen produzieren sie Gelaber, Gebete, Beschwörungsformeln, Meinungskolumnen, Sommerinterviews, Zaubersprüche. Sie flüchten sich in Projektionen, Selbstentschuldigungen, Ablenkungsdebatten.“
Eine akkurate Beschreibung der regierenden Ampel-Politiker, könnte man meinen, aber auf die Mächtigen zielt Böhmermann natürlich nicht ab, und hier wird es interessant. „Menschen von gestern“ sind für ihn solche, die Wärmepumpen und Elektromobilität kritisch sehen, die von Gender-Sprache nicht viel halten und bezweifeln, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, die gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und gegen ein Tempo-Limit sind. Das heißt: Wer die Politik der Regierung nicht unterstützt, der gehört laut Böhmermann ausgegrenzt.
Besonders auffällig ist, dass Böhmermann sich ausdrücklich nicht gegen AfD-Wähler wendet, sondern gegen Anhänger des BSW von Sahra Wagenknecht. Der Text richtet sich nicht primär „gegen Rechts“, sondern ist ein Versuch, die eigenen Reihen zu schließen: Der größte Feind der woken Ideologie sind die Abtrünnigen im eigenen Lager, die nicht daran glauben wollen, dass ein Mann im Rock eine Frau ist oder dass die flächendeckende Einführung von Wärmepumpen zu gesellschaftlichem Fortschritt führt. Böhmermann bekämpft mit seinem Text allem voran eine von links kommende politische Alternative zur Ampel.
Hier zeigt sich, was den Staatshumor eines Jan Böhmermann von echter Satire unterscheidet: Die zentrale Aufgabe der Satire war seit je her, sich mit den Mächtigen anzulegen, ihre Handlungen zu hinterfragen, ihre Doktrin ins Lächerliche zu ziehen. Der Staatshumor aber dient sich den Mächtigen an und lacht mit ihm über jene Teile des Volkes, die sich den Plänen der Regierung nicht beugen wollen.
Ein Staatshumorist lässt sich daran erkennen, dass es ihm an inhaltlichen Pointen mangelt. Eine Pointe zeichnet sich nämlich vor allem durch ihren Überraschungs-Effekt aus. Die Pointen der Staatshumoristen aber sind nicht darauf ausgelegt, zu überraschen, sondern darauf, ein Weltbild zu bestätigen und zu festigen.
Dies ist regelmäßig in der ZDF-heute-Show zu beobachten. Die Koordinaten sind klar abgesteckt: Die AfD ist eine Nazi-Partei, und wenn mal über die Grünen gelacht wird, dann darüber, dass die Partei ihre eigene Brillanz nicht erkennt. Im Mai etwa, vor der Europawahl, scherzt Moderator Oliver Welke über eine nicht ausreichend motivierte Antwort von Wirtschaftsminister Habeck auf eine Journalisten-Frage: „Grüne Erfolge in Europa, können wir das schaffen? ‚Joah…‘ – Kinner, man muss doch den Menschen mal richtig Bock machen auf diese Wahl!“, ruft Welke empört.
Einen Satz von Tino Chrupalla („das verbitte ich mir ausdrücklich“) ergänzt Welke im Juni, indem er dem AfD-Chef die Drohung in den Mund legt: „…oder in Elsass-Lothringen wird ganz schnell wieder Deutsch gesprochen.“
Mitunter klingt das, was als Comedy ausgegeben wird, wie das Skript eines Wahlkampf-Videos von Katrin Göring-Eckardt. So erklärt Comedienne Valerie Niehaus in einer heute-Show-Folge im Juli: „Früher hieß es immer: Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Die gute Nachricht: Der Ruck ist da. Die schlechte Nachricht: Es ist ein Rechtsruck. Seit Monaten ist die AfD im Umfragehoch.“

Staatskomiker Oliver Welke
Wer lacht, ist frei
Wie kommt es, dass Sätze, die offensichtlich bar jeglicher Art von doppeltem Boden oder Ironie sind, offiziell als „Humor“ gelten? Um dies zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Rolle des Humors innerhalb eines Staates.
Diktaturen fürchten Humor. Denn ihm wohnt die revolutionäre Kraft des menschlichen Instinkts inne. Lachen ist nichts, was man sich vornimmt, es passiert einem. Man kann sein Lachen unterdrücken, nicht aber künstlich erzeugen, ohne dass es seinen Wert verliert. Lachen ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine instinktive Reaktion und damit gefährlich für die Autorität: Denn es lässt sich nicht von oben kontrollieren oder verordnen.
Nun ist Deutschland keine Diktatur, sondern eine Demokratie. Allerdings hat sich insbesondere im linksgrünen Milieu eine Geisteshaltung durchgesetzt, die zumindest autoritäre Züge trägt und Ideologie über Vernunft setzt. Auch Ideologen fürchten das Lachen, denn es zeugt von geistiger Unabhängigkeit und enttarnt im Bruchteil einer Sekunde die Absurdität einer Ideologie. Anders als Diktatoren aber sind Ideologen in einer Demokratie zugleich auf das Lachen des Volkes angewiesen: Denn es belegt dessen Freiheit.
Nur ein Volk, das Lachen darf, ist frei. Der Staatshumor erfüllt darum heute eine strategische Funktion innerhalb der linksgrünen Ideologie. Er ist Teil einer Freiheitssimulation: Seht doch, sie dürfen lachen! Seit Jahren verkaufen uns die linksgrünen Ideologen ihre Projekte unter dem Label einer vermeintlichen Freiwilligkeit: Jeder darf selbst entscheiden, ob er Gendersprache verwendet, heißt es etwa. Niemand wird gezwungen, auf Fleisch zu verzichten, es wird halt nur ein bisschen teurer. Impfen ist freiwillig – wer sich nicht spritzen lassen will, ist selbst schuld, wenn er vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird.
Der totalitäre Charakter, der den linksgrünen Prestigeprojekten innewohnt – von der Energiewende über das Selbstbestimmungsgesetz bis zur Corona-Politik –, wird durch diesen Anstrich der Freiwilligkeit als fortschrittlich und liberal getarnt. Der Staatshumor unterstützt dabei: Wenn die Menschen frei sind, zu lachen, dann muss wohl auch die Entscheidung für eine Wärmepumpe freiwillig gefallen sein.
Lustig ist das alles nicht. Effektiv aber war es lange Zeit. Das Ende der linksgrünen Hegemonie lässt für den Humor nur Gutes ahnen.
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Pauline Voss
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