Linkspartei illustriert „Bücherverbrennung“ von 1933 mit Verbrennung von „Schundliteratur“ in der DDR
Ein Beitrag von
Die Linkspartei Schleswig-Holstein wollte mit einem historischen Foto vor den Gefahren autoritärer Regime warnen – übersah dabei jedoch, dass ihr Beitrag keine Bücherverbrennung der Nationalsozialisten von 1933 zeigt, sondern eine Bücherverbrennung der SED-Jugendorganisation FDJ im Ost-Berlin des Jahres 1955.
Der Landesverband Schleswig-Holstein von „Die Linke“ lädt am 10. Mai 2026 auf seinem offiziellen Facebook-Konto ein historisches Foto hoch, das uniformierte Schüler beim Verbrennen sogenannter „Schundliteratur“ zeigt. Dieses Bild ist versehen mit dem Titel „Bücherverbrennung 1933“ und dem Heinrich-Heine-Zitat „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“, sowie den Logos von „Die Linke“ und deren Jugendverband „Linksjugend solid“.

Das Geschichtsbewusstsein lässt bei der Linkspartei zu wünschen übrig.
Die Partei, der laut aktuellen Umfragen jeder zehnte Wähler in Deutschland seine Stimme geben würde, schreibt dazu: „Heute vor 93 Jahren wurden in ganz Deutschland Bücher verbrannt. Bücher, die sich für kritisches Denken aussprachen. Bücher, die von Sozialismus handelten. Bücher, die Kritik an dem damals entstehend Regime enthielten.“
Das trifft gewiss auf die Bücherverbrennung 1933 zu – nicht aber auf jenes Foto, das die Linkspartei hochgeladen hat. Weiter schreibt die Partei: „Bücher sind kein Luxus. (…) Mit Bildung ist es dasselbe. Wo beides eingeschränkt oder verboten wird, haben autoritäre Regime leichtes Spiel. Das war 1933 so und kann sich auch heute wiederholen.“
Was der Partei, die hier so entschlossen auf Bildung pocht, entgangen ist: Ihr Beitrag zeigt keine Bücherverbrennung aus dem Jahr 1933, sondern eine Bücherverbrennung vom Juni 1955 in Ost-Berlin. Genauer gesagt sind darauf Schüler in Berlin-Buchholz am Abend des Internationalen Kindertages zu sehen, wie sie Hefte verbrennen, die vom SED-Regime der DDR offiziell als „Schmutz- und Schundliteratur“ eingestuft worden waren. Auf den Ärmeln der Schüler ist klar das Logo der FDJ erkennbar – der Jugendorganisation der SED. Die FDJ war für die SED also genau das, was „Solid“ heute für die Linkspartei ist.
„Wenn ich mir selbst einen neuen Namen gebe, dann bin ich immer noch ich“
Recht hat die Partei somit lediglich in einem Punkt: Hier war tatsächlich ein „autoritäres Regime“ am Werk – allerdings ein anderes, als die Genossen vermuten. Im Jahr 1955 herrschte in Ost-Berlin die SED, die sich später zunächst in PDS und dann in „Die Linke“ umbenannte. Diese Umbenennung zur PDS erfolgte wohlgemerkt nicht aus freien Stücken, sondern unter dem Druck des Zusammenbruchs der kommunistischen Diktatur.
Fälschlich bezeichnen viele Menschen die Linkspartei heute als „Nachfolgerin“ der SED. Ein SPD-Bundestagsabgeordneter widersprach diesem populären Irrtum einmal sinngemäß mit dem Kommentar: „Wenn ich mir selbst einen neuen Namen gebe, dann bin ich nicht mein eigener Nachfolger, sondern immer noch ich.“ Dem pflichtete sogar der eigene Bundesschatzmeister der Linkspartei bei, der 2009 vor dem Berliner Landgericht bestätigte, dass die Linkspartei eben nicht nur „Nachfolger“ der SED, sondern „rechtsidentisch“ mit jener Partei ist, die an der innerdeutschen Grenze ab 1970 Selbstschussanlagen gegen Flüchtlinge anbringen ließ.
Dasselbe in grün beim Gorki-Theater
Kurioserweise war dieser Fauxpas mit genau demselben Foto im April 2023 bereits dem staatlich finanzierten Berliner Gorki-Theater unterlaufen: Da illustrierte das Theater auf seiner Internetseite eine Kolumne des türkischen Autors Can Dündar mit ebendiesem Bild, das es ebenfalls mit „Bücherverbrennung 1933“ und der Quellenangabe „Bundesarchiv“ versah. Auf meinen Hinweis hin löschte das Theater diesen Beitrag geräuschlos und ohne jede Erklärung.

Dieses Foto wurde intransparent entfernt.
Dass dort einmal ein gelöschtes Foto gewesen sein muss, erkennt man heute nur noch daran, dass Dündars Kolumne Nummer 33 im Gegensatz zu allen seinen Kolumnen davor und danach kein Bild mehr beigefügt ist.
Es scheint das Vorstellungsvermögen nicht weniger Autoren zu übersteigen, dass auch im Kommunismus öffentlich Literatur verbrannt wurde. Was nach diesem historischen Eigentor der Linkspartei bleibt, ist einer der seltenen Fälle, in denen eine Partei unabsichtlich vor sich selbst warnt.
***
Simon Akstinat ist Autor, Fotograf und Produzent und veröffentlicht Bücher mit geschichtlichem Schwerpunkt. Sein X-Kanal findet sich hier: www.x.com/GanzeGeschichte.
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Staat förderte Organisationen, die gegen AfD-Parteitag protestieren, mit mindestens 300 Millionen Euro
Schneiders E-Auto-Förder-Desaster: 74 Prozent des Steuergelds fließen nach China, Japan Frankreich & Co.
Beamten-Dienst am Strand und Mallorca-Ministerien, aber konkrete Zahlen werden auf Anfrage lieber nicht genannt
Verfassungsschutzbericht: +++ Mehr Extremisten +++ Warnung vor „gewaltbereitem Linksextremismus” +++ AfD soll „wegregiert” werden+++
Der große E-Auto-Förder-Missbrauch! Porsche, Tesla, BMW: Die niedrigsten Einkommen bestellen die teuersten Autos
Die neuen Zensur-Behörden: Medienanstalten ließen 2025 rund 4.000 Posts löschen
Floristik: Kosten für Blumen haben sich in der Bundesregierung in den letzten Jahren verdreifacht
Erstmals mehr als eine Million Menschen mit mindestens einem abgelehnten Asylantrag in Deutschland
Mehr NIUS:
Verfassungsschutzbericht: +++ Mehr Extremisten +++ Warnung vor „gewaltbereitem Linksextremismus” +++ AfD soll „wegregiert” werden+++
Der große E-Auto-Förder-Missbrauch! Porsche, Tesla, BMW: Die niedrigsten Einkommen bestellen die teuersten Autos
Die neuen Zensur-Behörden: Medienanstalten ließen 2025 rund 4.000 Posts löschen
Floristik: Kosten für Blumen haben sich in der Bundesregierung in den letzten Jahren verdreifacht
Erstmals mehr als eine Million Menschen mit mindestens einem abgelehnten Asylantrag in Deutschland
Austritte, Abrechnung, Aufstand – der Mittelstand wendet sich gegen die Union
Ministerium fürchtet politische Mobilisierung: Bundesregierung erklärt HateAid-Fernandes-Komplex zur Verschlusssache
Parteispitzen treffen sich im Kanzleramt für Steuer-Verhandlungen
Simon Akstinat
Artikel teilen
Kommentare