Spektakuläres Interview über KI und Politik: Elon Musk prophezeit Zukunft, in der sich alle alles leisten können werden
Ein Beitrag von
Roboter produzieren praktisch alle Güter, Energie wird extrem billig, Menschen erleben einen „unglaublichen Überfluss“: Das ist die Vorhersage von Tech-Genie Elon Musk. Im Interview beim Economist äußert er sich auch zur Politik im Westen, zur Migration und rechten Parteien.
Zanny Minton Beddoes, Chefredakteurin des britischen The Economist, hat ein 90-minütiges Interview mit Elon Musk geführt – über Künstliche Intelligenz (KI), Wirtschaft, Politik und seine Zukunftsvisionen. Letztere gehen wieder einmal über das hinaus, was normale Menschen für möglich halten. Musk verweist darauf, dass ein sehr großer Teil seiner bisherigen Vorhersagen eingetroffen ist.
„Das wahrscheinlichste Szenario ist ein Zeitalter atemberaubender Fülle, in dem jeder alles haben kann, was er sich vorstellen kann. Das mag absurd klingen, aber nun ja, hier sind wir im Jahr 2026. Mal sehen, wo wir 2036 stehen“, meint der Tech-Milliardär oder sogar -Billionär. Wenn kein Dritter Weltkrieg ausbreche, „denke ich, dass wir auf ein Zeitalter atemberaubender Fülle zusteuern.“
Mehr Nutzen als Schaden durch KI?
Geld, so Elon Musk, werde seiner Ansicht nach im Jahr 2036 keine Rolle mehr spielen. Noch brauche man Geld für Waren und Dienstleistungen, aber: „Wenn das alles so reichlich vorhanden ist, dass es mehr gibt – wenn Roboter und KI mehr Waren und Dienstleistungen bereitstellen, als ein Mensch jemals konsumieren könnte –, wofür brauchst du dann in diesem Fall noch Geld?“ Was Musk damit meint: Jeder kann dann im Wesentlichen alles haben, was er möchte, solange es nicht um naturgemäß knappe Güter geht, etwa Immobilien in Bestlage oder Original-Kunstwerke.
Der technologische Fortschritt werde einen so hohen Wohlstand erzeugen, dass der durchschnittliche Lebensstandard deutlich über dem heutigen liegt. Musk glaubt, dass KI nicht nur Produktivität erhöht, sondern letztlich das heutige Verständnis von Einkommen, Preisen und Knappheit grundlegend verändern könnte.
Sehr bald werde die KI- und Robotik-Revolution eintreten. Schon in fünf Jahren, schätzt Musk, könnte KI die Summe der menschlichen Intelligenz übertreffen: „Es wird wirklich nichts geben, was KI nicht besser kann als Menschen, abgesehen davon, vielleicht menschlich zu sein.“
Bei allen Risiken, die mit der KI einhergingen, überwiege der Nutzen, so Elon Musk. Ihre Entwicklung aufzuhalten, sei ohnehin praktisch unmöglich. Es komme darauf an, sich auf KI einzulassen, ihre Entwicklung voranzutreiben und sie auf menschliche Werte auszurichten.
Es wird politisch ...
Nach einer knappen Stunde lenkte Zanny Minton Beddoes das Gespräch auf die Politik und konfrontierte Musk mit etlichen extrem kritischen Fragen. So sprach sie von afrikanischen Kindern, die angeblich wegen DOGE (der Behörde zur Bekämpfung von Verschwendung staatlicher Gelder, die Musk eine Weile leitete) sterben mussten – unter den betroffenen Institutionen war auch die Behörde für internationale Entwicklung (USAID). Musk, trocken: „Null ist wegen DOGE gestorben. Null Komma Null!“
Der Chef von SpaceX, Tesla und vielen anderen Unternehmen wies auch den Vorwurf der Russland-Nähe zurück. Er wünsche sich einfach ein Ende des Ukraine-Krieges: „Was ich für schrecklich halte, wäre, wenn es nochmal drei Jahre lang sinnlos Menschen an den Frontlinien sterben lässt. Wie erklärt man das den Kindern der Männer, die an den Frontlinien sterben?“
Von dort war es dann nur noch ein kurzer Weg zum Vorwurf Beddoes, Musk unterstütze „protoautoritäre Figuren mit offensichtlichen faschistischen Tendenzen“. Nun mischt sich Elon Musk schon länger in die europäische Politik ein, stellt sich etwa in Deutschland an die Seite der AfD, in Großbritannien Rupert Lowes Restore Britain und in Frankreich Marine Le Pens Rassemblement National – alles Parteien, die sich gegen die illegale Masseneinwanderung nach Europa aussprechen.
