Wohlstand kommt nicht vom Festkleben auf der Straße!
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Die Sätze von Wolfgang Schäuble waren hammerhart und wie in Stein gemeißelt.
Im letzten Interview vor seinem Tod sagte er zur Welt am Sonntag: „Wir müssen endlich die Prioritäten setzen. Dazu gehört auch die bittere Wahrheit, dass wir zu wenig arbeiten. Wenn es einen massiven Arbeitskräftemangel gibt …, müssen wir auch selbst wieder mehr arbeiten. Deutschland ist das Land, das unter den führenden Industrienationen die wenigsten Arbeitsstunden pro Person leistet … heute gilt es schon als Menschenrechtsvergehen, wenn mal bei der 38-Stunden-Woche bleiben möchte …“
Mich ärgert es, wenn Leute ständig über zu viel Arbeit klagen. Noch schlimmer finde ich es, wenn Arbeit als solches schlecht gemacht wird. Nach dem Motto: „Was, du arbeitest noch? Wie blöd bist du denn!“ Oder: Wenn Menschen arbeiten wollen, es aber nicht tun, weil sie mit staatlichen Sozialzuwendungen am Ende des Monats besser dastehen.

Wolfgang Schäuble (CDU) starb am 26. Dezember 2023 in Offenburg. Er wurde 81 Jahre alt.
„Passt scho. I bin zufrieden“
Ich finde, Arbeit ist ein fundamentaler Teil unseres Lebens. Sie ist das, was die meisten antrieb und antreibt: Die Freude etwas zu tun, das irgendwie wichtig ist – auch für andere Menschen. Geht es im Beruf gut, ist das Leben gut. In meiner Jugendzeit war auch samstags Schulpflicht. Die IG-Metall feierte die 48-Stunden-Woche, verteilt auf sechs Tage. Die meisten Deutschen machten einmal Urlaub im Jahr. Wer es nach Torremolinos an die Costa Brava schaffte, war schon wer. Work-Life-Balance – den Begriff kannte man nicht. Natürlich hatte wie heute jeder Lust auf Freizeit und Freiheit: Fußball kloppen (die Jungen), um die Häuser ziehen, Freunde treffen. Aber unser gesunder Menschenverstand sagte uns damals: erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Ich hatte das Glück und Privileg, Journalist werden zu dürfen. Ich habe nie in einer Eisengießerei oder an einem Fließband gearbeitet. Aber ich kenne viele Menschen, die genau dies tun. Zum Beispiel Facharbeiter bei BMW, die in der Endfertigung im Münchener Werk stehen – dort, wo riesige Roboter winzige Schrauben ins Blech drehen und die Männer und Frauen kontrollieren, ob alles an der richtigen Stelle sitzt. Was sind diese Fachleute stolz auf ihre Arbeit und auf ihren Arbeitsplatz! Als ich einen Karosseriebauer nach seiner Work-Life-Balance fragte, schaute er mich erstaunt an und sagt dann auf Bayerisch: „Passt scho. I bin zufrieden.“

Fließbandarbeiter und Karosseriebauer beschweren sich eher selten über ihre Work-Life-Balance.
Die Basis für Wohlstand ist Fleiß
Natürlich haben wir in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte im Arbeitsleben gemacht. Früher war nicht alles besser, aber teurer. So musste man 1970 noch über 145 Stunden arbeiten, um sich eine Waschmaschine leisten zu können. Heute sind es nur noch 19 Stunden. Und natürlich möchte keiner zurück zur 48-Stunden-Woche bei sechs Tagen Arbeit. Aber wir sollten zurück zu dem, was Deutschland auszeichnet und stark gemacht hat: Qualität, made in Germany.
Wie das geht, hat der kluge Wolfgang Bosbach, ehemaliger Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, eindrucksvoll in einem Interview mit der Welt ausgedrückt:
„Die SPD sagt, der Sozialstaat sei die Basis unseres Wohlstands. Da kann ich mir nur an den Kopf fassen. Richtig ist: Die Basis ist der Fleiß der Menschen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Wohlstand und soziale Sicherheit kommen nicht vom Festkleben auf den Straßen, sondern von harter Arbeit.“
Man kann es nicht besser sagen.
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