Gründungsparteitag der AfD-Jugend in Gießen: Mehrere Hotels schließen aus Angst vor gewalttätigen Antifa-Protesten
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Björn HarmsMehrere Hotels in Gießen haben kurz vor dem Gründungsparteitag der neuen AfD-Jugendorganisation ihren Gästen die Buchungen storniert und wollen für den Zeitraum der Veranstaltung schließen. NIUS liegen zwei entsprechende Schreiben vor. Begründet werden die Kündigungen mit möglichen gewalttätigen Protesten in der Stadt.
„Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Ihre Reservierungen für den Zeitraum 28.-30.11.2025 stornieren müssen“, heißt es etwa in einem Schreiben des B&B Hotels in Gießen, das am Freitag verschickt wurde.
Hintergrund der Ausladung sei die „Sicherheitslage im Zusammenhang mit den angekündigten Demonstrationen rund um die Gründung der AfD-Jugendorganisation und diesbezüglich angekündigter (gewalttätiger) Proteste“. Zur Gewährleistung der Sicherheit der Gäste sowie des reibungslosen Hotelbetriebs sehe man sich zu diesem Schritt gezwungen.
Das Hotel beruft sich auf die eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die eine Stornierung ermöglichen würden, wenn das Hotel „den begründeten Anlass zu der Annahme hat, dass die Durchführung des Beherbergungsvertrages den reibungslosen Geschäftsbetrieb, die Sicherheit oder das Ansehen des Hotels in der Öffentlichkeit gefährden kann“, ohne dass man selbst dafür verantwortlich sei.

In der Messehalle in Gießen soll am 29. November der Gründungsparteitag der neuen AfD-Jugend stattfinden.
„Konkrete Hinweise auf mögliche gewalttätige Auseinandersetzungen“
Ein weiteres Hotel schließt für den Gründungsparteitag der neuen AfD-Jugend gänzlich die Pforten: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass unser Hotel und Restaurant (…) aufgrund einer kurzfristig eingetretenen und außergewöhnlichen Sicherheitslage am bevorstehenden Wochenende für den Zeitraum von Freitag, 28. November 2025 ab 15:00 Uhr bis Sonntag, 30. November bis 18:00 Uhr den regulären Betrieb nicht aufrechterhalten kann“, schreibt das Best Western Hotel in Gießen.
Datiert ist auch dieses Schreiben auf den 21. November. Es lägen „konkrete Hinweise auf mögliche gewalttätige Auseinandersetzungen im Umfeld der Demonstrationen vor“. Diese Situation sei „zum Zeitpunkt der Reservierung nicht absehbar gewesen“. Ein entsprechender Verweis ist bereits auf der Homepage des Hotels zu finden.

Auf der Homepage des Hotels wird der Schritt bereits öffentlich gemacht.
Beide Hotels wollten sich auf telefonische Nachfrage vorerst nicht zur Sachlage äußern. Auch die Polizei Mittelhessen konnte am Freitagabend auf NIUS-Anfrage keine Auskünfte über mögliche Sicherheitsbedenken geben.
Doch auch andere Unterkünfte in Gießen schränken im Zeitraum der AfD-Veranstaltung ihr Angebot ein. Ein drittes Hotel schildert gegenüber NIUS, dass es sein Frühstücksangebot vollständig streichen müsse, weil mehrere Mitarbeiter Angst hätten, zur Arbeit zu erscheinen. In einem vierten Hotel bleibt das Restaurant während des gesamten Zeitraums geschlossen, da befürchtet wird, dass es im Frühstücksbereich zu Begegnungen zwischen AfD-Mitgliedern und Demonstranten kommen könnte.
Messebetreiber unter Druck gesetzt
Am 29. November will sich die im Frühjahr aufgelöste Jugendorganisation der AfD in der hessischen Universitätsstadt neu gründen. Die linke Szene mobilisiert seit Wochen massiv – und das deutschlandweit. Auf dem linksextremen Portal Indymedia wurde bereits mit Gewalt gedroht: „Egal ob wir in der Messehalle die Durchführung sabotieren, ob wir die Autobahnen stilllegen, die Stadt Gießen zum Brennen bringen, oder in anderen Städten solidarische Aktionen machen – wir widersetzen uns alle.“
Vor wenigen Tagen machte auch der Messebetreiber, in dessen Hallen die Veranstaltung der AfD stattfindet, in einem offenen Brief auf den Hass und die Anfeindungen auf sein Unternehmen aufmerksam. „Wir sind zutiefst erschüttert über das Verhalten von Medien, Politik und Teilen der Gesellschaft, die am Ende immer weiter polarisieren, Hass und Hetze verstärken“, heißt es darin. „Die Politik schreitet dagegen nicht ein und opfert lieber ein Unternehmen und dessen Mitarbeiter.“
Bereits jetzt sind vor Ort 17 Kundgebungen angemeldet. Die Behörden erwarten in Gießen mindestens 18.000 Gegendemonstranten, wie ein Sprecher der Polizei Mittelhessen Anfang der Woche gegenüber NIUS bestätigte. Zum Vergleich: Beim Parteitag der AfD in Riesa waren es rund 10.000 bis 15.000 Personen, die auf die Straße gingen und die Anfahrtswege blockierten.
Koordiniert werden die Proteste vom Bündnis „Widersetzen“, das von 210 vollbesetzten Bussen aus 50 Städten spricht, die sich auf den Weg machen werden. Dazu wollen viele linke Aktivisten mit dem Zug anreisen. „Die AfD möchte eine neue Generation gewaltbereiter Faschist*innen heranziehen“, warnt man auf der Homepage. „Wir stellen uns der Normalisierung der AfD und der Neugründung ihrer Jugendorganisation in Gießen in den Weg!“
AfD-Politiker: Es wird vor Linksextremisten kapituliert
Jean-Pascal Hohm, der eventuell am kommenden Wochenende den Vorsitz der neuen AfD-Jugendorganisation übernehmen könnte, sagt gegenüber NIUS: „Es ist erschreckend, dass Hotels inzwischen vor gewaltbereiten Linksextremisten kapitulieren und aus Sicherheitsgründen ihre Türen für ein ganzes Wochenende schließen.“

Jean-Pascal Hohm
Der Landtagsabgeordnete aus Brandenburg: „Die Gründung einer Partei-Jugendorganisation ist ein zutiefst demokratischer Akt. Dass die extreme Linke alles daransetzt, eine Teilnahme an dieser Veranstaltung zu verhindern, zeigt, wer die wahren Demokratiefeinde im Land sind.“
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Messebetreiber beklagt massive Drohungen vor Gründungsparteitag der AfD-Jugend in Gießen.
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