„Es ist fünf nach zwölf – das muss auch Merz sehen“: Das illoyale Interview von Tobias Hans
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- Die Kritik an CDU-Chef Friedrich Merz wegen Äußerungen zum Umgang seiner Partei mit der AfD auf kommunaler Ebene reißt nicht ab.
- Der CDU-Politiker und ehemalige saarländische Ministerpräsident Tobias Hans zweifelt die Eignung von Merz als Kanzlerkandidat an.
- Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sieht Merz hingegen nicht als beschädigt an.
Es ist ein Interview mit Skandal-Potenzial. Der CDU-Politiker Tobias Hans sagte dem Magazin Stern auf die Frage, ob Friedrich Merz noch der richtige Vorsitzende sei: „Mittlerweile muss man vor jedem Sommerinterview zittern, weil man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt. Ich möchte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ein von der CDU gestellter Bundeskanzler solche Sorgen hervorruft.“
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Hans betonte, die CDU müsse einen Konsens mit demokratischen Parteien suchen und nicht mit der AfD, die er als „politischen Feind” bezeichnete. Auf Äußerungen von Merz, der die CDU als „Alternative für Deutschland – mit Substanz” und die Grünen als Hauptgegner bezeichnet hatte, sagte Hans: „Mir drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass es sich dabei um eine Strategie handelt, um den Versuch, einen neuen Sound in der CDU zu etablieren. Das ist der Abschied vom Kurs der Mitte, mit dem die CDU fast 20 Jahre lang erfolgreich regiert hat.“
Hans vergleicht AfD mit NSDAP
Hans verglich das Erstarken der AfD dann mit den Entwicklungen in der Weimarer Republik. „Ich kann nur daran erinnern, dass auch die NSDAP in demokratischen Wahlen gewählt wurde. Die AfD steht bundesweit nun bei 22 Prozent. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf. Das muss auch Friedrich Merz endlich sehen.“ Sein Vorschlag, um die Union wieder zu alter Stärke zurückzuführen: „Wir brauchen mehr CO2-Einsparungen, mehr Elektromobilität, neue Technologien.“
Der ehemalige Ministerpräsident fügte hinzu: „Und wenn jemand das erklärte Ziel hatte, die AfD zu halbieren – und die sich dann aber locker verdoppelt – dann ist das zumindest kein Ausweis für Erfolg. Und auch der Wechsel eines Generalsekretärs nach nur eineinhalb Jahren, spricht nicht für Führungsstärke”, sagte Hans mit Blick auf den Wechsel von Mario Czaja zu Carsten Linnemann auf dem Posten des Generalsekretärs. Die Frage, ob Merz Kanzlerkandidat werde, hält Hans für „völlig offen“.
„Die Brandmauer steht”
Hans ist aber nicht der einzige, der seinem Chef in den Rücken fällt. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sprach in den ARD-Tagesthemen mit Blick auf das Merz-Interview von „Missverständnissen” und „Fehlinterpretationen”. Am Ende habe Merz seine Position klargemacht. „Es gibt eine klare, eindeutige und auch sehr dicke Brandmauer zur AfD”, sagte Rhein. „Die Brandmauer steht und sie steht sehr fest”, fügte er hinzu.
CDU-Vize Andreas Jung sieht die kommunale Ebene gar als entscheidend für die Abgrenzung der Union zur AfD an. „Die klare Abgrenzung auch in den Kommunen ist das Fundament der Brandmauer zur AfD” sagte Jung der Augsburger Allgemeinen (Dienstag). „Die AfD ist eine rechtsradikale Partei, die Hass und Hetze duldet”, kritisierte Jung. „Unsere Werte verpflichten: Zur AfD kann es deshalb nur klare Kante geben, auf allen Ebenen, heute, morgen und übermorgen”, betonte der stellvertretende CDU-Chef. Dies sei auch die Haltung von Merz.

CDU-Vize Jung sagt: „Die klare Abgrenzung auch in den Kommunen ist das Fundament der Brandmauer zur AfD”
Auch Generalsekretär Linnemann machte bei einer Veranstaltung der Hessen-CDU am Montagabend deutlich, Merz habe erst kürzlich bekräftigt, dass es, solange er Parteivorsitzender sei, keine Zusammenarbeit mit der AfD gebe, egal auf welcher Ebene.
Bei jüngeren Abgeordneten der Union gibt es dennoch Unmut über die Debattenlage in der CDU. „Es ärgert viele in der Partei, dass wir jetzt wieder über die falschen Themen diskutieren”, sagte die Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ronja Kemmer, den Partner-Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Dienstag).
„Wir brauchen keine Selbstbeschäftigung – weder über die Frage, wer unsere politischen Gegner sind, noch darüber, wer unser Kanzlerkandidat ist”, fügte die CDU-Politikerin hinzu.

die Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ronja Kemmer kritisierte die Debattenlage in der Union.
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