Berlin wollte im ehemaligen Flughafen Tegel 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen – jetzt steht dort das größte Flüchtlingslager Europas
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Der ehemalige Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte die Zukunft des ehemaligen Flughafens Tegel ganz groß geplant. Auf dem Flugfeld sollte ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien entstehen – mit 1000 Firmen und 20.000 Arbeitsplätzen. Dieser bombastische Industriepark hatte auch schon einen Namen: „Urban Tech Republic“ (Hauptstädtische Technische Republik).
Daneben sollte das „weltweit größte Stadtquartier in Holzbauweise“ (unter „weltweit größtes“ geht es in Berlin nicht) entstehen: mit 5000 Wohnungen („Schumacher Quartier“). Außerdem wollte man auf den restlichen 200 Hektar einen Landschaftspark anlegen, wie die BZ berichtet.

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD).
Im Dezember 2020 kündigte der damalige Senator für Stadtentwicklung Scheel (Linke) den Baustart für 2021 an. Eine neue Firma in öffentlicher Hand wurde gegründet, die mit 80 Mitarbeitern die Projekte entwickeln sollte (Tegel Projekt GmbH). Im Zentrum der „Urban Tech Republic“ sollte die Berliner Hochschule für Technik (BHT) stehen und dafür aus ihrem Standort Wedding in das Flughafengebäude (Terminal A) umziehen. Doch der Umzug wurde verschoben, zuletzt auf das Jahr 2027. Und auch daraus wird nichts. In den kommenden Haushalten ist der Umzug nicht geplant. Allgemeiner Sparzwang und strenge Vorgaben des Denkmalschutzes verhindern eine schnellere Lösung, heißt es.
Flüchtlingselend statt „Technische Republik“
Der Flughafen wurde vor vier Jahren geschlossen. Für das „Schumacher Quartier“ gibt es nicht mal einen Bebauungsplan. Die „Urban Tech Republic“ besteht heute hauptsächlich aus Leichtbauhallen, die von oben aussehen wie Zelte – Notunterkünfte für Flüchtlinge. Etwa 5000 leben zurzeit hier, 8000 sollen es werden. Fast 500 Millionen Euro Steuergelder kostet das vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAS) vom Deutschen Roten Kreuz betriebenen Camp pro Jahr, berichtet Bild.

In der Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tegel wohnen knapp 5000 Menschen.
900 schulpflichtige Kinder sind in einer Art Lagerschule untergebracht, haben so kaum die Möglichkeit, sich außerhalb zu integrieren. Frauen klagen über sexuelle Belästigung durch Sicherheitskräfte und andere Flüchtlinge. Die Krankenversorgung ist offenbar problematisch. „Medikamente werden sehr selten verabreicht“, sagt ein Bewohner, der anonym bleiben möchte. „Meine Frau war vier Tage lang krank, aber erst als sie sich vor Schmerzen krümmte, gaben sie ihr Tabletten.“
Entwidmet, um Großes zu schaffen
Das ist also der Ist-Zustand von dem Ort, um den uns jahrzehntelang alle beneideten: der Flughafen Tegel. 1948 wurde er nach nur 90 Tagen Bauzeit eröffnet – er war die Antwort auf die Berlin-Blockade der Sowjets. Er zeichnete sich durch schnelle Wege aus – kurze Wartezeit auch für lange Flüge. 2021 wurde der Flughafen entwidmet, wie es in der Fachsprache heißt. Entwidmet, um Großes zu schaffen. Das ging atemberaubend daneben.
Fazit: Berlin hatte zwei geniale Flughäfen: Tempelhof und Tegel. Mit Tempelhof wurde Berlin Weltstadt, mit Tegel ein internationales Drehkreuz in die Welt. Heute sind beide Flughäfen eine Art Brachland. Tempelhof ist ein Paradies für Kampfhunde und Drachen geworden. Dort, wo hunderte von Wohnungen entstehen könnte, entsteht nichts. Und Tegel, der Ort, der als Paradies für Innovation und Fortschritt geplant war, ist ein Paradies der Leichtbauhallen-Anbieter geworden.
Armes Berlin.
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Louis Hagen
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