Wo sind wir nur hingekommen! In Berlin dürfen Rabbiner nicht allein auf die Straße
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Die wunderbare Veranstaltung nannte sich „Mahnwache gegen den Antisemitismus“. Der Ort, an dem sie stattfand, hätte nicht besser gewählt werden können – der Berliner Bebelplatz nahe der historischen Straße Unter den Linden direkt an der Humboldt-Universität. Genau an dieser Stelle fand am 10. Mai 1933 die sogenannte Bücherverbrennung statt. „Ich übergebe den Flammen die Schriften von Heinrich und Thomas Mann“ … Millionen kennen die Nazi-Reportage mit den im Feuer aufgehenden „verbotenen Schriften“ und der keifenden Stimme des Reporters dazu.
Und nun hier, an dieser schicksalhaften Stätte, gedachten Juden und Christen am zweiten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel den ermordeten Israelis – und verlasen die Namen der letzten 48 verbliebenen Geiseln. Menschen lagen einander in den Armen, überall israelische Flaggen. Die Sängerin SHEVA sang „Sh’ma Israel“ (Höre, Israel) und „New Day Will Rise“ – viele Menschen sangen mit, einige weinten. Alle Glocken der Umgebung läuteten um Punkt 18 Uhr.

Die Gedenkveranstaltung am Bebelplatz
„Das war uns zu riskant“
Dann kam die Nachricht, die mich erschütterte – und wohl auch jeden, der über einen gesunden Menschenverstand verfügt. Der Sprecher der Veranstaltung sagte: Eigentlich wolle heute Rabbiner Dovid Roberts zu ihnen reden. Er steht der orthodoxen Kahal-Adass-Jisroel-Synagoge vor. (Anmerkung: Diese israelitische Synagogen-Gemeinde besteht seit 1869 und ist eine der ältesten in Berlin). „Aber“, so sagte der Sprecher weiter, „da wir Sukot feiern, das Laubhüttenfest, darf unser Rabbiner aus religiösen Gründen nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem Auto zu dieser Veranstaltung fahren. Er hätte zu uns laufen müssen – als Rabbiner erkennbar. Das war uns zu riskant. Wir wissen nicht, ob wir ihn hätten schützen können.“
Um es kurz und klar zu sagen: Im Berlin des Jahres 2025 darf ein Rabbiner nicht allein auf die Straße, weil er Angst haben muss, angegriffen zu werden, beschimpft, bespuckt, geschlagen. Rabbi Roberts Synagoge war schon Opfer eines Brandanschlags geworden. Ein Brandkörper konnte entschärft werden, der andere explodierte nicht. Der Rabbiner forderte mehr Polizeischutz – aus Angst um seine Gemeinde.
Fast zur gleichen Zeit der Mahnwache ohne den Rabbiner tobte in Berlin der islamistische Mob. Ungestört skandierten Demonstranten einer Demo, die eigentlich verboten war, ihren antisemitischen Hass und ihre Auslöschungsphantasien gegen Israel.
Das ist die Stadt, das ist das Land, in dem unsere Politiker regelmäßig und gebetsmühlenartig wiederholen: „Es darf in Deutschland keinen Platz geben für Antisemitismus und Judenhass.“
Muss man sich schämen, zu sagen: Diesen Platz gibt es bereits, leider.
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