„Man kann die Welt nicht besiegen“: Wie Trump Weltpolitik mit einfachen Worten betreibt
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Donald Trumps Art der politischen Kommunikation fällt aus dem üblichen, sterilen Rahmen – und ist gerade deshalb so erfolgreich. Lesen Sie hier, wie der US-Präsident in seiner Rede vor der Knesset in einfachen Worten Klarheit herstellte.
Generationen von Politikern und Diplomaten mühen sich seit hundert Jahren mit dem jüdisch/israelisch-arabischen Konflikt ab. Doch alle Floskeln haben nichts gebracht, weil sie den Kern des Problems nicht benannten: die Weigerung der Araber und anderer Muslime, die jüdische Präsenz in ihrer Region zu akzeptieren.
Die Lösung konnte daher immer nur darin bestehen, ihnen klarzumachen, dass sie nicht darum herumkommen, dass der jüdische Staat kein Intermezzo der Geschichte ist, sondern gekommen ist, um zu bleiben. Wer diese Tatsache anerkennt, wird von guten Beziehungen zu Israel profitieren – wer das kleine Land immer wieder angreift, wird auf schmerzhafte Weise erfahren, dass es sich zu wehren weiß.
Die Methode Trump
Dutzende von Friedensplänen sind gescheitert, weil diese simple Wahrheit nicht zur Kenntnis genommen wurde. Und Tausende von Terroranschlägen und mehrere ausgewachsene Kriege mit Staaten und Terrormilizen haben nicht dazu geführt, dass die Einsicht wuchs. Erst Israels brillante Schläge gegen die Terrormilizen Hamas, Hisbollah und Huthis sowie gegen das Atomwaffenprogramm des iranischen Mullah-Regimes schufen die Voraussetzungen für die Trump-Regierung, den Nahen und Mittleren Osten, einen Hotspot der Unfreiheit und der Gewalt, zu verändern.
Donald Trump hat das begriffen und in seiner Rede am Montag vor dem israelischen Parlament in Jerusalem alle gelobt, die ihren Anteil daran hatten, sich selbst natürlich eingeschlossen. Was die beleidigten Spiegel-Redakteure eine „wirre Rede“ nannten, war alles andere als das. Trump weiß, dass es ohne die militärischen Erfolge der Israelis – zu dem die amerikanischen B-2-Bomber im Iran beitrugen – nicht möglich gewesen wäre, wenigstens einen relevanten Anteil muslimischer Staaten von der Nutzlosigkeit weiterer Angriffe auf den jüdischen Staat zu überzeugen und sie mit ins Boot zu holen.

Selten so gefeiert: US-Präsident Trump in der Knesset.
Wenn sogar Hamas-Freunde wie Erdogan oder der Emir von Katar einsehen, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben, war die Strategie Trumps und Netanjahus erfolgreich. In seiner Rede trug der Präsident diesem Umstand Rechnung und lobte den israelischen Regierungschef für dessen Mut, aber auch für die Bereitschaft, nach dem Sieg für den Frieden bereit zu sein.
„Er ist nicht der einfachste Mensch im Umgang, aber genau das macht ihn so großartig“
Er tat dies in einer gelassenen, mitunter witzigen Weise, wobei er in für jeden zu verstehenden Worten deutlich machte, dass er es mit einem großkalibrigen Staatsmann zu tun hatte.
„Ich möchte einem Mann von außergewöhnlichem Mut und Patriotismus meinen Dank aussprechen, dessen Partnerschaft so viel dazu beigetragen hat, diesen bedeutsamen Tag möglich zu machen. Sie wissen, von wem ich spreche. Es gibt nur einen, Premierminister Benjamin Netanjahu. Bibi, bitte stehen Sie auf. Und ich möchte Ihnen sagen, dass er nicht einfach ist. Er ist nicht der einfachste Mensch im Umgang, aber genau das macht ihn so großartig. Das macht ihn großartig. Vielen Dank, Bibi. Großartige Arbeit.“
Dass Benjamin Netanjahu unermüdlich amerikanischen Beistand einforderte, beweist tatsächlich seine Entschlossenheit, die Hamas zu besiegen – und nach den Angriffen des Iran auch die Gelegenheit zu nutzen, die Atomanlagen der Mullahs zu zerstören. Das Lob eines US-Präsidenten geht „Bibi“, wie auch Trump ihn nennt, natürlich runter wie Öl, sodass dieser bald nachschieben kann, warum Bibi jetzt trotzdem innehalten muss.

