400.000! Die Wahrheit über die Asyl-Zahlen: Behörde will nicht sagen, wie viele Migranten wirklich kommen
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Wie viel Asylbewerber sind in diesem Jahr nach Deutschland gekommen? Die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geben die Realität nicht wieder, so viel ist klar. Doch über die tatsächlichen Zahlen schweigt sich die Behörde aus.
Mittlerweile bestätigt auch der Chef der wichtigsten deutschen Behörde für die Zahlen der Asyl-Einwanderung, dass die offiziellen Daten seiner eigenen Dienststelle nicht stimmen. Sie würden „den tatsächlichen Asylzugang nicht wiedergeben“, hatte der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Hans-Eckhard Sommer, am 3. November in einem Brandbrief an Innenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärt. Die Länder hätten mittlerweile erhebliche Registrierungsrückstände.
Damit stellt sich die Frage: Wie viele Migranten sind es denn nun wirklich? Und wie viele werden es bis Ende des Jahres?
Es gibt einen Unterschied zwischen Asylgesuchen und Asylanträgen
Um das derzeitige Chaos zu verstehen, muss man wissen, dass es einen Unterschied zwischen einem Asylgesuch an der deutschen Grenze gibt und einem Asylantrag, den diese Person später beispielsweise in einer Erstaufnahmeeinrichtung stellt. Alle Personen, die sich in der Bundesrepublik als asylsuchend melden, werden registriert. Dies geschieht an sogenannten PIK-Stationen (im schwierigen Behördendeutsch: Personalisierungsinfrastrukturkomponente) durch die Bundes- oder Länderpolizei, Mitarbeiter des BAMF oder Mitarbeiter der Länder in Aufnahmeeinrichtungen, Ausländerbehörden und Ankunftszentren.
Kurz gesagt: Die Person ruft „Asyl“ an der Grenze und wird registriert, der Antrag auf Asyl geht jedoch erst später bei den Behörden ein.

Migranten werden von Beamten der Bundespolizei bei einem Aufgriff nahe der deutsch-polnischen Grenze in Forst (Lausitz) bewacht.
Die Zahl der Asylgesuche übersteigt die Zahl der Asylanträge bei weitem
Die Dauer zwischen Asylgesuch und Antragstellung unterscheidet sich dabei von Bundesland zu Bundesland. Im bundesweiten Schnitt liegt sie derzeit zwischen 15 und 20 Tagen.
Interessant ist nun: Die Zahl der Asylgesuche übersteigt die Zahl der Asylanträge bei weitem. Laut BAMF lag die Summe der Asylgesuche im Oktober bei rund 40.000 und damit in ähnlicher Größenordnung wie im Vormonat. Asylerstanträge gab es jedoch nur 31.887 (Oktober) bzw. 27.889 (September). Daraus ergibt sich eine große Differenz. Selbst wenn man noch die Folgeanträge von bereits abgelehnten Asylbewerbern hinzufügt, kommt man lediglich auf 33.513 (Oktober) und 29.570 Asylanträge (September).
Wohin sind also die restlichen Personen verschwunden, die bereits vorher im Asyl-System registriert wurden? Viele der Ankommenden würden „keine Asylanträge in Deutschland stellen, weil sie beispielsweise in andere Länder weiterziehen wollen“, behauptete das BAMF kürzlich zur Erklärung.
NIUS wollte es genauer wissen und erfragte die exakten Zahlen der Asylgesuche. Mehrere Tage schweigt die Pressestelle des BAMF. Die Anfrage bleibt seit Mittwoch unbeantwortet. NIUS wollte wissen:
- Wie hoch lag die Zahl der Asylgesuche in diesem Jahr laut den Registrierungen an den PIK-Stationen?
- Für den Monat Oktober sprach das BAMF von rund 40.000 Asylgesuchen. Im aktuellen BAMF-Bericht sind hingegen rund 32.000 Erstanträge und knapp 1.600 Folgeanträge verzeichnet. Wie erklärt sich die Differenz von knapp 6.400 Personen?
- Welche Gründe gibt es neben der Weiterreise in ein anderes Land, weshalb Personen ein Asylgesuch stellen, aber keinen Asylantrag?
- Bei wie vielen der rund 6.400 Personen, die im Oktober ein Asylgesuch stellten, aber keinen Asylantrag, ist Ihnen bekannt, dass sich diese nicht mehr in Deutschland befinden und in ein anderes Land weitergereist sind?
Angebliche Gründe für Zahlenunterschiede: Weiterreise, Heimreise oder Tod
Nach mehrmaligem Nachhaken erhält NIUS am Montagnachmittag eine schriftliche Antwort: „Wie Ihnen bereits bekannt ist, führt aufgrund von Weiterreisen in einen anderen angestrebten Zielstaat nicht jedes Asylgesuch zu einem Asylantrag“, teilt ein Sprecher mit. Daneben sei „beispielsweise auch eine Rückkehr in das Herkunftsland oder ein Ableben der Person denkbar“.
Das bedeutet: Diese Gründe sollen für die Differenz verantwortlich sein zwischen den Personen, die ein Asylgesuch und einen Asylantrag gestellt haben. Allein im Monat Oktober würden damit 6.400 Personen weitergereist, in ihre Heimat zurückgekehrt oder plötzlich gestorben sein. Ist das realistisch?

