Alles von Steuergeld: Kanzleramt zeichnet Lenin-Fanshop mit 18.000-Euro-Preis aus
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Amir MakatovDer Beauftragte für Kultur und Medien (BKM), Wolfram Weimer, der dem Bundeskanzleramt unterstellt ist, verkündete am Montag die Preisträger des Deutschen Verlagspreises 2025. Unter den ausgezeichneten Verlagshäusern findet sich der marxistische „Manifest Verlag“, der in seinem Online-Shop Portraits der kommunistischen Massenmörder Wladimir Uljanow (Lenin) und Lew Bronstein (Trotzki) vertreibt. Der Verlag erhielt ein üppiges Preisgeld. Zuerst berichtete das Freilich Magazin über den Skandal.
In der Pressemitteilung des BKM heißt es: „80 Preisträger erhalten ein Gütesiegel und ein Preisgeld von jeweils 18.000 Euro. Zudem bekommen drei Verlage die mit jeweils 50.000 Euro dotierten Spitzenpreise.“
Noch sei unbekannt, welcher Verlag in welcher Preiskategorie ausgezeichnet wird. Dies werde bei der feierlichen Preisverleihung am 15. Oktober 2025 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben, heißt es in der Mitteilung.

Kulturbeauftragter Wolfram Weimer
„Diese Verlage bereichern den kulturellen Diskurs“
Unter den 80 Preisträgern findet sich der „Manifest Verlag“. Auf der Webseite des Verlags heißt es: „Manifest ist der linke Verlag für alle Menschen, die sich und andere bewegen wollen. 2016 in Berlin gegründet, veröffentlichen wir Bücher mit einem marxistischen und revolutionären Standpunkt – egal ob Klassiker oder neu geschrieben.“
Im Shop finden sich rote Klassiker von bedeutsamen Kommunisten, wie Lenin („Staat und Revolution“, „Was tun?“, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“), Friedrich Engels („Die Lage der arbeitenden Klasse in England“) oder Trotzki („Zwischen Imperialismus und Revolution“, „Revolution und Frauenbefreiung“, „Revolution in Russland“).
Staatsminister Wolfram Weimer erklärt in seiner Mitteilung zu der Verleihung: „Die kleinen und unabhängigen Verlage sind das Rückgrat unserer literarischen Vielfalt. Mit ihrem unternehmerischen Mut und ihrer Bereitschaft, auch weniger auflagenstarke Bücher zu veröffentlichen, bereichern sie den kulturellen Diskurs und stärken die demokratische Meinungsbildung.“ Ob da die revolutionäre Literatur des Manifest Verlags mitgemeint ist, sei dahingestellt.
Auf NIUS-Anfrage erklärt ein Sprecher des BKM: „Mit dem Verlagspreis wird die deutsche Verlagslandschaft in ihrer Breite und Vielfalt gewürdigt. Preiswürdig sind Verlage, die sich in hervorzuhebender Weise auszeichnen, z. B. durch ein besonderes verlegerisches Profil, kulturelles Engagement, überzeugende innovative oder digitale Projekte. Berücksichtigt werden dabei auch die Professionalität und Qualität der verlegerischen Arbeit, etwaige Nachwuchsförderung und eine ansprechende Gestaltung der Bücher. Die Auswahl trifft eine unabhängige Jury, dieses Mal wurden 87 Verlage unter 287 Bewerbungen ausgewählt.“
Lenin, Marx und Engels
Doch nicht nur Literatur bietet der Manifest Verlag an: Auch Poster von Karl Marx, Friedrich Engels, Rosa Luxemburg, Lenin und Trotzki sind im Shop erhältlich. Während man den ersten beiden genannten zwar die theoretische Basis für den mörderischen Marxismus vorwerfen kann, setzten Trotzki und Lenin die Ideen von Marx und Engels um. Hierbei starben nach Schätzungen über zehn Millionen Menschen durch Hungersnöte, Säuberungen und (Bürger-)Kriege.

