Lemke und Von der Leyen wollen den Wolfabschuss erleichtern
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- Bundesumweltministerin Steffi Lemke will den Abschuss von Wölfen erleichtern und so Weidetiere wie Schafe besser schützen.
- Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen zum Umgang mit Wölfen.
- Der Bauernverband findet die Entscheidung Lemkes richtig, Kritik kommt von Umweltschützern.
Seit Jahren ist es ein Dauerthema in Deutschland: Der Umgang mit dem Wolf. Jetzt sagt Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) in der Welt: „Abschüsse von Wölfen nach Rissen müssen schneller und unbürokratischer möglich sein“.
„Wenn Dutzende Schafe gerissen werden und verendet auf der Weide liegen, dann ist das eine Tragödie für jeden Weidetierhalter und eine ganz große Belastung für die Betroffenen. Daher brauchen sie mehr Unterstützung und Sicherheit.“ Ende September wolle sie konkrete Vorschläge liefern.

Ein Wolf steht im Gehege im Wisentgehege Springe in Niedersachsen. Für die Artgenossen in freier Natur könnte es bald härter werden. Sie sollen künftig schneller abgeschossen werden dürfen, so die Forderung von Steffi Lemke (Grüne).
Bei der Umsetzung des Vorschlages könnte es jedoch hadern. Denn die ist kompliziert! In Deutschland sind die Bundesländer für das Wolfsmanagement verantwortlich. Bisher genießen Wölfe einen hohen Schutzstatus, sowohl nach Bundes- als auch nach EU-Recht. In einigen Regionen wird aber angezweifelt, ob der Schutzstatus aufgrund größerer Populationen noch gerechtfertigt ist.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich Ende Juli grundsätzlich offen für eine Absenkung des strengen Schutzstatus des Wolfes gezeigt. Sie hat selbst eine persönliche Verbindung zu dem Thema: Ein Wolf hat vor etwa einem Jahr ihr 30 Jahre altes Pony nahe Hannover getötet.
„Es ist richtig, dass die gefährdete Art geschützt werden muss. Aber wenn in bestimmten Regionen die Art nicht mehr gefährdet ist, müssen wir auch anders mit dem Wolf umgehen und ihn zum Beispiel bejagen“, sagte Von der Leyen.

Ursula von der Leyen (CDU) hat eine zwiegespaltene Meinung zum Wolf. Auf der einen Seite brauche es den Schutz, bei einer Überpopulation sollten die Tiere jedoch bejagt werden, findet die EU-Kommissionspräsidentin.
Bis zum 22. September sollen systematisch Daten aus ganz Europa zu Wolfspopulationen zusammenzutragen, erklärte die Kommissionspräsidentin. Eine Meldestelle sei eingerichtet. Die Auswertung der Daten soll spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann soll entschieden werden, ob ein Vorschlag zur Herabsetzung des Schutzstatus gemacht wird.
Zwar sei der Schutz des Wolfes völkerrechtlich geregelt, und dieser basiere auf den vorgelegten Zahlen zur Populationsentwicklung der Wölfe. Es müsse aber auch die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort beachtet werden.
Das stößt auf scharfe Kritik von Lobbyisten. André Prescher-Spiridon, Referent für EU-Politik bei der Umweltschutz-Organisation BUND äußert sich auf dem Kurznachrichtendienst „X“ (ehemals Twitter). In der Ankündigung der Kommissionspräsidentin sieht er politische Spielchen kurz vor der Europawahl im kommenden Jahr. „Eine Ko-Existenz ist im bestehenden Rechtstrahmen möglich“, sagt er.
Vor allem in Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hat sich der in Deutschland zur Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottete Wolf seit seiner Rückkehr um 2000 wieder breit gemacht. Es kommt immer wieder vor, dass Wölfe auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Kälber reißen. Das ärgert die Bauern, deren Verbandsvorsitzender äußert sich deshalb zufrieden mit den Plänen aus der Politik.
Sarah Schweizer, Landtagsabgeordnete, jagd-, wald- und forstpolitische Sprecherin CDU-Landtagsfraktion, Mitgliederbeauftragte CDU BW
„Nachdem #Lemke erst vor wenigen Wochen einen Brief an die Kommission geschrieben hat, am Schutzstatus des Wolfs soll sich bloß nichts ändern, fordert sie jetzt schnellere Abschüsse. Erinnert mich an „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?““

Schafe und Lämmer stehen auf einer Weide der Schwäbischen Alb. Schäfer sind durch die höhere Wolfspopulation in Unruhe. Die Pläne aus der Politik findet der Bauernverband gut.
„Der #Wolf ist kein Kuscheltier. Er verursacht große Schäden bei Nutztieren. Die Initiative der Umweltministerin kann ein großer Beitrag zum #tierschutz werden. Das Gutachten der FDP im Bundestag zeigt einen rechtssicheren Weg“, sagt Carina Konrad, stellvertretende Vorsitzende der FDP Bundestagsfraktion.
Laut Bundesamt für Naturschutz leben in Deutschlanbd rund 1200 Wölfe. Die Tiere lebten demnach in 161 Rudeln. Dazu kamen 43 Wolfspaare sowie 21 sesshafte Einzelwölfe. Bisherige Wolfsabschüsse wie im März in Brandenburg wurden von vielen Tierschutz- und Umweltverbänden scharf kritisiert.
Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden 2022 pro Wolfsübergriff durchschnittlich 3,8 Tiere getötet. Dabei den im vergangenen Jahr getöteten oder verletzten Nutztieren in Deutschland handelte es sich demnach zu 88,6 Prozent um Schafe und Ziegen, zu 4,2 Prozent um Gatterwild und zu 6 Prozent um Rinder (meist Kälber).
Die Anzahl der verletzten oder getöteten Nutztiere lag im Jahr 2014 noch unter 500, 2022 liegt sie laut DBBW bei über 4000.
Lesen Sie auch: Die Geschichte vom „Problemwolf“ ist ein Märchen!
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