Nicht rechts, nur normal
Den Vorwurf aber, er unterstütze neben der populistischen auch die „extreme Rechte“, wies Elon Musk zurück: „Das Einzige, was ich sage, ist etwas so Grundlegendes, dass es peinlich ist, es wiederholen zu müssen: Europa braucht sichere Grenzen. Es kann nicht weiterhin die Türen weit aufreißen für Hunderttausende von Menschen, deren Überzeugungen radikal den Werten entgegenstehen, die Europa über Jahrhunderte definiert haben.“
Er unterstütze keine Rechtsextremen, sondern „die normalen Menschen“. Die Darstellung der europäischen Rechten in den Medien bezeichnete er als „falsch, irreführend und unsinnig“. Es sei völlig normal, dass sich Menschen sichere Städte, geschützte Grenzen und eine vernünftige Ausgabenpolitik wünschten. Was denn daran „rechtsextrem“ sei?
Noch vor zehn oder fünfzehn Jahren hätten die heute verunglimpften Positionen zur politischen Normalität gehört. Tatsächlich sei einer der Tricks, die er lustig findet, eine Rede von Barack Obama oder Hillary Clinton zu nehmen, dann zu jemandem von der „verrückten Linken“ zu gehen und zu sagen: ‚Was halten Sie von dieser Rede von Trump?‘“ Zuverlässig werde die Empörung folgen: „Die schlimmste Person aller Zeiten!“

Elon Musk parierte alle Attacken, zuweilen sogar mit Humor.
Rassismus-Vorwurf perlt ab
Seine politischen Ansichten seien sehr gemäßigt, nicht „weit rechts“, stellte Musk klar. Ob er ein Rassist sei? „Meine Partnerin ist Halb-Inderin, ich habe vier Kinder mit ihr.“ Eines von ihnen sei nach einem berühmten indischen Physiker benannt: „Ich würde also sagen, dass ich kein Rassist bin. Und außerdem, wissen Sie, wenn man sich die Mitarbeiter in meinen Unternehmen ansieht, dann haben wir Führungskräfte aller ethnischen Herkunft.“
Er sei auch für Einwanderung. „Es wäre heuchlerisch von mir, wenn ich das nicht wäre, da ich selbst als Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen bin. Ich bin für Einwanderung, wenn die einwandernde Person ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein wird, wenn sie ehrlich ist und wenn sie die Menschen in diesem Land nicht schlecht behandelt.“
Zanny Minton Beddoes war weiter in Angriffsstimmung. Die Britin hielt Musk seine Unterstützung für Restore Britain vor und meinte, er zeichne ein völlig unrealistisches Bild von einem Großbritannien, das von Grooming Gangs beherrscht werde und in dem an jeder Ecke Morde und Vergewaltigungen verübt würden. Er habe sogar behauptet, dass es im Vereinigten Königreich früher oder später zum Bürgerkrieg kommen werde.

Angriffslustige Fragenstellerin: Zanny Minton Beddoes.
Musk daraufhin: „Wenn es Zuwanderung gibt, dann sollten die Einwanderer die westlichen Ideale und westlichen Werte teilen. Wenn die Zahl der Menschen, die das nicht tun oder diesen Werten in manchen Fällen sogar entschieden ablehnend gegenüberstehen, langfristig wächst, schafft man die Voraussetzungen für einen Bürgerkrieg. Das liegt auf der Hand.“
Wer wird mehr gehasst: Musk oder die Medien?
