Intensivstationen heute voller als zur schlimmsten Corona-Zeit! Aber nicht mal Lauterbach warnt mehr …
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Deutschlands Intensivstationen stehen kurz vor der Überlastung ... Oder?!
Nur noch 1755 freie Intensivbetten stehen in der ganzen Republik zur Verfügung, wie das DIVI-Intensivregister mitteilt. Das sind erschreckende Negativ-Werte, die nicht einmal während der schwersten Corona-Wellen zum Jahreswechsel 2020/2021 (Tiefstand: 3425 freie Intensivbetten) oder kurz vor Weihnachten 2021 (Tiefstand: 2194) erreicht worden sind.
Tatsächlich sind in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und dem Saarland mehr als 90 Prozent der Intensivkapazitäten belegt. In Bremen sind es gar 98 Prozent. In zahlreichen Landkreisen und Regionen ist kein einziges Intensivbett mehr frei: etwa in Mainz, Kempten, Remscheid, Heidelberg, Bayreuth, Jena, Weimar oder Kaiserslautern oder in Landkreisen wie Dithmarschen, Regensburg, Erding, Main-Taunus, Goslar, Ahrweiler, Vulkaneifel oder dem Berchtesgardener Land (unvollständige Aufzählung).

Dutzende Landkreise und Städte haben zum Teils deutlich weniger als 10 Prozent der Intensivkapazitäten zur Verfügung, zahlreiche kein einziges freies Intensivbett mehr. (Quelle: DIVI-Intensivregister)
Deutschlands Intensivstationen stehen also kurz vor der Überlastung – jedenfalls wenn man aktuell dieselben Maßstäbe wie während der Pandemie anlegen würde.
Doch niemand spricht über die Situationen in den Krankenhäuser. Niemand spricht über die Auslastung der Intensivkapazitäten, deren drohende Überlastung DAS Mega-Argument für den rigiden Corona-Kurs der Bundesregierung war. Nicht einmal Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt oder mahn.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht keine drohende Überlastung.
Lauterbach-Ministerium: „Überlastung nicht zu befürchten.“
NIUS hat seinem Ministerium einen Fragenkatalog zugeschickt. Die zentrale Antworte aus dem Lauterbach-Ministerium: „Eine Überlastung der Intensivstationen ist derzeit nicht zu befürchten.“ Alle anderen Fragen – was der Grund für die hohe Auslastung ist, warum keine Überlastung droht oder warum die Bewertung der Klinik-Auslastung noch vor wenigen Monaten eine völlig andere war – blieben unbeantwortet.
Im Grunde hieß es aus dem Gesundheitsministerium nur, dass man die Situation nicht vergleichen könne. Wörtlich heißt es da: „Verschiedene Betrachtungs-Zeitfenster bedeuten jeweils eine andere Datengrundlage. Zahlenergebnisse aus unterschiedlichen Zeitfenstern sind folglich nicht direkt vergleichbar.“
Auch fragte NIUS, ob und inwieweit die derzeitigen Proteste der Landwirte oder die Demonstrationen gegen Rechtsextremismus ein Auslöser für die hohe Klinikauslastung sein könnten, schließlich hatte Lauterbach noch im Herbst 2022 den Kölner Straßenkarneval heftig kritisiert und gesagt, er sei „entsetzt, wie verantwortungslos und unprofessionell man mit dem Infektionsschutz im Straßenkarneval umgegangen ist“. Die Menschen seien, so schimpfte Lauterbach damals, „komplett unkontrolliert zusammengekommen, als ob es Corona nicht geben würde“.

Während der Coronakrise war die drohende Überlastung der Intensivkapazitäten Hauptargument für die Maßnahmen der Regierung.
Ähnliche Kritik hatte das Münchner Oktoberfest vom Minister abbekommen. Lauterbach hatte eine direkte Verbindung zwischen den Festivitäten und steigenden Infektionszahlen und der Krankenhausauslastung hergestellt. „Natürlich ist das Oktoberfest, so wie es gemacht wurde, eine schlechte Idee gewesen“, sagte er damals.
Die NIUS-Nachfrage, inwieweit der Minister mit Blick auf Infektionsgeschehen und Klinikauslastung auch kritisch auf die genannten Demos blickt, blieb unbeantwortet.
Bemerkenswert ist jedoch ein Satz: „Ausweislich des DIVI-Intensivregisters waren am 30.1.2024 auf den Intensivstationen noch 1757 Betten frei und 6180 Betten befanden sich in der Notfallreserve. Mit dieser Zahl verfügbarer Betten könnte auch ein starker Anstieg intensivpflichtiger Patientinnen und Patienten aufgefangen werden“, teilt das Bundesgesundheitsministerium mit.
Als am 2. Januar 2021, dem mit 5703 Corona-Intensivpatienten absoluten Höhepunkt der Coronakrise, noch 3818 Intensivbetten und 10.454 Betten in der Notreserve zur Verfügung gestanden hatten – also 80 Prozent mehr als heute – gehörte Lauterbach zu den größten Warnern und die damalige Große Koalition begründete den monatelangen Lockdown mit der „drohenden Überlastung der Intensivstationen“.
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Julius Böhm
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