Marokkanische Drogenmafia führt Sprengstoffkrieg in Deutschland
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Bislang agierte sie vor allem in den Niederlanden, nun will die Marokkaner-Mafia, auch bekannt als Mocro-Mafia, in Deutschland Fuß fassen. Explosions-Serien und Folter-Entführungen sind ein erster Eindruck dessen, was uns bald blühen könnte. Auch unbeteiligte Bürger sind potenziell in Gefahr.
Der Kölner Stadtteil Rodenkirchen gilt als beschaulich bis gediegen. Doch was sich am vergangenen Freitagabend hier abspielt, passt in einen knallharten Krimi: Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) befreit zwei Geiseln, die von ihren Entführern brutal gefoltert werden. Wie Bild berichtet, soll es sich um einen Mann und eine Frau handeln, der Mann soll der Bruder eines Mitglieds der libanesischen El-Zein-Großfamilie sein.
„Wir haben hier eine neue Dimension der Gewalt im Bereich der organisierten Kriminalität erleben müssen, die es so hier in Deutschland meines Wissens noch nicht gegeben hat“, bilanziert am Dienstag Kriminaldirektor Michael Esser im Kölner Polizeipräsidium. Es handele sich um einen der komplexesten Einsätze der NRW-Polizei aus den vergangenen Jahren.
„Extremste Bedrohungsszenarien“
Bei der Geiselbefreiung sei es zu „extremsten Bedrohungsszenarien“ gekommen, so Esser. „Wir mussten sogar annehmen, dass Maschinenpistolen eine Rolle spielten.“ Man habe damit rechnen müssen, dass die Täter die Geiseln umbringen würden. Drei Tatbeteiligte habe man entkommen lassen müssen, um das Leben der Geiseln zu schützen.

Schwer bewaffnete Polizisten stehen vor dem Hochsicherheitsgericht, in dem das Urteil im Prozess gegen die niederländische „Mocro-Mafia“ erwartet wird. 17 Männer sind angeklagt für sechs Auftragsmorde, vier Mordversuche und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation.
Hintergrund der Entführung sei organisierte Kriminalität im Drogenbereich, es stünden Geldforderungen im Raum. In diesem Zusammenhang seien auch mehrere Explosionen Ende Juni und Anfang Juli unter anderem in Köln und Engelskirchen zu sehen. Aus dem Informationsaustausch mit den niederländischen Polizeibehörden wisse man, dass dort schon länger Bedrohungsszenarien durch Sprengungen aufgebaut würden.
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Für NRW sei das in dieser Dimension nun erstmals zu beobachten gewesen. „Das ist auch der Bereich, der uns sehr sensibel werden lässt“, gibt Esser offen zu. „Die Sprengmittel, die hier in Köln eingesetzt worden sind, haben Gott sei Dank zu keinen Verletzungen geführt.“ Das sei aber auch einem glücklichen Zufall zu verdanken gewesen, weil zum Zeitpunkt der Detonation gerade niemand im Hausflur gewesen sein.
„In den Niederlanden wird auch keine Rücksicht auf Unbeteiligte genommen, da werden auch Unbeteiligte teilweise lebensgefährlich verletzt oder gar getötet.“
Die Handschrift der „Mocro-Mafia“
Äußerste Brutalität und gezielte Sprengungen gelten als Handschrift der niederländischen „Mocro-Mafia“. „Was man sieht, ist, dass den Agitatoren, die dieser Gruppierung angehören, Grenzen egal sind“, sagt Oliver Huth, NRW-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der Deutschen Presse-Agentur.
„Die haben keine Sorge, diesen Konflikt in Nordrhein-Westfalen weiterzuverfolgen. Es fehlt Geld, viel Geld, und solange das nicht zum Ausgleich gebracht worden ist, wird das hier weiter eskalieren.“ Diese Gruppierungen hätten ein „Elefantenhirn“, sodass auch in einigen Monaten noch Racheakte zu befürchten seien – schließlich wolle man sein Gesicht nicht verlieren. Deshalb würden auch bewusst abschreckende Videos verbreitet.

Der Chef der Mocro-Mafia, Ridouan Taghi, wurde im Februar wegen mehrerer Auftragsmorde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
„Gruß für Herrn Lauterbach nach Berlin“
Dass es hier um Cannabis gegangen sein soll, ist für Huth kein Zufall: „Das ist ein schöner Gruß für Herrn Lauterbach nach Berlin für seinen Schwarzmarkt.“ Die Liberalisierung der Cannabis-Gesetzgebung habe das Geschäft belebt, vorhanden sei vorerst aber nur Marihuana vom illegalen Schwarzmarkt. Michael Mertens, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bestätigt der dpa: „Die niederländische Drogenmafia ist längst hier, und NRW als Verkehrsdrehscheibe ist da ein Dreh- und Angelpunkt. Was man sich klarmachen muss: Das sind wirklich Täter von äußerster Brutalität. Und deshalb muss die Polizei entsprechend stark aufgestellt sein.“
Für NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigt der Einsatz in Köln, dass die Polizei entschlossen gegen Drogenbanden vorgehe. „Wir lassen nicht locker. Wir ermitteln weiter, werden weiter durchsuchen und diejenigen dingfest machen, die mit viel krimineller Energie ans große Geld wollen – zulasten anderer“, sagt Reul der dpa. „Das Drogengeschäft ist perfide und führt ins Verderben. Da hilft es auch nicht, wenn manche Betäubungsmittel verharmlost werden.“
„Mocro“ ist in den Niederlanden ein Slangwort für Marokkaner. Der Begriff hat sich zu einem Synonym für organisierte Drogenkriminalität im großen Stil entwickelt – ausgehend davon, dass einige Niederländer mit marokkanischen Wurzeln ihre Verbindungen in die alte Heimat für den Import von Drogen zu nutzen wussten: In Marokko wird Hanf traditionell als Heilpflanze angebaut.

Im Juli 2020 fanden Ermittler diesen Folter-Container der Marokko-Mafiosi in Übersee-Containern in den Niederlanden.
Zahnarztstuhl als Folterinstrument
Ein Sprengsatz unterm Auto, ein abgehacker Kopf vor einer Sisha-Bar, ein zum Folterinstrument umgebauter Zahnarztstuhl – all das ging schon durch die niederländischen Medien und schockierte die Öffentlichkeit. Pro Jahr würden etwa 10 bis 20 Menschen „liquidiert“. Das prominenteste Opfer war der Fernsehjournalist Peter R. de Vries. Sogar Kronprinzessin Amalia wurde bedroht – Näheres dazu ist allerdings nie an die Öffentlichkeit gedrungen.
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