Exklusiv: ZDF log über brisante Regierungszahlung an Vize-Chefredakteurin
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- Die Stellvertretende Chefredakteurin des ZDF, Anne Gellinek, hat für ein rund 60-minütiges Gespräch mit Robert Habeck und Ursula von der Leyen eine Geldzahlung erhalten.
- Die Veranstaltung hatte mit kritischem Journalismus wenig zu tun – es war ein staatlich finanzierter Kuschel-Talk.
- Brisant: Auf Anfrage stritt das ZDF zunächst ab, dass Geldleistungen geflossen sind.
Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin, Anne Gellinek, wurde für einen Kuschel-Talk mit Robert Habeck im August 2022 von der Regierung bezahlt – das beweist eine neue Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion, die Pleiteticker.de vorliegt. Brisant ist dabei jedoch nicht nur der Fakt, dass bei Geldzahlungen von kritischem Journalismus keine Rede mehr sein kein – sondern auch, dass das ZDF die Zahlung auf Anfrage zunächst verschwiegen hatte.
ZDF log auf Anfrage: Anne Gellinek habe „kein Honorar erhalten“
Die Liste der von der Regierung bezahlten Journalisten wurde ursprünglich Anfang März veröffentlicht, jedoch in anonymisierter Form. Pleiteticker.degelang es dennoch, die Namen vieler der anonymisierten Journalisten aufzudecken, darunter bekannte Gesichter von ARD und ZDF wie Judith Rakers oder Eckart von Hirschhausen (Pleiteticker.de berichtete). Nun wurde von der Bundesregierung nach Anfrage der AfD eine neue Liste veröffentlicht, in der teilweise auch die Klarnamen der Journalisten aufgeführt sind.
Einzusehen ist hier, dass Anne Gellinek am 29. August 2022 eine Veranstaltung mit dem Titel „Wie gelingt das klimagerechte Europa“ für das Bundeswirtschaftsministerium moderiert hat. Pleiteticker.de stieß schon im März auf eben jene Veranstaltung und hakte beim ZDF nach. Auf Anfrage teilte man uns damals jedoch mit, dass Anne Gellinek „kein Honorar erhalten“ habe.
Durch die neue namentliche Liste wird jedoch eindeutig bewiesen, dass die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin eben doch eine Zahlung von rund 650 Euro für das einstündige Gespräch erhielt. Der Sachverhalt stellt die Glaubwürdigkeit und Transparenz der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten einmal mehr in Frage.

Ein Wohlfühl-Event für Robert Habek
Die von Gellinek moderierte Veranstaltung war ein Gespräch mit der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und dem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Mit kritischem Journalismus hatte die Veranstaltung jedoch wenig zu tun. Vielmehr handelte es sich um ein Wohlfühlevent. Von der Leyen, Habeck und Gellinek verfielen während des Gesprächs mehrfach ins Scherzen.
Gellinek wurde als angehende „stellvertretende Chefredakteurin“ des ZDF vorgestellt – „schön, dass wir Sie gewinnen konnten“ heißt es stolz. Der Zuschauer denkt, er hat eine renommierte ZDF-Journalistin vor sich, die ein kritisches Interview mit zwei Spitzenpolitikern führt. In Wahrheit wird sie aber vom Veranstalter bezahlt – und betreibt damit PR.
Insbesondere für Robert Habeck ist es ein eher entspannter Auftritt. Gleich zu Beginn erklärt Gellinek: „Ich leg mal los mit Ihnen Herr Habeck, da Sie ja hier der Hausherr sind“. Daraufhin stellt Gellinek immer wieder Gefälligkeitsfragen: „Können Sie das Wort ‘Gasumlage‘ eigentlich noch hören?“, erkundigte sie sich etwa beim Wirtschaftsminister.
Und gleich danach steigt Gellinek wieder ein, denn nicht nur die Gesellschaft werde vieles abverlangt. „Sie zahlen auch einen Preis“, richtet sie sich verständnisvoll an Habeck, „weil sie ziemlich viel Ärger haben wegen der Gasumlage“. Daran schließt sie eine weitere unkritische Frage an: „Warum ist es eigentlich so schwierig zu unterscheiden zwischen Unternehmen, die die Gas-Umlage brauchen und solchen, die die Gas-Umlage nicht brauchen?“, fragt sie Habeck.
Es folgt Elfmeter nach Elfmeter und keine einzige kritische Frage. Dass Deutschland zu diesem Zeitpunkt (im August 2022) auf eine schwere Energiekrise zulief war der Runde nicht anzumerken.
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Jonas Trappe
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