Dramaturg Bernd Stegemann wirft ZDF Manipulation vor
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Die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk wächst. Nach Berichten über manipulativ gewählte Interviewpartner und öffentlicher Schelte durch den ehemalige SWR-Intendanten Peter Voß, legt nun auch der bekannte Autor und Dramaturg Bernd Stegemann nach. In der FAZ wirft er dem ZDF Manipulation vor.
Im vergangenen Jahr sahen im Durchschnitt rund 3,83 Millionen Menschen täglich die Nachrichtensendung „heute journal“. Die Sendung hat Macht, die sie einzusetzen weiß.

Christian Sievers steht in der Kulisse der ZDF-Nachrichtensendung.
In einem Gastbeitrag in der FAZ beschreibt Bernd Stegemann, Professor für Dramaturgie an der HfS Ernst Busch in Berlin, wie das „heute journal“ die Zuschauer bewusst in eine politische Richtung manipuliert.
Als Grundlage dient ihm ein Fernsehbeitrag aus einer Sendung vom 16. Juli, konzipiert von Florian Neuhann und Moez Elbey. Thema: Die engere Zusammenarbeit zwischen der EU und Tunesien bei der Eindämmung der Migration.
Linke Manipulation im Beitrag
Der Beitrag zeigt zu Beginn die Trostlosigkeit eines Flüchtlingslagers. Es sei, so sagt die Sprecherstimme des Beitrags, schwierig, Personen zu finden, die mit den Journalisten sprechen möchten.
Dann wird das Schicksal eines Mannes namens Mohammed beschrieben, der mit einem Boot nach Europa flüchten wollte, jedoch von der Küstenwache daran gehindert wurde.

Das Sendezentrum des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).
Die Kameraeinstellungen, so schreibt es Stegemann in seinem Beitrag, seien nah an der Person. Mit Großaufnahme der nervösen Hände. Die Anspannung sei spürbar und gewollt. Dann zeigt der Beitrag die EU-Vertreter, die wie VIPs über einen roten Teppich laufen. Allein die Reihenfolge der Bilder zeige eine David gegen Goliath-Situation. Auf der einen Seite der arme Flüchtling, auf der anderen die „bösen EU-Vertreter“. Macht und Ohnmacht treffen in den Bildern aufeinander, analysiert Stegemann.
Rechte Meloni statt konservative Ursula von der Leyen
Und die Geschichte geht weiter: Als Bösewichtin schlechthin wird Italiens rechte Regierungschefin Giorgia Meloni gezeigt. Sie wird als einzige Politikerin aus dem Team Europa zitiert. Allerdings: Auch Ursula von der Leyen und der Niederländer Mark Rutte saßen mit im Boot. Sie aber werden an dieser Stelle nicht gezeigt.
Dem Zuschauer soll suggeriert werden, dass das Thema „Migration steuern zu wollen, rechte Unheilspolitik ist“, so Stegemann. Mehr noch: Das Zitat Melonis wird direkt durch Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten entkräftet. Dazu der Sprechertext: „Europa hat ein Problem. Steigende Flüchtlingszahlen, Druck von rechts in jedem Land.“

Dunja Hayali ist seit dem 20. Februar das neue Mitglied des Moderatorenteams.
Denn die Botschaft des Beitrags sei laut Stegemann: Die Versuche der EU, das Migrationsproblem in den Griff zu bekommen, sind im Kern böse. Flüchtlingsleid und die EU-Poltiker stehen in direktem Kontrast zueinander.
Der FAZ-Kommentator moniert, dass ein solches Vorgehen bei einem Beitrag über das Heizungsgesetz ähnlich hätte aufgezogen werden können – mit frierenden Rentern in ihrem Eigenheim und der Politik in beheizten Palästen. Wurde es aber nicht. „Aus diesem Grund interessiert mich, wie offensiv in den Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über den Einsatz dieser Mittel diskutiert wird“, schreibt Dramaturg Stegemann.
Eine Frage, die sich sicherlich viele Menschen in diesem Land stellen.
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