Deutschlandtag der Jungen Union: Merz kämpft mit den Tränen
Hier kämpft der CDU-Chef mit den Tränen
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So hat man den CDU-Chef noch nie gesehen. Gleich nach der bewegenden Rede des israelischen Botschafters Ron Prosor vor den Delegierten des Deutschlandtags der Jungen Union (JU) in Braunschweig ergriff Friedrich Merz das Wort.
Erst gestern, sagte Merz, habe er eine jüdische Schule in Berlin besucht, habe mit Schülern in einem kleinen Raum gesprochen, in dem die Wände mit Bildern voll waren von Angehörigen, die durch den Hamas-Terror umgekommen oder nach Gaza verschleppt worden seien.

Friedrich Merz (r), CDU-Bundesvorsitzender, und Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin, nehmen bei ihrem Besuch am Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn in Berlin-Mitte an einem Pressestatement teil.
Er schildert die Angst der jüdischen Schüler. „Angst vor der U-Bahn, Angst vor dem Taxi, Angst beim Einkaufen … Zu Hause sind sie in einem geschützten Raum, aber draußen gibt es überall Grund zur Angst.“ Er habe eine Bitte an die Junge Union: „Geht auf diese Menschen zu, sagt ihnen, dass wir alles tun, damit sie in diesem Land leben können …“ Dann versagt ihm die Stimme. Tränen rinnen über die Wangen des Parteichefs, minutenlang kann er sich am Pult kaum fassen.
Erst nach und nach merkt der Saal, wie Merz mit den Tränen kämpft und stärkt ihm mit Applaus den Rücken.

Friedrich Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union in Braunschweig.
„Vielleicht merken wir jetzt erst, welche Probleme in den letzten Jahren entstanden sind“, sagt Merz, als er die Fassung zurückgewonnen hat. Und alle im Saal der Volkswagen-Arena wissen, was er meint: Die Migrationspolitik von Kanzlerin a.D. Angela Merkel. Doch das Gedenken an die Opfer des Hamas-Terrors ist nicht der Ort für kleinliche Abrechnungen.
„Dieses Land zu befrieden“ schiebt er später nach, „wird nicht ohne die Muslime gehen. Aber sie müssen sich ohne Wenn und Aber zum Existenzrecht des Staates Israel bekennen.“
Tosender Applaus begleitet Merz bei diesen Passagen.

Friedrich Merz (l), CDU-Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, und Ron Prosor, Botschafter Israels in Deutschland, stehen zusammen auf der Bühne auf dem 75. Deutschlandtag der Jungen Union.
Dass Merz so ergriffen war, könnte auch an seinem Einzug in die Halle gemeinsam mit dem israelischen Botschafter liegen. Eine riesige Israel-Flagge füllt die Bühnenwand, weht langsam vor einem düsteren Himmel.
Dazu spielt eine Musik, die an die israelische Nationalhymne Hatikwa erinnert, in Wahrheit aber eine Filmmusik ist. Der Grund: Zur Hatikwa darf man nicht gehen, muss stehenbleiben, wo immer man sich aufhält.
„Wir haben den Staat Israel gegründet, damit wir diese Bilder nicht mehr sehen müssen, von Juden, die in ihren Häusern ermordet wurden, von Kindern, denen man den Kopf abgeschnitten hat“, sagt Ron Prosor in seinem Grußwort. „Es gibt noch immer 200 Tote, die wir nicht identifizieren konnten …“ – weil sie so furchtbar entstellt wurden. Das sagt er nicht.

Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, spricht auf dem 75. Deutschlandtag der Jungen Union.
„Wer diese Taten verübt, der verachtet die Menschenwürde – nicht nur in Israel. (…) Was Hamas verübt hat, widerspricht allen Werten, für die wir alle hier im Raum stehen. (…) Es ist ein Kampf der Werte gegen die Barbarei, von Gut gegen Böse – so einfach ist das. Wir müssen alles tun, dass das Böse nicht gewinnt. Das ist unsere Aufgabe.“
Und direkt an die Delegierten gewandt: „Es liegt in euren Händen: Nie wieder, ist jetzt!“ Wie tief getroffen, aber auch wie fest entschlossen Israel ist, sagt Prosor auch: „Wir werden die Infrastruktur der Hamas zerstören. Wir werden die Anführer der Hamas eleminieren. Es gibt kein anderes Wort dafür. Die Hamas hat diesen Krieg gewollt und uns aufgezwungen.“
Und: „Israel wird nach dem 7. Oktober nicht mehr dasselbe sein.“ Noch wachsamer, noch entschlossener, noch härter, soll das wohl heißen.
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Ralf Schuler
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