Blutige Fußball-EM: „Deutschland hat die Sicherheit nicht im Griff“
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Die Fußball-Europameisterschaft ist eigentlich ein freudiges Ereignis. Ein Anlass, um ausgelassen zu feiern und guten Fußball zu genießen ...
Aber die EM wird überschattet von Gewaltausbrüchen, teilweise mit tödlichem Ausgang. Wird das Fußballfest ein neues Sommermärchen – oder doch eher ein Sommeralbtraum? Und: Hat die Bundesregierung die Sicherheitslage in Deutschland im Griff?
Darüber sprachen Julius Böhm und Waldi Hartmann mit Alex Purrucker bei NIUS LIVE am Montagmorgen. Alex Purrucker brachte es auf den Punkt: „Deutschland hat bei der Fußball-EM die Sicherheit nicht im Griff.“
„Da geht es um Leben oder Tod“
Es zeigt sich eine neue Qualität der Gewalt, die es früher so nicht gab. Waldi Hartmann erläuterte: „Es sind immer Messerangriffe. Das ist das neue, was ich erlebe. Ich habe die Gnade der frühen Geburt. Hooligans gab es schon immer. Hooligan-Schlachten gab es schon immer. Die haben sich verabredet und wollten sich einfach nur auf die Fresse hauen. Ich sage es mal so profan – jetzt findet das mit Waffen statt. Und das ist das, was mich erschüttert, weil die Verletzten oder die Opfer eine andere Qualität haben. Nicht nur ein bisschen Blut und vielleicht ein Zahn, der mit draufgeht, da geht es um Leben oder Tod. Das ist das Gefährliche, das ist die Entwicklung und die ist, fürchte ich, erst am Anfang.“
Waldi weiter: „Und dabei haben wir bisher noch gar nicht die klaren Drohungen seit Moskau erwähnt, nämlich dass der IS zuschlagen wird. Und er wird bei der EM zuschlagen und bei den Olympischen Spielen in Paris. Davon reden wir jetzt noch gar nicht. Denn die schrecken ja vor gar nichts zurück. Und das ist meine große Sorge, dass es immer wieder Gewalttäter gibt. Das gibt es auch im zivilen Leben. Aber dass es religiös motivierte Täter gibt, das ist für mich das Schlimmste – weil du die mit keinem Maßstab messen kannst. Sie sind unberechenbar und ich will ja keine Panik schaffen. Aber die Drohung ist ja offiziell ausgesprochen worden und auch bei den Sicherheitsbehörden angekommen. Da wird jetzt hoffentlich gut gearbeitet.“
„Ist das Gewaltpotenzial zu groß oder ist das Polizeipotenzial zu klein?“
Purrucker ergänzte: „Die Gewalt war früher immer schon da, auch bei der Fußball-EM, auch bei diversen Weltmeisterschaften. Das gehörte leider dazu, dass man sich mal was aufs Maul gegeben hat, aber das war am Rande. Das Problem Gewalt ist mittlerweile ins Zentrum gerückt.“
Purrucker weiter: „Sicherheitsmaßnahmen rund um die Fanmeilen und Stadien und trotzdem Horrortaten, wie wir sie jetzt hier an diesem ersten Wochenende schon erlebt haben. Jetzt meine Frage: Ist das Gewaltpotenzial zu groß oder ist das Polizeipotenzial zu klein?“
Böhm antwortet: „Ich würde sagen beides, weil ich den Beamten ungern einen Vorwurf machen will. Da gibt es sehr, sehr viele mutige, aufrichtige junge Männer und Frauen, die ihren Körper, ihre Gesundheit, ihren Kopf jeden Tag für uns hinhalten auf der Straße und über nicht ausreichende Schutz- und Abwehrmechanismen klagen. Wir haben die Bilder aus Mannheim im Kopf. Es gibt keinen Stichschutz für den Hals bei der Polizei. Bis heute gibt es für die Polizei keine Taser, also diese Elektrodistanzgeräte als Zwischen-Step zwischen dem Schlagstock und der Schusswaffe. Ich muss entweder jemand mit Messer irgendwie an mich ranlassen und mit dem Schlagstock abhalten oder gleich die Schusswaffe benutzen. Ich kann nicht mit diesem Elektrodistanzgerät jemanden sozusagen als Zwischen-Step außer Gefecht setzen. Da wird viel geklagt, was an Support und an Unterstützung für Sicherheit und Abwehr fehlt.“
