Brisanter Leak: Hochrangige Bundeswehr-Offiziere diskutieren über Angriff auf die Krim-Brücke
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Ein brisanter Leak sorgt für weitere Spannungen zwischen Moskau und Berlin: Der russische Staatssender Russia Today hat einen Mitschnitt einer vertraulichen Besprechung zwischen hochrangigen Bundeswehr-Angehörigen ins Netz gestellt. Bundeskanzler Scholz verspricht rasche Aufklärung.
Darin wird über Details zu möglichen Taurus-Lieferungen an die Ukraine gesprochen und auch die Sprengung der Krim-Brücke diskutiert. Die Bundeswehr geht davon aus, dass die Inhalte des geleakten Gesprächs echt sind. Das virtuelle Meeting der Offiziere soll nicht über eine gesicherte Leitung, sondern über die leicht abhörbare Plattform WebEx stattgefunden haben. Der Militärische Abschirmdienst ermittelt wegen russischer Spionage.
Zu hören sind Brigadegeneral Frank Gräfe, Abteilungsleiter für Einsätze und Übungen im Kommando Luftwaffe der Bundeswehr, Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe, und zwei Mitarbeiter des Weltraumkommandos der Bundeswehr, Oberstleutnant Fenske und Oberstleutnant Florstedt. Die Personen wirken vertraut, besprechen zu Beginn des 38-minütigen Gesprächs zunächst Privates. Laut ZDF hätten Quellen in der Bundeswehr zugegeben, dass sie den Inhalt für authentisch halten, ohne ihn jedoch sicher verifizieren zu können.
Minister Pistorius will Aufklärung über die Taurus-Systeme
Zu Beginn erklärt Generalleutnant Gerhartz den Anlass des Gesprächs. Minister Boris Pistorius (SPD) wolle „wirklich tief ins Taurus-Thema einsteigen“. Gerhartz beschwert sich, dass für den Termin mit dem Minister nur eine halbe Stunde einberaumt worden sei. „Wir werden das Ding nicht zum Fliegen bringen können, um es mal so auszudrücken“, erklärt er. Der Minister jedenfalls solle gut unterrichtet werden, wie das Taurus-System funktioniert.

Anlass des Gesprächs ist der Wunsch von Verteidigungsminister Pistorius, über die Taurus-Waffensysteme aufgeklärt zu werden.
Anschließend geht es um die Frage, was passiert, wenn sich die Bundesregierung doch zu einer Lieferung der Taurus-Waffensysteme entscheiden würde. Oberstleutnant Fenske berichtet zur Ausbildung der ukrainischen Truppen: Es brauche mindestens drei Wochen Industrieschulung und ein vierwöchiges Training durch die Bundeswehr. Doch gerade bei der 1. Mission müsse die Bundeswehr involviert sein. „Das kann man theoretisch aus Büchel machen – mit einer sicheren Leitung“, erklärt Fenske. Gemeint ist der Fliegerhorst Büchel der Bundeswehr in Rheinland-Pfalz.
Die Gesprächsteilnehmer fragen sich, ob das eine „zu direkte Beteiligung“ Deutschlands sei. „Die Frage wird sein: Wo kommen die Daten her?“, erklärt Fenske. Es wäre unter Umständen auch möglich, das Datenpaket nach Polen zu schicken und die deutschen Experten mit dem Auto herüberzufahren.
Ein mögliches Ziel: Die Kertsch-Brücke
Indirekt geben die Bundeswehr-Angehörigen auch eine Beteiligung der USA vor Ort zu: „Wir wissen ja auch, dass da viele Leute mit amerikanischem Akzent in Zivilklamotten rumrennen“, heißt es im Gespräch.
Zudem würden die Taurus-Lieferungen keinen großen Einfluss auf das Kriegsgeschehen haben: „Das wird den Krieg nicht ändern.“ Dennoch gebe es zwei interessante Ziele für die Taurus-Raketen: die Krim-Brücke und Munitions-Depots. „Die Brücke im Osten ist halt schwer zu erreichen, und die Pfeiler sind relativ klein, und das kann halt der Taurus darstellen, und die Mun-Depots – da kommen wir halt durch.“ Die Brücke sei jedoch so groß wie ein Flugplatz, gibt ein Gesprächsteilnehmer zu bedenken. Es könne sein, dass man dafür „zehn oder zwanzig Flugkörper brauche“.
Es sei klar, dass es den Ukrainern um die Brücke gehe, sagt anschließend Gerhartz. „Da hat man eben Angst, dass da der direkte Link der Streitkräfte in die Ukraine geht.“ Wenn man eine direkte Linie nicht zur Bundeswehr, sondern nur zum Industriehersteller MDBA in Schrobenhausen herstellen könne, sei es „weniger schlimm“.
Bundesregierung lehnt Lieferungen der Taurus-Raketen bislang ab
Ein Offizier widerspricht: „Ich glaube, das macht keinen Unterschied, Ingo. Wenn wir dem Minister jetzt sagen – ich überspitze mal ein bisschen: Wir planen die Daten und fahren sie dann von Polen aus mit’m Auto rüber, damit es keiner mitkriegt, das ist ein Kill-Kriterium.“ Dann mache es auch keinen Unterschied, ob man die Sache in Büchel oder Schrobenhausen plane. „Beteiligt ist beteiligt.“ Weiter heißt es: „Stell dir mal vor, das kommt an die Presse.“ Das seien keine akzeptablen Lösungen.
Sollte die Bundesregierung nochmals klarstellen, dass eine direkte Beteiligung der Bundeswehr vermieden werden muss, nehme der Einsatzerfolg ab, schlussfolgern die beteiligten Luftwaffen-Angehörigen. Die Ukrainer müssten entsprechend länger ausgebildet werden. Sie müssten die Missionsdaten selbst bearbeiten können.
Bundeskanzler Scholz lehnt eine Lieferung der Taurus-Raketen bislang ab. Er möchte nicht, dass eine Situation entstehe, in der deutsche Expertise für die Erfassung von russischen Zielen direkt zum Einsatz komme, begründete er seine Entscheidung.
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