Historisches erreicht: Benjamin Netanjahu und Donald Trump.
Auch das Super-Sparta braucht Frieden
„Wir stellen die besten Waffen der Welt her, und wir haben eine Menge davon“, sagt Trump. „Und wir haben Israel, offen gesagt, eine Menge davon gegeben. Und – ich meine, Bibi hat mich so oft angerufen und gefragt: „Kannst du mir diese Waffe besorgen, jene Waffe, die andere Waffe?“ Von einigen habe ich noch nie gehört, Bibi, und ich habe sie hergestellt. [Gelächter] Aber wir würden sie hierherbringen, nicht wahr.“
Trump zieht den in militärischen Fragen beschlagenen Premier weiter auf seine Ebene und preist die Brillanz der israelischen Streitkräfte:
„Und sie sind die Besten. Sie sind die Besten. Und Sie, aber Sie haben sie gut eingesetzt. Es braucht auch Menschen, die wissen [lacht], wie man sie einsetzt, und Sie haben sie offensichtlich sehr gut eingesetzt, aber so viele, dass Israel stark und mächtig wurde, was letztendlich zum Frieden führte. Das hat zum Frieden geführt.“
Frieden durch Stärke ist schließlich der Grundsatz, von dem sich beide Staatenlenker leiten lassen. Zu allem entschlossene Feinde müssen wissen, dass man wehrhaft ist – insbesondere im Nahen Osten, wo bis heute ausschließlich das Recht des Stärkeren gilt, weshalb gerade Israel, die „Villa im Dschungel“, vor Waffen starren muss – das Super-Sparta, von dem Netanjahu kürzlich sprach.

Politische Kooperation – und militärische: Übung der israelischen und der US-Luftwaffe.
„Man kann die Welt nicht besiegen“
Trump ist nicht so naiv, an einen „ewigen Frieden“ ausgerechnet im gefährlichsten Teil der Welt zu glauben, und doch sieht er die Chance, durch die Schwächung der barbarischsten Feinde Israels einen Vorstoß Richtung Frieden und Kooperation zu unternehmen. Schließlich sind dem „kalten Frieden“ zwischen Israel und Ägypten sowie Jordanien die Abraham-Abkommen gefolgt, die weitere arabische Staaten unterschrieben und – vor allem im Fall der Vereinigten Arabischen Emirate – sogar mit guten Beziehungen belohnten. Folglich wendet sich Trump in seiner Rede einmal mehr an Bibi Netanjahu:
„Du hast viel erreicht, du bist zurückgekommen, du bist stark zurückgekommen, weil es draußen in der Welt langsam unangenehm wurde. Und letztendlich gewinnt die Welt. Man kann die Welt nicht besiegen, oder ich würde zu Bibi sagen: „Bibi, jetzt ist es so weit.“ Und er hat das besser verstanden als jeder andere. Denn letztendlich ist die Welt ein sehr großer Ort.“
Man kann die Welt nicht besiegen – in diesem Fall eine ernüchternde Feststellung, die das ganze Dilemma auf den Punkt bringt. Die pro-palästinensische, wobei doch eher antiisraelische Propaganda von „Hungersnot“ und „Genozid“ in Gaza hat es geschafft, Israel heute relativ isoliert dastehen zu lassen, was auf Dauer auch für das winzige Sparta am östlichen Rand des Mittelmeers eine zu große Belastung ist.
