Wir könnten Millionäre sein! Die gesetzliche Rente gehört abgeschafft
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Ein System, das 80 Prozent der Beteiligten schadet und 20 Prozent der Beteiligten nicht nutzt, ist ein schlechtes System und gehört abgeschafft. Da dürfte mir jeder zustimmen, also sollte mir auch jeder zustimmen, wenn ich sage: Das gilt selbstverständlich auch für die gesetzliche Rentenversicherung.
„Gamechanger!“ Am Wochenende war ein euphorisierter Christian Lindner zu bestaunen. Sichtlich stolz ist er auf seine Idee eines staatlich geförderten Altersvorsorgedepots, in dem die Bürger privat für ihre Rente vorsorgen können. Bis zu 600 Euro soll der Staat jährlich bezuschussen. Seine Experten hätten ausgerechnet, dass bei maximaler Ausnutzung der Förderung, also bei 250 Euro Investition monatlich, jeder Bürger nach 40 Jahren Millionär sein könne.
Kostenlos – bis zur ersten Rechnung
Auch wenn das nach jahrzehntelangem Stillstand ein Schrittchen in die richtige Richtung ist, war ich nicht so euphorisiert und kritisierte die Idee als zu wenig und als wählerverhöhnend, aufgrund Lindners durchschaubarem „Keine Besteuerung bis Auszahlung“-Marketing. Einen Handwerker, der einem stolz erzählte, dass er kostenlos arbeiten werde, also bis zur ersten Rechnung, würde jeder Mensch schließlich zu Recht vor die Tür setzen.

FDP-Chef Christian Lindner
Jemand schrieb mir daraufhin, dass man doch nicht immer meckern könne und auch einmal dankbar für den Fortschritt sein müsse. Was für ein Menschenbild. Als wären wir, die Untertanen, die Sklaven der Politiker, die für jedes kleinste Zugeständnis, für jeden minimalen Fortschritt vor lauter Dankbarkeit und Glückseligkeit auf die Knie fallen müssten. Können wir als freie Bürger und als Souverän nicht mehr erwarten als Stellschraubengedrehe an einem kaputten System?
Beobachtet man die medialen Debatten um die Rente, dürfen wir das scheinbar nicht. Fast ausschließlich drehen sich die üblichen Diskussionen lediglich um die systeminhärenten Details. Abgabenhöhe, Renteneintrittsalter, Rentenhöhe, Demographie, Beamtenpensionen abschaffen oder doch nicht, bla, bla, bla.
Altersarmut statt 1,2 Millionen auf dem Konto
In diesen technokratischen Auseinandersetzungen geht das Wesentliche unter: Wie skandalös die gesetzliche Rente ist, wie viel Geld ihretwegen verbrannt wird, wie niemand von ihr profitiert und wie viel besser es ginge, wenn endlich mal außerhalb des Status quo gedacht würde. Ein Blick in die Zahlen ist deshalb so wichtig wie leider wut- und frustauslösend.
Das Durchschnittseinkommen aller Arbeitnehmer in Deutschland liegt laut deutscher Rentenversicherung bei 3595 Euro brutto im Monat. Bei diesem Gehalt gehen monatlich zwangsweise 668 Euro in die gesetzliche Rentenversicherung. Hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Ein Deutscher, der 40 Jahre lang so einzahlt, bekommt als Belohnung 1572 Euro Rente. Das ist an sich schon ein Skandal. Noch schlimmer wird es, wenn man sich bewusst macht, was ohne dieses Zwangssystem mit demselben Geld möglich gewesen wäre.

