Bei EM-Finale: Lauterbach inszeniert sich mit schwerkranken Kindern
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Fast macht es den Eindruck, als habe er einen Grund gesucht, um ohne Rechtfertigungsdruck dem Endspiel beiwohnen zu können: Gesundheitsminister Karl Lauterbach twitterte am Sonntag vor dem EM-Finale ein Foto, das ihn mit einem Bildschirm zeigt, der auf einem Roboter angebracht ist. Darauf zu sehen: ein Kind ohne Haare, das offensichtlich von einem Krankenhaus-Bett aus zugeschaltet ist.
Im Beitext brüstet sich Lauterbach: „EM Endspiel. Schwerkranke Kinder aus Spanien und England sind live dabei. Ein Roboter fährt sie durch die Gänge. Dem spanischen Kind erkläre ich, dass ich hoffe, Spanien möge gewinnen.“
Dass der Gesundheitsminister das Schicksal schwerkranker Kinder für die eigene PR nutzt, fanden viele User auf X allerdings gar nicht gut. Unter dem Tweet häuften sich schon bald wütende Kommentare.
„Lassen Sie die Kinder in Ruhe! Die haben es nicht verdient, von Ihnen belästigt zu werden“, schreibt eine Userin. Eine andere: „Wenn Sie von Kindern reden, heißt das nichts Gutes.“
Die Erinnerungen an die Corona-Zeit, in der Lauterbach sehr harte Positionen beim Thema Kinder vertrat – von Masken, über Impfung bis hin zu Schulschließungen – sind offenbar bei vielen Menschen immer noch präsent.
Ein anderer User erinnert Lauterbach an dessen eigene politische Verantwortung, die er im Rausch der Selbstinszenierung gerne einmal vergisst: „Leider eine #EURO2024 der Selfies und Selbstdarsteller! In der Regierungsverantwortung fallen Sie durch fragwürdige Entscheidungen auf oder bringen keine Besserung beim Krankenhaussterben und Medikamentenmangel.“
Lauterbach organisierte Aktion nicht selbst
Was der Gesundheitsminister wie eine eigens von ihm initiierte Aktion darstellt, hat er in Wirklichkeit gar nicht selbst organisiert. Auf eine NIUS-Anfrage dazu, wie Lauterbach denn die Aktion organisiert habe, wie lange er sich mit den Kindern beschäftigt habe, und was genau die Kinder denn alles sehen durften, antwortet ein Sprecher des Gesundheitsministeriums: „Wenden Sie sich bitte bezüglich der Hintergründe dieser Aktion an die UEFA oder den spanischen Fußballverband. Dem BMG liegen keine Informationen zu dieser Aktion vor.“ Die UEFA reagierte auf eine Anfrage nicht.

Lauterbach verfolgte sechs EM-Spiele live aus dem Stadion.
Auf zweimalige Nachfrage dazu, ob Lauterbach denn selbst etwas unternommen habe, um kranken Kindern einen Besuch im Stadion zu ermöglichen: Keine Antwort aus dem Gesundheitsministerium. Man darf daher mit guten Gründen davon ausgehen, dass die Antwort „nein“ lautet.
Eine Aktion für kranke Kinder schamlos für die eigene PR missbrauchen – das ist eine ganz eigene Liga des Zynismus.
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