Das Ditib-Versagen: Wie deutsche Politiker unser Land dem Islamismus ausliefern
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Die türkische Religionsvereinigung Ditib steht immer wieder in der Kritik, weil sie Kontakt zu radikal-islamistischen und rechtsextremistischen Gruppierungen haben soll. Die aktuellen antisemitischen Ausschreitungen lassen die Debatte um die Rolle des Vereins in Deutschland erneut aufflammen.
Sie gestaltet den islamischen Religionsunterricht in Hessen und Niedersachsen, ist verantwortlich für den Bau von neuen Moscheen und bildet Prediger aus. Die Rede ist von der größten islamischen Religionsvereinigung Deutschlands, der Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, kurz: Ditib.

Nicht nur die Zentralmoschee in Köln gehört zu Ditib: Insgesamt 900 Moscheen in Deutschland sind Teil der umstrittenen Religionsvereinigung.
Als der Verein vor über vierzig Jahren 1982 in Berlin gegründet wurde, gehörten ihm 15 Moscheen an. Mittlerweile ist Ditib bundesweit der größte islamische Dachverband und umfasst rund 900 Moscheegemeinden.
Während die Organisation auf ihrem Internetportal angibt, diverse demokratische Ziele zu verfolgen, darunter die „Förderung des interreligiösen Dialogs“ oder die „Förderung des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen, Völkerverständigung und Toleranz“, werden die Stimmen der Kritiker, die die Intentionen des Vereins in Frage stellen, immer lauter.
Religiös-politisches Sprachrohr nach Deutschland
Dass die größte islamische Religionsvereinigung Deutschlands Ditib ein direkter Ableger des türkischen Religionsministeriums Diyanet ist und der türkischen Regierung des Präsidenten Recep-Tayyip Erdogan unterliegt, ist in Deutschland nicht erst seit gestern bekannt. Bereits seit Jahren wird über das Wirken der türkischen Religionsbehörde in Deutschland medial kritisch diskutiert.
Auch der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die türkische Religionsvereinigung seit mehreren Jahren.
Im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen von 2018 heißt es:
„Die Türkei ist zudem bemüht, über die staatsnahen Medien politischen Einfluss auf die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland auszuüben. Es muss davon ausgegangen werden, dass nicht nur die türkische Regierung, sondern auch die Regierungspartei „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“ (AKP) unmittelbaren Einfluss auf den MIT und türkische Organisationen in Deutschland (UID, DİTİB) ausüben.“

Ditib wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
„Eliminatorischer Antisemitismus“ aus dem Hause Ditib
Dabei hat sich beim Vorgehen der Religionsvereinigung mittlerweile ein ganz bestimmtes Muster herausgebildet: Die antisemitischen Aussagen werden von Vorstandsmitgliedern zugegeben, daraufhin veröffentlicht Ditib eine vage Distanzierung, in der nicht auf explizite Maßnahmen zur Vorbeugung und zum Umgang mit antisemitischen und israelfeindlichen Aussagen innerhalb der eigenen Reihen eingegangen wird, und das betroffene Vorstandsmitglied wird seines Amtes enthoben. Die für die Öffentlichkeit unsichtbaren, grundsätzlich antisemitischen Strukturen innerhalb der Organisation bleiben davon unberührt.
„Ihr verfluchten Israelis, möget ihr in der Hölle schmoren. Ich verfluche euch und Hitler, dass er euch nicht ausgerottet hat.“ Oder: „Möge dein Stamm ausgetrocknet werden, Israel. Möge Gott euch vernichten und im Höllenfeuer verbrennen. Möge Gott uns das noch in unserem Leben erleben lassen.“
Aussagen wie diese wurden bereits mehrfach von Mitgliedern der islamischen Religionsvereinigung getätigt. Politikwissenschaftler Lino Klevesath bezeichnet die von Ditib-Mitgliedern gemachten Aussagen gegenüber dem NDR als „eliminatorischen Antisemitismus“, der die Ermordung von jüdischen Personen rechtfertige.

Der Islamismus-Kritiker Eren Güvercin teilte am Montag ein Video des Predigers.
Der Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbaş, ist die oberste religiöse Autorität der deutschen Ditib. In seinem Auftrag predigen weit mehr als 1000 Imame in Deutschland, zudem ist er Vorsitzender des Beirats der Ditib und entscheidet somit über Leitlinien und Führung der Ditib in Deutschland. Genau dieser Mann bezeichnete Israel in seiner Freitagspredigt nun als „rostigen Dolch im Herzen der islamischen Geographie“. Er nennt den jüdischen Glauben „schmutzig und pervers”.
„Wer mit der Ditib kooperiert, hat Antisemitismus und türkischen Nationalismus mit am Tisch“
Islamismusexperten in ganz Deutschland befürchten vor allem, dass die gefährliche antisemitische Ideologie der Ditib Raum in deutschen Schulen findet, denn sowohl in NRW und Niedersachsen als auch in Rheinland Pfalz und Wiesbaden ist Ditib für den Islamunterricht an deutschen Schulen zuständig.