Gehalt von Polizisten: „Das ist ja eine Lachnummer“
Die Polizei erhält nicht genügend Unterstützung. Waldi führt das genauer aus: „Und die Polizei beklagt ja, genauso wie alle Vertreter, die in den Gewerkschaften sind, und zwar unterschiedlicher politischer Couleur ... alle unisono beklagen die mangelnde Ausrüstung. Und dann kommt für mich noch etwas dazu, ich habe mir das jetzt mal genauer angeschaut, weil das ja öffentlich ist und man kann das nachgoogeln: Was bekommen die Jungs dann im Monat dafür an Geld? Das ist ja eine Lachnummer, die begeben sich jeden Tag in Gefahr für Leib und Leben.“
Waldi ist der Meinung: Wer seine Gesundheit für die Gesellschaft in Gefahr bringt, sollte dafür angemessen bezahlt werden. Er erklärt das so: „Mietpreise in einer Großstadt wie München, Hamburg oder anderen Großstädten müssen wir ja nicht diskutieren ... das können die nicht finanzieren. Ich kenne viele Polizisten aus meiner Münchner Zeit, die alle einen Nebenjob haben. Mal bestand der gesamte Ordnungsdienst des FC Bayern aus der bayerischen Polizei, weil die einen Nebenjob brauchten. Also man muss schon auch mal sehen, dass man die nicht nur mit Ausrüstung ausstattet, sondern auch finanziell ausstattet. Denn wir brauchen die Polizei mehr denn je, mit dem, was auf uns zukommt.“
Böhm ergänzt: „Ein ganz wichtiger Punkt ist Respekt für die Arbeit, zu sagen: Danke von allen.“ Waldi antwortet: „‚All Cops are Bastards‘. Das ist ja mittlerweile schon gängig, oder? Das ist ja fast schon keine Beschimpfung mehr, das ist ja Folklore.“
Böhm erwidert: „Linke gehen inzwischen weiter und sagen ‚All cops are targets‘, die sind Ziele, um die mit Steinen, Flaschen oder Molotowcocktails zu bewerfen.“
„Er war in diesem Kostüm auf dem Feld – während der Eröffnungszeremonie“
Die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien scheinen unzureichend. Böhm schildert: „Ich will noch mal ganz kurz auf das Thema islamistische Gefahr zurückkommen. Es gibt nämlich einen YouTuber, Marvin Wildhage heißt er. Den kennt man, der hat sich immer mal so bei Hannover 96 und bei der Nationalmannschaft ins Training reingeschmuggelt. Er hat sich die passenden Klamotten angezogen, mit dem Motto: Ich bin jetzt auch da, ich mach mal mit. Und jetzt hat er einen Test gemacht: Der hat sich über Wochen und Monate das Maskottchen, Albärt heißt es, glaube ich, genau nachbauen lassen. Erst in China, das war nix. Dann hat er sich von so einem Kostümbildner für ein paar tausend Euro das Ding nachbauen lassen. Er hat sich über mehrere Wochen vorbereitet und: Er war im Stadion.“

Albärt, das EM-Maskottchen. In diesem Kostüm gelang es dem YouTuber auf das Spielfeld zu gelangen.
Böhm weiter: „Er war in diesem Kostüm auf dem Feld, während der Eröffnungszeremonie. Einfach so – es gibt ein tolles Video, kann ich nur empfehlen. Das ist eine wunderbare Form von investigativem Journalismus, die einfach auch für junge Menschen greifbar ist. Der hat es geschafft, mit einfachen Mitteln, mit ein paar 1.000 Euro Aufwand zu einem der neuralgischsten Punkte Deutschlands am Freitagabend zu kommen, nämlich diesem Eröffnungsspiel. Und man stelle sich mal vor: Das wäre jetzt kein Humor-begabter YouTuber, der einfach mal eine coole Form von investigativem Journalismus macht, sondern ein Verrückter, der da Schaden anrichten möchte. Die UEFA hat ihn dann, während der Zeremonie, entdeckt und rausgezogen. Er saß bis nachts in der Zelle. Ich hoffe, es ist für UEFA und Polizei ein Warnsignal, da noch mal nachzuschärfen, sehr, sehr genau hinzuschauen, damit da keine Katastrophe passieren kann.“
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