„Ich sagte: „Dieses Stück Land ist sehr klein. Es ist unglaublich, was Sie mit diesem winzigen Fleckchen Land erreichen – wenn man sich eine Karte ansieht, nicht einmal die Weltkarte, sondern nur die des Nahen Ostens, dann sieht man diesen kleinen Punkt. Und wenn man bedenkt, was Sie erreicht haben, dann ist das unglaublich. (…) Und ich sagte zu Bibi: „Weißt du, die Welt ist groß und stark, und letztendlich gewinnt die Welt. Darüber müssen wir uns jetzt keine Sorgen machen.“
Nach dem Sieg der Frieden?
Netanjahus Zwickmühle, den verlustreichen Krieg (bei gleichzeitiger internationaler Ächtung) gegen die Hamas bis zu deren Kapitulation weiterführen zu müssen oder den Job nicht zu Ende bringen zu können, hat Trump durch seine Initiative aufgebrochen: Bibi kann nun als Gewinner mit neu geschaffener Friedensoption in die Geschichte eingehen.
„Und was für ein Sieg das war, nicht wahr? Was für ein Sieg das war. Wenn Sie noch drei, vier Jahre weitergemacht hätten, weiter gekämpft, gekämpft, gekämpft, wäre es schlimm geworden. Es wäre hitzig geworden. Der Zeitpunkt dafür ist brillant. Und ich sagte: „Bibi, man wird sich viel mehr daran erinnern, als wenn Sie weitergemacht hätten, weitergemacht, weitergemacht, getötet, getötet, getötet.“ (...) Es wäre nicht dasselbe. Und ich möchte dir einfach gratulieren, dass du den Mut hattest zu sagen: ‚Das war's. Wir haben gewonnen, und jetzt lasst uns unser Leben genießen und Israel wieder aufbauen und es stärker und größer und besser machen als je zuvor.‘“

Durch Stärke zum Frieden: Trump und „Bibi“.
Gesichtswahrender könnte Bibi Netanjahu nicht aus diesem Krieg herausgekommen sein, und Trump hat es ihm mit seinen anerkennenden Worten nicht nur einfacher gemacht, sondern auch versüßt. „Die Geschichte der entschlossenen Haltung und des Triumphs Israels seit dem 7. Oktober sollte der ganzen Welt beweisen, dass diejenigen, die diese Nation zerstören wollen, zum Scheitern verurteilt sind. Der Staat Israel ist stark und wird für immer bestehen und gedeihen“, hatte Trump zu Beginn seiner Rede gesagt – und für die Stärke Israels steht heute Netanjahu, dessen Versagen am 7. Oktober durch das, was er seither leistete, auf gewisse Weise kompensiert wurde.
Realpolitik statt rhetorischer Wolkenkuckucksheime
Trump macht sich keine Illusionen über die Welt, er ist kein Ideologe, sondern ein Realpolitiker, der die Verhältnisse vom Kopf auf die Füße stellt und handelt, statt sich in rhetorischer Brillanz zu üben, wie es ein Barack Obama tat, der mit seinen Worten allerdings eher sich selbst und seine Anhänger berauschte als Adressaten in Nahost. Trumps „Kindersprache“, seine Fähigkeit, ein Problem aufs Einfachste herunterzubrechen, ist der radikale Gegenentwurf zu den aalglatten Statements gewöhnlicher Politiker.
Dan Schueftan vom National Security Studies Center an der Universität Haifa hat es einmal prägnant auf den Punkt gebracht: „Obama ist ein Europäer. Aber Europa kann nur Europa sein, wenn Amerika Amerika ist und nicht Europa. Es können nicht alle impotent sein, jemand muss etwas tun können.“
Amerika unter Trump kann es – und ist auch bereit, es zu tun. Den gordischen Knoten zerschlagen, an dem Tausende rhetorisch geschulte Diplomaten seit 80 Jahren herumnesteln. Daran lässt Trump in seiner schnörkellosen Sprache keinen Zweifel. Weltpolitik kann man – muss man vielleicht sogar – gestalten, ohne die immer gleichen Phrasen abzusondern. Am Ende ist es doch die Kinderstimme, die als einzige sagt, wenn ein Kaiser nackt ist. Und recht damit hat.
Lesen Sie dazu: An alle, die Trump mit Hitler verglichen haben – schämt euch!
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Claudio Casula
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