Ekliger WDR-Vergleich: Böse Ratten-Klatsche für Tom Buhrow
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Böse Klatsche für WDR-Intendant Tom Buhrow! Sein Sender muss einen ekligen „Satire-Post“ löschen, den Buhrow selbst zuvor noch gerechtfertigt hatte.
Bereits am 14. Februar 2023 hatte der Rechtsanwalt Rafael Sarlak (CDU) eine förmliche Programmbeschwerde gegen einen vermeintlich satirischen Post beim Intendanten eingelegt, die NIUS vorliegt.

„Eine Ratte, ein Geldsack und viele Immobilien-Emoticons“
Darin heißt es, auf Facebook „hat der vom WDR verantwortete Kanal ,WDR Satire' am 6. Februar 2023 um 08:06 Uhr einen Beitrag in Form eines sog. ,Sharepics' veröffentlicht. Darauf zu sehen ist der nachfolgende Text: ,Eine Frau aus Bochum hat in einer Wohnung zusammen mit 800 Ratten gewohnt. Schöne Abwechslung. Normalerweise vermietet ja eine Ratte 800 Wohnungen'. Die Beschreibung zum Bild bestand aus einer Vielzahl von Emoticons, davon eine Ratte, ein Geldsack und eine Vielzahl unterschiedlicher Emoticons, auf denen Immobilien zu sehen sind.“

Tom Buhrow mit der noch wenige Tage amtierenden MDR-Intendatin Karola Wille bei der Verleihung der Goldenen Henne vor wenigen Tagen in Berlin
In juristischer Nüchternheit arbeitet Sarlak in dem vierseitigen Schreiben, das NIUS vorliegt, heraus, warum der Post die Grenzen der Satire überschreite: „Aussagekern ist die pauschale Herabsatzung von Vermietern. Sie werden als ,Ratten' bezeichnet.“
„Ausssagekern besteht darin, dass Vermieter auf besonders niedriger Stufe stehen“
Seine Schlussfolgerung: „Der Aussagekern besteht also darin, dass – die hier als ,Ratte' bezeichneten – Vermieter auf besonders niedriger sozialer Stufe stehen. Es wird das Bild von Vermietern als Schädlingen der Gesellschaft gezeichnet. Das Emoji des Geldsacks hingegen deutet darauf hin, dass Vermieter besonders eigennützige, bzw. habgierige Mitglieder der Gesellschaft sind.“ Man sollte nicht meinen, dass Offensichtliches so ausführlich referiert werden müsste. Muss es aber, wie man an der Reaktion von WDR-Intendant Tom Buhrow sieht.

Buhrows Post führte zu empörten Reaktionen in den sozialen Medien.
Der schreibt am 17. April zurück, er könne den „Ärger über den kurzen Facebook-Post (...) gut verstehen, denn die zuständige Programmdirektion und ich selbst halten den Post ebenfalls nicht für sonderlich gelungen. Typisch für Satire ist, dass sie polarisiert, provokativ ist – am besten sollte sie dies in intelligenter Weise tun. Das hat das kurze Stück, auch aufgrund der für die sozialen Medien notwendigen Reduzierung, nicht geschafft. Der Beitrag wurde daher intern kritisch nachbesprochen.“
Und damit sollte es dann auch sein Bewenden haben. Ein Rechtsverstoß liege nicht vor, so Buhrow: „Zur Bejahung eines Rechtsverstoßes reicht es jedoch nicht aus, wenn ein Beitrag misslungen und den Ansprüchen, die Sie stellen und die der WDR an sich selbst stellt, widerspricht. Sondern es muss ein Rechtsverstoß bezogen auf die im WDR-Gesetz vorgeschriebenen Grundsätze für das Programm vorliegen.“

WDR-Intendant Buhrow mit seiner Freundin Daniela Boff. Im Jahr 2016 hatte er sich von seiner langjährigen Ehefrau Sabine Stamer getrennt.
So ein ganz klein wenig Verständnis schimmert dann aber doch durch die Zeilen des Intendanten, wenn er schreibt: „Der Anlass des Satireposts war, dass eine Frau eine sehr hohe Zahl an Ratten in ihrer Wohnung beherbergt hat. Dieses Verhältnis verkehrt der Beitrag ins Gegenteil und bezieht sich dabei auf Einzelne, welche eine hohe Zahl an Wohnungen vermieten. Damit greift der Beitrag eine aktuelle Diskussion um große Wohnungsgesellschaften auf, die in letzter Zeit vermehrt in Kritik geraten sind“. Es sei Sarlak aber unbenommen, sich an den WDR-Rundfunkrat zu wenden.
Das tat dieser dann auch am 15. Mai. Nach etlichen Wirren um die Zustellung des Schreibens befasste sich am 17. August zunächst der Programmausschuss des Rundfunkrates mit der Beschwerde, am 30. August schließlich auch der WDR-Rundfunkrat selbst.
„Diktion aus dem nationalsozialistischen und faschistischen Sprachgebrauch“
Die Bewertung des Vorgangs im Schreiben des Rundfunkrat-Chef Rolf Zurbrüggen vom 4. September lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: „Eine deutliche Mehrheit des Programmausschusses sei von dem in dem Beitrag hergestellten Vergleich überaus betroffen, der eine Diktion aus dem nationalsozialistischen und faschistischen Sprachgebrauch aufgreife. Der Programmausschuss lehne einen solchen geschichtsvergessenen Umgang mit der deutschen Sprache in aller Deutlichkeit ab. Es gehe dabei nicht um eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit einer Satire. Der Programmausschuss forderte den WDR allerdings deutlich dazu auf, die redaktionelle Verantwortung zu übernehmen und solche Vergleiche in Zukunft zu unterlassen. Der betreffende Post wurde inzwischen von der Facebook-Seite ,WDR Satire' entfernt.“
Und die Moral von der Geschicht: Es braucht ganze sieben Monate und etliche umfangreiche Schriftsätze, um eine für jeden erkennbare Geschmacklosigkeit aus einem Portal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu entfernen.
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Ralf Schuler
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