Demonstration für mehr Familiennachzug vor dem Bundeskanzleramt.
Aus den Zahlen der Asylgesuche könnte sich ablesen lassen, wie viele Personen wirklich nach Deutschland gelangt sind und wie viele bis Ende des Jahres kommen werden. Doch auch so lassen sich zumindest Prognosen erstellen. Zunächst die konservative Rechnung, ohne die wirkliche Zahl der Asylgesuche: In den ersten zehn Monaten gingen beim BAMF 267.000 Erstanträge auf Asyl ein. Bliebe es im monatlichen Durchschnitt für November und Dezember beim jetzigen Andrang von Asylantragsstellern – rund 26.700 Personen pro Monat –, käme man für das Gesamtjahr auf 320.400 Personen.
Zusätzlich dazu gibt es jedoch noch den Familiennachzug, über den ebenfalls zehntausende Migranten ins Land kommen. Addiert man also zu den 320.400 Personen die rund 130.000 Visa, die laut Schätzungen in diesem Jahr über das Auswärtige Amt für Nicht-EU-Angehörige ausgestellt werden, addiert sich eine Summe von 466.400 Personen, die über Asylmigration und Familiennachzug nach Deutschland eingewandert sind.
Schon die CDU warnte vor 400.000 Migranten im Jahr
Bereits im Juli hatte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Alexander Throm, die Zahl 400.000 ins Spiel gebracht: „Wir müssen mit bis zu 400.000 Menschen bis Ende des Jahres rechnen, denn üblicherweise sind die Zugänge im Sommer und Herbst am höchsten. Und es dauert, bis die Migranten von Südeuropa zu uns weitergereist sind“, sagte er damals der Bild.

Alexander Throm (CDU) sprach bereits im Juli von 400.000 Zuwanderern.
Diese Zahl könnte unter Einbezug des Familiennachzugs sogar auf über 500.000 Personen steigen: Denn BAMF-Chef Sommer hatte in seinem Brief davon gesprochen, dass seine Behörden es „im September mit rund 50.000 und im Oktober mit rund 55.000 Zugängen zu tun hatte“. Bliebe es in den kommenden Monaten bei diesen Zahlen, würde dies einen Zuwachs von über 200.000 Person allein von September bis Dezember bedeuten.
Addiert man hier die 204.461 Erstanträge auf Asyl hinzu, die von Anfang Januar bis Ende August in der offiziellen Asylstatistik des BAMF verzeichnet werden, landet man bei über 400.000 Personen. Hier wiederum kommen die mindestens 130.000 Familiennachzügler hinzu.
Am Ende steht Deutschland vor einer gigantischen Einwanderung: Damit wären über 500.000 Migranten aus Nicht-EU-Ländern allein in diesem Jahr nach Deutschland migriert. Der Großteil von ihnen stammt aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Irak oder der Türkei.
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