Ein Screenshot des Plakat-Angebots des „Manifest Verlags“. Das Trotzki-Plakat kostet 10 Euro, für das Marx-Plakat muss man als Kunde 15 Euro berappen. (Quelle: manifest-buecher.de)
Historischer Rückblick: Panzer, Artillerie und Giftgas gegen Bauern
Um zu verstehen, wieso die Glorifizierung von Lenin und Trotzki weitaus mehr ist, als nur die Auseinandersetzung mit marxistischer Ideologie, muss man sich die historischen Tatsachen über die beiden Revolutionäre anschauen:
Nach der Oktoberrevolution 1917, die eher ein Staatsstreich war, schuf Lenin die Geheimpolizei „Tscheka“ unter Felix Dserschinski. Sie war von Beginn an mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, führte standrechtliche Erschießungen durch und wurde zum zentralen Instrument des „Roten Terrors“. Der entstandene Machtapparat wurde später von Stalin – unter anderem Namen – für seine Säuberungsaktionen weitergenutzt.

Der Sturm des Winterpalais im heutigen St. Petersburg durch die Bolschewisten steht symbolisch für den Putsch, der heute als „Oktoberrevolution“ bezeichnet wird. Zur Bebilderung wird oftmals – wie auch hier – eine Sequenz aus Sergei Eisensteins Film „Oktober“ von 1927 genutzt.
Die Politik der Zwangsenteignung (Prodrazwjorstka) in den Jahren des Bürgerkriegs führte zu großflächiger Verarmung und Hunger. Besonders in den Jahren 1921/22 kam es zu einer Hungersnot, die rund fünf Millionen Opfer forderte. Zeitgenössische Dokumente zeigen, dass die Beschlagnahmungspolitik auf Anordnung der Regierung systematisch betrieben wurde. Manche Historiker stufen das Vorgehen gegen die Bauern als Klassizid ein. Bauern sind – im Gegensatz zu den Arbeitern – im klassischen Marxismus keine revolutionäre Klasse. Im Gegenteil: Für das Sowjetregime galten Bauern teilweise als „Bourgeoisie“ und gehörten einer Liquidierung unterzogen – ob nun im wörtlichen oder übertragenem Sinne.

Leichen von Opfern der Tscheka in Charkiw, Ukraine (undatiert)
Der Bauernaufstand in Tambow (1920/21) wurde von Trotzkis Roter Armee mit äußerster Härte niedergeschlagen. Nach Befehl des Kommandanten Michail Tuchatschewski kamen Artillerie, Panzerwagen und Giftgas zum Einsatz. Ein Befehl vom Juni 1921 ordnete ausdrücklich die Vergasung von „banditischen Dörfern“ an. „Die Wälder, in denen sich Banditen verstecken, sollen mit Giftgas gesäubert werden; es ist genau zu berechnen, damit sich die Wolke des erstickenden Gases vollständig über den ganzen Wald ausbreitet und alles vernichtet, was sich darin verbirgt“, heißt es wörtlich im Befehl Nr. 0116 von Tuchatschewski, der Trotzki untergeben war.
Der von den Kommunisten angezettelte Krieg gegen Polen 1919–1921 wurde von Lenin und Trotzki als Möglichkeit gesehen, die Revolution nach Westen zu exportieren. Man hoffte durch einen Feldzug in Richtung Zentraleuropas die Arbeiter Polens und Deutschlands zur Revolution zu bringen – im Einklang mit Trotzkis Theorie der „Permanenten Revolution“.

Eine bolschewistische Miliz im besetzten Polen (Sommer 1920)
Im Sommer 1920 drang die Rote Armee tief nach Polen vor. Die Niederlage vor Warschau („Wunder an der Weichsel“) verhinderte die geplante Ausbreitung. So rettete Polen Europa vorerst vor der roten Bedrohung.
Dass ausgerechnet ein Verlag, der die Henker von Millionen als Pop-Ikonen vermarktet, von der Regierung geadelt wird, sagt alles über den Zustand unserer Kulturpolitik.
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