AfD-Ehrenvorsitzender Alexander Gauland im NIUS-Interview: „Wir müssen die CDU zerstören? Das halte ich für völlig falsch!“
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Eines der bekanntesten Gesichter und Ehrenvorsitzender der AfD, Alexander Gauland, war am Mittwochmorgen zu Gast bei NIUS Live. Im Interview mit NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt, dessen Stellvertreterin Pauline Voss und NIUS-Autor Alexander Kissler forderte Gauland eine „Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers“. Sprich: ein Ende der Brandmauer.
Zunächst kommt Gauland in der Sendung auf die ständig wiederholte Warnung, die AfD wolle „ein anderes Deutschland“, zu sprechen. Zuletzt hatte die beliebte AfD-Bashing-Phrase vor wenigen Tagen Finanzminister Lars Klingbeil im Zeit-Podcast bemüht. Gauland dazu: „Wir wollen gar kein anderes Land. Wir wollen das Land behalten, wie es ist. Ein freiheitlich demokratisches Land. Wir wollen eine andere Politik. Wir wollen genau das, was eine Mehrheit der Wähler auch will. Dass bestimmte Übertreibungen, Sinnlosigkeiten aufhören. Und das hat mit einem anderen Land nichts zu tun. Wir wollen weder die Institutionen ändern, noch wollen wir gegen Menschenrechte vorgehen oder irgendein solcher Unsinn, der uns jetzt unterstellt wird.“

Alexander Gauland gratuliert Friedrich Merz zur Bundeskanzler-Wahl.
„Wir stehen für Politik, die die CDU ursprünglich gemacht hat“
Die Rufe nach Parteiverbot und generell das konzertierte Vorgehen gegen die AfD – am 9. November hielt Bundespräsident Steinmeier anlässlich der Wiedervereinigung eine geradezu aktivistische Anti-AfD-Rede – würden der Alternative zurzeit eher nutzen als schaden. „Man sieht unsere Abgeordneten, man sieht unsere Politiker, man sieht, was wir fordern. Das ist letztlich die Politik, die zum großen Teil die CDU ursprünglich – vor Frau Merkel – mal vertreten hat“, so Gauland. „Das ist eine bürgerliche, zum Teil liberale, zum Teil konservative Politik, die mit den Vorwürfen nichts zu tun hat. Und die Wähler merken das ja.“ Gauland weiter: „Die Gefahren, die an die Wand gemalt werden, sind völlig absurd. Auch die, die der Bundespräsident wieder an die Wand gemalt hat.“
Seine „Vogelschiss-Rede“ bezeichnet Gauland im NIUS-Interview rückblickend als „schweren Fehler“. Der AfD-Ehrenvorsitzende dazu: „Das hatte überhaupt nichts mit der Schwere der nationalsozialistischen Verbrechen zu tun. Aber selbstkritisch muss ich einräumen: Es war das falsche Bild für die Kürze der Zeit. Und das kriegen Sie in der Politik nicht mehr los. Ich habe mich mindestens zehnmal dafür entschuldigt. Ich habe mehrmals deutlich gesagt, wie es wirklich gemeint war.“
„Die Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers ist Sache der CDU“
Die fatale Formulierung stünde einer Annäherung an die Union und letztlich dem Fall der Brandmauer allerdings nicht mehr so sehr im Wege wie noch vor einiger Zeit. Vielmehr liege es an den Christdemokraten, dass die AfD weiterhin aus dem politischen Diskurs ausgeschlossen wird. Gauland: „Die Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers – ich fürchte, das ist eine Sache der CDU und nicht von uns. Und es hängt auch nicht am Vogelschiss. Die Meinung der Führung der CDU ist offensichtlich, dass sie mit dieser großen Koalition ihre Politik wenigstens zum Teil durchsetzen können.“
Die Highlights aus unserem Gauland-Interview sehen Sie hier:
Gauland zeigte sich dennoch optimistisch, dass sich die CDU früher oder später der AfD öffnen wird: „Das wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis sich in der CDU etwas bewegt. [...] Wir dürfen nur keine neuen Fehler machen. Es gibt bei uns Äußerungen: ‚Wir müssen die CDU zerstören.‘ Das halte ich für völlig falsch. Wir müssen die CDU überhaupt nicht zerstören, sondern die CDU wird sich, wenn sie nicht die Politik umsetzt, die sie den Wählern versprochen hat, sich selbst zerstören.“
Auf der NIUS-Live-Couch macht Gauland klar, dass ein Ende der Abgrenzung und ein Ende der Brandmauer aus seiner Sicht das Beste für Deutschland wäre: „Die Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers wäre für die Politik in der Bundesrepublik sinnvoll, wichtig und richtig. Und die vertrete ich auch.“
„Die Union muss ihre Angst verlieren“
Glaubt Alexander Gauland, dass er die AfD noch in Regierungsverantwortung erleben wird? „Das ist schwer vorauszusagen, weil das von Faktoren abhängt“, antwortet der 84-Jährige. Entscheidend sei vor allem die wirtschaftliche Entwicklung: Erholt sich Deutschland ohne Zutun der CDU, könne es länger dauern – „dann werde ich das wahrscheinlich nicht mehr erleben“.
Verschlechtere sich die Lage hingegen weiter, könne der politische Wandel schneller kommen. Gauland hält es in diesem Fall für denkbar, dass die CDU zunächst in einem Bundesland eine AfD-Regierung toleriert. Es gehe ihm nicht um Koalitionen, sondern darum, „richtige und mutige“ CDU-Vorhaben zu unterstützen. Dafür allerdings müsse die Union ihre Angst vor öffentlicher Kritik und „linkslastigen Medien“ ablegen.
Hier sehen Sie das gesamte Interview:
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