Helfer ärgern sich über Scholz-Besuch: „Als der Kanzler kam, konnten wir zwei Stunden keine Sandsäcke füllen“
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Mit den Händen in der Jackentasche lässt der Kanzler sich zeigen, wie man Sand in Säcke füllt …
Zum zweiten Mal war Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Flutgebiet – diesmal mit Gummistiefeln, diesmal an der Sandsack-Abfüll-Station in Berga (Sachsen-Anhalt). Doch während der Kanzler versuchte, die Solidarität der freiwilligen Helfer mit gewichtigen Worten zu loben, war Helfer-Stillstand in Berga. Für die Scholz-Show musste nämlich die Sandsack-Produktion ruhen!
„Als der Kanzler kam, konnten wir zwei Stunden keine Sandsäcke füllen. Es war zwei Stunden Stillstand“, sagte einer der Helfer verärgert zu NIUS. Schon knapp eine Stunde vor Scholz’ Ankunft mussten alle Arbeiten eingestellt werden. Doch damit nicht genug der Vorbereitungen für den hohen Besuch.

Als Scholz vor den TV-Kameras stand, ertönten plötzlich Martinshörner – keiner weiß, warum
Freiwillige Helfer plötzlich unerwünscht
Aus Berga werden seit Weihnachten zahlreiche von der Flut betroffene Orte in der Region mit Sandsäcken beliefert. Ohne Hunderte freiwillige und ehrenamtliche Helfer, die zum Teil seit zwei Wochen, zum Teil in Nachtschichten schippen, was das Zeug hält, wäre das nicht möglich gewesen. Das THW ist mit acht Leuten und einer Sandsack-Abfüll-Maschine vor Ort im Einsatz. Der Rest passiert mit Schippen, von Hand und mit freiwilligen Helfern.
Dieses Engagement lobte der Bundeskanzler: „Dieser Geist der Solidarität wird auch hinterher gelten, und wir werden niemanden alleine lassen. Klar ist, das wird nur gemeinsam gehen, und das muss auch solidarisch in Deutschland erfolgen.“
Und dennoch wurden einige der Helfer vor Scholz’ Ankunft durch Feuerwehrleute ersetzt – Uniform statt Arbeitshose, wohl um eine offiziellere Kulisse zu schaffen. Dasselbe Spiel bei den Sandsack-Paletten: Statt wie in den letzten Tagen jede Palette sofort dorthin zu verfrachten, wo sie gebraucht wird – nämlich ins Flutgebiet –, stand der Hof voller Sandsack-Paletten. Selbst die zahlreichen Bagger und Radlader, die private Firmen aus der Region stellen, weil von öffentlicher Seite kaum technisches Gerät gestellt wird, sollten während des Scholz-Besuchs nicht fahren.

Mit den Händen in der Manteltasche ließ sich der Kanzler erklären, wie man von Hand Sandsäcke befüllt.
Der Gipfel der Inszenierung passierte dann, als Scholz vor den TV-Kameras ein Statement abgab. Ohne Grund oder Anlass fuhr eine Handvoll Feuerwehrautos mit Blaulicht und Sirene einmal die Hauptstraße von Berga rauf und runter, um auch akustisch etwas zu bieten.
Von wem dieser ganze kommunikative Rahmen gesetzt wurde, ist unklar.
Klar ist hingegen, dass zahlreiche Helfer nicht wollen, dass die Flut, das Leid der Menschen und ihr Engagement für politische Zwecke missbraucht wird: „Es geht darum, den Menschen zu helfen – nicht um irgendwelche politischen Themen. Das als Bühne zu nutzen, ist nicht richtig – da braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man Gegenwind aus hinteren Reihen bekommt von Bürgern, die sauer sind.“
Das bekam Scholz auch zu spüren: Er wurde bereits mit „Geh gleich wieder zurück“-Rufen begrüßt.
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Julius Böhm
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