So sähe ein durchschnittliches Rentnerleben ohne gesetzliche Rentenversicherung aus.
Hätte der Durchschnittsverdiener das Geld über 40 Jahre hinweg an der Börse angelegt und konservative sechs Prozent Rendite pro Jahr bekommen, verfügte er am Ende über ein Vermögen von 1.280.890 Euro. Er wäre Millionär. Diese Geldmenge ebenfalls konservativ zu fünf Prozent jährliche Rendite angelegt, würde bei einer durchschnittlichen Bezugsdauer von 20 Jahren eine Rente von unglaublichen 8375 Euro bedeuten. Wohlgemerkt: pro Monat, nicht pro Halbjahr.
Das ist der Unterschied zwischen privater Altersvorsorge und staatlicher Zwangsrente, die wenig mehr ist als kriminelle Geldverbrennung.
Jeder würde von der Abschaffung der gesetzlichen Rente profitieren
Jede Einkommensschicht würde von einer Abschaffung der Abzockrente massiv profitieren, selbst Mindestlohnverdiener. Von deren Gehältern gehen nämlich monatlich 400 Euro an die Rentenversicherung, dafür bekommen sie dann eine Rente auf Grundsicherungsniveau. Stattdessen wäre bei gleicher privater Geldanlage nach 40 Jahren ein Vermögen von 767.000 Euro und eine monatliche Entnahme von über 5000 Euro möglich.
Ja, richtig gelesen, ein Mindestlöhner könnte im Alter 5000 Euro monatlich zur Verfügung haben, stünde der Ausbeuter-Staat ihm nicht im Weg.
Ohne die umlagenfinanzierte Rente könnte wirklich fast jeder Millionär werden, im aktuellen System geht das aber nicht. Christian Lindner übersieht, dass die meisten Bürger nach den horrenden Abzügen von ihrem Gehalt einfach kein oder zu wenig Geld übrig haben, um wirksam privat vorzusorgen. Sein Vorschlag ist ein Vorschlag für die oberen zwanzig Prozent, der Rest wird davon nicht relevant profitieren. Dieser Rest ist gefangen in einem System von immer weiter steigenden Sozialabgaben, immer höheren Renteneintrittsaltern und immer geringeren Rentenbezügen.

Die meisten Bürger haben nach den horrenden Abzügen von ihrem Gehalt einfach kein oder zu wenig Geld übrig, um wirksam privat vorzusorgen.
Das sichere Ende dieses Dramas ist für die hilflosen Arbeitnehmer entweder die Altersarmut oder die notgedrungen massive Absenkung des Lebensstandards an ihrem Lebensabend.
Der einzige Ausweg ist also die rein private Vorsorge. Nun mag richtigerweise eingewandt werden, dass die Deutschen eher kein investitionsfreudiges Völkchen sind und die Frage gestellt werden, ob sie überhaupt gut genug mit Geld umgehen können, um in totaler Eigenverantwortung über Jahrzehnte für ihr Alter vorzusorgen.
Chancen nutzen, sonst kommt der Staat mit Essensmarken
Ich bin da optimistischer, alles eine Frage der Anreize und Erziehung. Natürlich mag die Kapitalmarktnähe der Deutschen momentan noch ausbaufähig sein, aber es braucht nur eine glasklare Ansprache des Staates, um diese hinreichend zu erhöhen. Jeder Arbeitnehmer muss wissen, dass er, sollte er das viele zusätzliche Netto nicht zur Altersvorsorge nutzen, vom Staat in Zukunft nichts anderes zu erwarten hat als ein Obdachlosenheim und Essensmarken. Wer die Chance bekommt, genug Geld zu investieren, diese Chance aber nicht nutzt, hat die Konsequenzen zu tragen. Das ist nur gerecht.
Alle, vom Mindestlohnverdiener bis zum Einkommensmillionär, hätten in dieser freiheitlicheren Welt eine weitaus bessere Rente. Alle, die nicht arbeiten können, hätten weiterhin eine Grundsicherung und wären nicht schlechter gestellt. Jeder einzelne Mensch könnte profitieren, wenn er will. Die einzigen, die schlechter gestellt wären, wären die, die nicht wollen, die lieber alles in der Gegenwart ausgeben. Damit kann ich leben.
Wir alle würden in einem freiheitlicheren, in einem reicheren, in einem gerechteren Land leben. Die Abschaffung der Rente ist freilich nicht leicht, aber sie ist machbar, wenn der Wille da ist. Was der Mensch erfindet, kann er auch wieder zerstören.
Christian Lindners „Gamechanger“ ist keiner, er verlängert das wohlstandszerstörende Spiel nur. Der echte Gamechanger wäre es, die staatliche Rente ersatzlos abzuschaffen.
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