Volker Beck, der ehemalige migrationspolitische Sprecher der Grünen, zeigt als Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft klare Kante gegen Antisemitismus.
Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hält diese Zusammenarbeit von Bundesländern mit der Islamorganisation für hochgefährlich. „Wer mit der Ditib kooperiert, hat den Antisemitismus und türkischen Nationalismus mit am Tisch“, sagte er gegenüber der Welt. „Wer glaubt, dass das anders wird, wie Malu Dreyer oder Armin Laschet, lässt sich täuschen oder will getäuscht werden.“

Islamismus-Experten befürchten eine zunehmende Islamisierung in deutschen Klassenzimmern.
Deutsche Politiker schauen weg
Trotz des vom Verfassungsschutz bereits öffentlich bestätigten Einflusses der Erdogan-Regierung auf den islamischen Dachverband und zahlreicher antisemitischer Äußerungen, scheinen diverse Politiker mit Ditib zu sympathisieren
Als bei der Islamkonferenz letzten Jahres statt kritischer Stimmen vor allem Akteure von Ditib zu Wort kamen, argumentierte Nancy Faeser, dass „Muslime nicht unter allgemeinen Extremismus-Verdacht“ gestellt werden dürften. Das Problem des muslimischen Antisemitismus sprach die SPD-Innenministerin nicht an, betonte dafür aber die Wichtigkeit der Bekämpfung von sogenannter „Muslimfeindlichkeit“ in der Gesellschaft. Auch über die Abschaffung des Expertenkreis Islamismus verlor die Innenministerin kein Wort.
Besonders brisant: Islamismus-Kritiker wie Ahmad Mansour, Seyran Ates oder Ali Ertan wurden lediglich als Zuschauer eingeladen – und explizit nicht als Referenten. Der Journalist und Migrationsexperte Ertan Toprak bezeichnete die Veranstaltung in der Bild später als „Ditib-Propaganda“. Er kritisierte, dass „alle problematischen und kritischen Themen vom Innenministerium ausgeblendet wurden“.

SPD-Innenministerin Nancy Faeser bei der umstrittenen Islamkonferenz im vergangenen Jahr: Islamkritiker durften nicht referieren.
Neben Faeser tragen seit längerer Zeit auch andere SPD-Politiker zur Verharmlosung der Islamismus-Gefahr durch die Ditib bei. So besuchte Malu Dreyer mehrere Moscheen der Ditib und betonte wiederholt, dass der Islam und die Ditib „Teil von Rheinland-Pfalz“ seien. Auch habe die Erdogan-Organisation laut ihr „zu großen Fortschritten zum islamischen Religionsunterricht, zur Integration, zu Flüchtlingen und zur Repräsentanz der Muslime“ beigetragen.

Die SPD-Politikerin Malu Dreyer beim Besuch einer Ditib-Moschee in Wittlich.
Als 2018 die fast 9 Millionen teure Yunus-Emre Großmoschee der Ditib in Aachen eröffnet wurde, erklärte der ehemalige Ministerpräsident Armin Laschet: „Der Islam gehört zu Nordrhein-Westfalen!“ Zu der Kritik an der Islamorganisation äußerte auch er sich nicht.
Jedoch stammen die Unterstützer der Erdogan-nahen Organisation nicht nur aus den Reihen der SPD. Es war CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der er den umstrittenen Muezzinruf als „Beitrag zur Integration“ lobte. Später wurde einer Ditib Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld als erster Moschee Deutschlands der Muezzinruf genehmigt. Islamexperten wie Susanne Schröter halten den Muezzinruf für gefährlich: „Da wird eine verbale Botschaft mit transportiert, und von vielen Muslimen wird es eben auch so interpretiert: der Islam ist die einzige Religion. Alle anderen sind dann implizit eben nicht die wahren Religionen“, sagte sie gegenüber dem Deutschlandfunk.
Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun: „nicht nur verbal, sondern auch rechtlich“
Angesichts der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen und Äußerungen im Zusammenhang mit der türkischen Religionsorganisation, fordert der FDP-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki nun die Prüfung eines Betätigungsverbots für Ditib.
„Wenn es rechtlich nötig ist, muss man untersagen, dass Ditib auf deutschem Boden tätig sein kann“, sagte er Cicero gegenüber.

Er spricht sich gegen den politischen Islam und die Einmischung der Türkei in die deutsche Gesellschaft aus: FDP-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki.
„Wenn wir jetzt sehen, dass auf deutschem Boden antiisraelische und antijüdische Parolen skandiert werden von Zehntausenden von Menschen aus dem Nahen Osten, dann ist höchste Zeit, dagegen etwas zu tun und nicht nur verbal, sondern auch rechtlich“.
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Joelle Rautenberg
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