Falsch, falscher, Fratzscher: Der Lieblings-Ökonom des Kanzlers verbreitet krude Migrations-Thesen
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Pull-Faktoren? Gibt es nicht! Das meint zumindest Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Migration könne nicht durch die Kürzungen von Leistungen bei Asylbewerbern eingedämmt werden.
Marcel Fratzscher, Lieblingsökonom der deutschen Linken, ist außer sich: Zuletzt hatten immer mehr Stimmen gefordert, die Leistungen von Asylbewerbern zu reduzieren, um die Zuwanderung nach Deutschland zu reduzieren. Kurzum: Es ging darum, die Pull-Faktoren zu minimieren. Ein solcher Vorschlag sei einer der „schlechtesten und schädlichsten Vorschläge, die seit langer Zeit gemacht wurden“, beklagte sich Fratzscher am Dienstag im Tagesspiegel bitterlich. Soziale Leistungen seien in den meisten Fällen kein relevanter Pull-Faktor für Migranten, meint der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Dass der deutsche Sozialstaat der Hauptmagnet für die Masseneinwanderung ist – warum sollten Migranten auf ihrer „Flucht“ mindestens sechs oder sieben Länder durchqueren, ohne in Lebensgefahr zu schweben – erkennen jedoch plötzlich sogar Minister im Kabinett Scholz. Unter den Asylbewerbern gebe es zahlreiche Personen, die nicht auf der Flucht seien, sondern sie kämen „aus wirtschaftlichen Gründen zu uns“, hatte FDP-Finanzminister Christian Lindner ganz zum Ärger von Fratzscher am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ erklärt. Diese Leute hätten eigentlich kein Aufenthaltsrecht und wollten „in Deutschland womöglich auch gar nicht arbeiten“, sondern „unseren Sozialstaat nutzen“. Das müsse unterbunden werden.
„So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.“ – Finanzminister Christian Lindner möchte das Asylbewerberleistungsgesetz „auf ein verantwortbares Maß“ reduzieren. #BerichtausBerlin pic.twitter.com/3TXAD1lyuo
— Bericht aus Berlin (@ARD_BaB) October 29, 2023
Eine einleuchtende Erklärung, die Fratzscher jedoch als Verschwörungstheorie gilt: „Die Behauptung hält sich hartnäckig, dass ein erheblicher Anteil der Geflüchteten nur deshalb nach Deutschland kommt, weil hier die Leistungen – Wohnungen, Gesundheitsvorsorge, Grundversorgung und Geld – großzügig sind und es attraktiver ist, in Deutschland als in ihrem Heimatland zu leben.“
Dänische Forscher widerlegten Fratzschers Behauptung
Um den Worten Autorität zu verleihen, wird wie immer „die Wissenschaft“ als Monstranz vor sich hergetragen. Es gebe keine solchen Studien, behauptete Fratzscher. Tatsächlich aber gibt es entsprechende Studien, die sogar einen quasi-experimentellen Charakter haben. Drei dänische Ökonomen hatten 2019 die Auswirkung zweier konkreter Entscheidungen der dänischen Politik auf die Migration im Land untersucht.
Zunächst betrachteten die Wissenschaftler eine 2002 durchgeführte Reform, die Leistungen für Nicht-EU-Zuwanderer um etwa 50 Prozent senkte. Die Leistungskürzung verringerte den Nettostrom von Zuwanderern um etwa 5000 Personen pro Jahr. Der Beschluss wurde später wieder aufgehoben, wodurch sich der Effekt wieder umkehrte.
„Dies ist einer der ersten kausalen Belege für die Hypothese des Wohlfahrtsmagneten“, schrieben die Forscher. „Wenn man davon ausgeht, dass sich die Regierungen nur um das Wohlergehen der einheimischen Bevölkerung kümmern, können Sozialsysteme wie das dänische für einzelne Länder optimal sein.“ Mittlerweile betreibt Dänemark bekanntlich eine restriktive Einwanderungspolitik.
Migrations-Magnet Deutschland
Auch Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, fordert seit Jahren, den Magneten für die Migration nach Deutschland möglichst abzustellen. Pull-Faktoren seien real. Das jetzige Asyl-System sei eine offene Einladung für den Missbrauch, hatte er bereits 2016 öffentlich beklagt. Was logisch ist, denn wenn soziale Transferleistungen keine Rolle spielen würden, wie es Fratzscher beteuert, gäbe es genauso viele Asylanträge in Estland oder der Slowakei. Die gibt es aber nicht.

Ein Schiff einer Hilfsorganisation übernimmt Migranten auf dem Mittelmeer.
Italien wirft Deutschland vor, mutwillig Pull-Faktoren zu schaffen
In anderen Ländern dürfte man über die Thesen Fratzschers ohnehin den Kopf schütteln. Italien wirft Deutschland seit Monaten vor, mutwillig Pull-Faktoren zu schaffen, indem es beispielsweise sogenannte Seenotretter finanziell unterstützt. Deutschland fördert linke Hilfsorganisationen im Mittelmeer mit zwei Millionen Euro pro Jahr.
Es ist nicht das erste mal, dass Fratzschers Thesen nicht mit der Realität übereinstimmen. „Die Sorge vor einer zu hohen Inflation ist ein sehr deutsches Phänomen – und unbegründet“, hatte Fratzscher noch im Juni 2021 erklärt, bevor die Inflation in Europa durch die Decke schoss.
Auch in der jetzigen Debatte dürfte man damit richtig liegen, Fratzschers Worten keinen Glauben zu schenken.
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Björn Harms
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