Atomausstieg: Uns droht „das Modell Südafrika“
Am 15. April dieses Jahres werden die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Sichere Energiequellen stilllegen ohne ausreichend Alternativen zu haben: Das führe zu einer „veritablen Energiekrise“, sagt der ehemalige Umweltsenator Hamburgs Fritz Vahrenholt.
Die Entscheidung zum endgültigen Atomausstieg am 15. April sei auf so vielen Ebenen „verantwortungslos“, findet der Energie-Ökonom Björn Peters. Durch ihn würde sich der CO2-Ausstoß Deutschlands um 60 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen.
Denn zunächst werden hauptsächlich Kohlekraftwerke die Energielücke schließen. Das wiederum lasse die Preise für Co2 ansteigen, die europaweit gelten. Diese „Gartenzwergpolitik“, also die Unfähigkeit über seinen eigenen Tellerrand zu blicken, sei höchst „unsolidarisch gegenüber den europäischen Nachbarn“, so Peters.
Mit dem Weiterbetreiben der deutschen AKW könne der CO2-Preis „20 Euro niedriger liegen.“
Doch nicht nur die Nachbarländer würden durch den energiepolitischen Alleingang Deutschlands verprellt. Auch den Leuten im eigenen Land gehe es an den Kragen. „Bezahlen wird der Mittelstand“, sagt Fritz Vahrenholt. Die Großindustrie könne sich neu orientieren, werde nach China oder in die USA auswandern. Der Facharbeiter, der sinnbildlich für den Wohlstand des Landes steht, sei allerdings gekniffen. Schon jetzt „haben wir die höchsten Strompreise der Welt. Nach Burkina Faso.“
Einer der größten Volkswirtschaften der Welt drohe, nur noch zur Hälfte des Jahres Energie zu haben. „Das ist schlimmer als Südafrika“, sagt Björn Peters. Dort werde zumindest nur ein paar Stunden in der Woche der Strom abgestellt.
Den Ausstieg aus der Atomkraft entschied Angela Merkel 2011 nach dem Unglück von Fukushima. Doch „die Ablehnung von Kernkraft wurde konstruiert“, sagt Peters.
Öffentlich gebe es nur wenige Befürworter, doch im Zweiaugengespräch würden viele Politiker betonen, dass sie die Technologie unterstützen. Letztlich sei es eine „Politik, die auf Mythen basiert“, stimmt Caroline Bosbach vom Jungen Wirtschaftsrat zu. Durch Wörter wie „Hochrisikotechnologie“ und die ständige Debatte um die Lagerung des Atommülls würde ein falsches Bild von einer weitgehend sicheren und sauberen Energiegewinnungsmethode gezeichnet.
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