Irgendwann drehte Musk den Spieß um und warf den Medien vor, das „ernste und wachsende Problem“ Europas zu ignorieren: „Ich denke, ihr Leute schlaft am Schalter ein und erkennt das Ausmaß des Problems nicht. Was ihr sagt, ist reine Fiktion. Ich sage einfach nur, dass Europa sichere Grenzen braucht und nicht riesige Mengen an Menschen hereinlassen sollte, deren Ansichten den akzeptierten Werten in Europa widersprechen und bei denen keine sichere kulturelle Integration möglich ist.
Das ist einfach gesunder Menschenverstand. Wenn ihr einen Wohlfahrtsstaat habt, der erhebliche Leistungen an jeden bietet, der dorthin kommt, schafft ihr einen sehr starken wirtschaftlichen Anreiz für jeden, dessen Lebensstandard darunter liegt, nach Europa zu kommen. Menschen werden kommen, wenn der Lebensstandard, den sie in Europa erhalten, höher ist als dort, wo sie sonst auf der Welt sind.“
Schließlich wurde es noch persönlich: Die Economist-Chefredakteurin stellte fest, Musk sei der reichste Mann der Welt und verfüge über enorme Macht. Die Leute, meinte sie, würden ihn „verabscheuen“, weil er daraus das Recht zur Einflussnahme auf die Politik anderer Länder ableite. Musk blieb cool: Ja, einige Menschen verabscheuten ihn vermutlich tatsächlich. „Das ist mir egal.“ Er habe aber rund 250 Millionen Follower, und das deute darauf hin, dass ihn weit mehr Menschen schätzten als ablehnten. „Und ich glaube, dass viel mehr Menschen Sie und die Medien hassen, als Ihnen bewusst ist.“
„Die positive Sicht auf Journalisten liegt bei 15 Prozent“
Sie verstünde nicht, wie verhasst die Medien sind: „Die positive Sicht auf Journalisten liegt bei etwa 15 Prozent.“ Zanny Minton Beddoes räumte ein, es seien „Fehler“ gemacht worden, jedoch: „Aber ich denke auch, dass die polarisierte Umgebung, besonders in sozialen Medien, die durch die Art von Dingen, die Sie auf X fördern, verschlimmert wird.“
Elon Musk schoss sofort zurück: „Ich denke nicht so. Ich denke, die Medien sind das Problem. Die Leute verabscheuen Sie weit mehr als mich, und Sie scheinen das nicht zu begreifen.“ Womit er nicht die Frau vom Economist meinte, sondern, dass die Medien „kollektiv gehasst“ würden. Mit dieser Einschätzung könnte Musk, wie so oft, ziemlich richtig liegen.
Lesen Sie dazu auch: Linke hassen Elon Musk so sehr, dass man ihn einfach lieben muss!
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Verkehrsminister Schnieder verkündet eigenen Rauswurf, der dann aber gar nicht kommt
Merz’ Kabinettsumbau: Viel Rochade, wenig Aufbruch
Operation Niedersachsen: Wie der Staat die Opposition vom Wahlzettel tilgt
Linnemann wird Gesundheitsminister, Warken Kanzleramts-Chefin
Bilger zur AfD: Keine Gespräche mit „solchen Leuten“
Exklusive Umfrage: AfD jetzt auch in Berlin auf Platz 1
Niedersachen: AfD-Kandidatin Goes ausgeschlossen, 2 weitere AfD-Politiker kurz vor Ausschluss
München verweigert Zahlen zur Wasser-Verordnung mit Verweis auf „öffentliche Sicherheit“
Mehr NIUS:
Linnemann wird Gesundheitsminister, Warken Kanzleramts-Chefin
Bilger zur AfD: Keine Gespräche mit „solchen Leuten“
Exklusive Umfrage: AfD jetzt auch in Berlin auf Platz 1
Niedersachen: AfD-Kandidatin Goes ausgeschlossen, 2 weitere AfD-Politiker kurz vor Ausschluss
München verweigert Zahlen zur Wasser-Verordnung mit Verweis auf „öffentliche Sicherheit“
Neue Zahlen zum grünen Ausnahmezustand: Münchens Quellen liegen nur 15 Prozent unter bisherigem Juni-Tiefstand
Niedersachsen: AfD-Kandidat Stephan Bothe vor Wahlausschluss
Urteil: Corona-Haushalt in Bayern teilweise verfassungswidrig
Claudio Casula
Artikel teilen
Kommentare