Merz zu CSD-Terror: Gewalt beginnt schon mit „dummen Redensarten“ und „schlechten Witzen“ der Deutschen
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„Gewalt beginnt nicht erst mit einem Anschlag“, hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Anschlag von Berlin auf den Christopher Street Day (CSD) gleich zweimal gesagt. „Gewalt beginnt mit Intoleranz, mit Ausgrenzung, mit Diskriminierung, mit dummen Redensarten und mit schlechten Witzen.“
Es gehört zu den rhetorischen Eigentümlichkeiten des Kanzlers, nach Klassenprimus-Manier Sentenzen stereotyp zu wiederholen, der er für besonders gelungen hält: „tektonische Verschiebungen“, „die Historiker werden erst in Jahren einschätzen können, wie heftig sich die Welt in diesen Tagen verändert…, Nato-Rettung durch deutsche Milliarden-Schulden“...
BREAKING NIUS: Merz stellt "schlechte Witze" in eine Reihe mit dem islamistischen Terrorismus!
— Julian Reichelt (@jreichelt) July 26, 2026
Nur Stunden nach dem islamistischen Terroranschlag von Berlin will Kanzler Friedrich Merz nicht mehr über Islamismus reden, sondern ganz nach dem Geschmack des linksradikalen… pic.twitter.com/8B1abVbWbJ
Jetzt also beginnt Gewalt gegen die „queere Community“ bereits bei „dummen Redensarten und schlechten Witzen“. Geschenkt, dass Merz selbst vor Jahren noch in der Kritik stand, weil er im Bild-Interview Homosexualität und Übergriffe auf Kinder in einen losen Zusammenhang stellte. Viel schwerer wiegt, dass sich Merz mit seinem gedankenlosen Witze-Zitat aus bloßer Gefallsucht zum Handlanger der Islamisten macht. Wenn „dumme Redensarten und schlechte Witze“ bereits eine Vorstufe von Gewalt und hier ganz offensichtlich von Terror sind, dann – so und nur so kann man das verstehen – unterlässt man freie Rede über die queere Szene, über die Regenbogen-Bewegung und den ideologischen Vielfaltsbetrieb der NGOs und seinen CSD-Wanderzirkus besser.
Die Demokratie lebt von der Rede- und Meinungsfreiheit
Denkt man das jüngste Merz-Bonmot konsequent zu Ende, dann stellt sich der Kanzler an die Spitze der politischen Korrektheit nach dem Motto: aus Worten werden Taten und wird zum harten Eingrenzer der Meinungsfreiheit. Die freiheitliche Gesellschaft, Demokratie insgesamt, lebt von der Rede und Meinungsfreiheit und davon, dass auch die so genannte Queer-Community von Kritik, vom Veralbern und von Verballhornung bis zur Zotigkeit nicht ausgenommen wird. „Der Schuh des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig wäre undenkbar gewesen ohne diese Freiheit. Und wer die hinreißende Tuckigkeit von Hape Kerkelings Parodien auf Vertreter der Schwulen Szene kennt, der ahnt, wie schief und falsch Merz mit diesem rhetorischen Wurf nach queeren Speckseite liegt.

„Der Schuh des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig wäre undenkbar gewesen ohne Freiheit.
Was Merz vermutlich meint, sind despektierliche, diskriminierende Bemerkungen und Anfeindungen. Doch auch die sind in einer freien Gesellschaft erlaubt, solange sie keine Straftatbestände erfüllen. Ob man es appetitlich findet oder nicht, wenn sich der Staat in Gestalt des Regierungschefs zum Rezensenten des guten Geschmacks und des Miteinanders aufschwingt, läuft etwas schief. Wer ganze Gruppen und die durchaus aggressive Queer-Lobby von der allgemeinen Kritikfähigkeit ausnimmt, ruiniert das freiheitliche Gemeinwesen.
Dass Merz seine Sentenz aus dem Berliner Trauergottesdienst am gleichen Tag beim Liborimahl in Paderborn noch einmal vortrug, belegt, dass es erstens keine Floskel ist und zweitens keine wirkliche Reflektion darüber eingesetzt hat. Denn auch die zugrundeliegende Kernthese ist so toxisch wie falsch: Gewalt beginnt nicht bei Witzen und dummen Sprüchen. Wer solchen küchenpsychologischen Unsinn wegen des so wohlig engagierten Klangs übernimmt, relativiert den Terror und vergiftet die Gesellschaft mit der abwegigen Unterstellung, unkorrekte Witze-Erzähler seien potenzielle Terroristen und Gewalttäter. Es gehört zu den Kerntugenden der christlich-abendländischen Zivilisation, Diskurs, Kritik und Meinungsverschiedenheiten eben gerade nicht gewaltsam auszutragen. Die übergroße Mehrheit der Deutschen und Europäer lebt und handelt danach. Den Rest regelt das Straf- und Zivilrecht.
Merz mangelt es an einem Kompass
Man darf von einem Regierungschef erwarten, nicht jede Flause und jede Floskel zu übernehmen, die gerade im Saal gut ankommt. Weder ist es wünschenswert, eine Klarnamenpflicht im Netz einzuführen, wie Friedrich Merz es auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart großspurig in die Halle rief, noch sind Schottenwitze die Vorstufe von Einmarsch und Überfall. Dass Merz immer wieder solche verbalen Missgriffe unterlaufen, deutet auf ein tieferes Problem hin: einen Mangel an Kompass, Maß und innerem Widerstand gegen zeitgeistige Plattitüden.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
Ein Umstand, der übrigens keine gute Voraussetzung für eine glaubwürdige Kabinettsumbildung ist, bei der den eigenen Ministern mangelnde Durchsetzungskraft oder mangelndes Profil vorgeworfen wird. Im Fall von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) liegt der Konflikt sogar gänzlich andersherum: Reiche wird intern vorgehalten, einen klaren energie- und marktwirtschaftlichen Kompass zu haben, diesen aber zu undiplomatisch gegenüber der SPD und der Öffentlichkeit zu vertreten. Das verdirbt die Stimmung. Deshalb droht ihr Merz mit Entlassung. Dem Kanzler möchte man den alten Slogan von Willy Brandt zurufen: Mehr Reiche wagen!
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Ralf Schuler
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