NIUS exklusiv: München spart mit Brunnen-Abschaltung nur 0,19 Prozent des Trinkwasserverbrauchs
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Die Stadt München hat erstmals beziffert, wie viel Wasser die Abschaltung von zehn Zierbrunnen spart. Gemessen am täglichen Spitzenverbrauch von 370 Millionen Litern, mit dem die Stadt ihre Wasser-Sparverordnung begründete, beträgt die Einsparung lediglich 0,19 Prozent.
In totalen Zahlen werden nach Angaben des städtischen Baureferats durch die Abschaltung der Brunnen durchschnittlich rund 710 Kubikmeter beziehungsweise 710.000 Liter Trinkwasser pro Tag eingespart. Ein Echtzeit-Monitoring des Verbrauchs gebe es nicht. Eine Sprecherin erklärt: „Daher muss zur Errechnung des anzunehmenden Tagesverbrauchs auf den letztjährigen Gesamtverbrauch der einzelnen 150 reinen Zierbrunnen (ohne Trinkbrunnen) zurückgegriffen und dieser jeweils durch die Anzahl der Betriebstage geteilt werden.“

Diese Grafik postete der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause auf Instagram.
Wasserverbrauch durch Verdunstung
Der Tagesverbrauch variiere je nach Temperatur: „An besonders heißen Tagen ist der Verbrauch mancher Brunnen durch Verdunstung besonders hoch. D.h., dass durch die Abschaltung während Hitzeperioden pro Tag mehr Wasser gespart wird als der jährliche Tagesdurchschnittsverbrauch.“
Der durchschnittliche Tagesverbrauch aller 150 Zierbrunnen habe 2025 rund 1650 Kubikmeter betragen und verringere sich um die genannten 710 Kubikmeter. „Das entspricht nach Berechnungen der Stadt rund 43 Prozent des Wasserverbrauchs aller 150 städtischen Zierbrunnen.“
Gemessen am gesamten täglichen Wasserverbrauch Münchens fällt die Einsparung allerdings deutlich geringer aus. Legt man den von der Stadt selbst genannten Spitzen-Tagesverbrauch von rund 370 Millionen Litern zugrunde, den man durch die Maßnahme des Brunnen-Abschaltens eindämmen wollte, entsprechen die 710.000 Liter lediglich 0,19 Prozent des täglichen Wasserverbrauchs.

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne)
Stadtwerke liefern keine historischen Tagesvergleichswerte aus früheren Sommern
Neben der Abschaltung der Brunnen hat die Stadt es auch verboten, private Pools zu befüllen, Gärten zu bewässern oder Autos zu waschen, und begründet dies mit einem außergewöhnlich hohen Wasserverbrauch und historisch niedrigen Grundwasserständen. Ob der von Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) genannte tägliche Verbrauch von rund 370 Millionen Litern tatsächlich außergewöhnlich hoch ist, lässt sich bislang allerdings nicht überprüfen. Historische Tagesvergleichswerte aus früheren Sommern stellten die Stadtwerke München trotz mehrfacher NIUS-Anfragen nicht zur Verfügung. Stattdessen verwiesen sie lediglich auf Jahresdurchschnittswerte, die wegen des deutlich niedrigeren Winterverbrauchs nur eingeschränkt aussagekräftig sind.

Aktuelle Messwerte aus dem oberbayerischen Mangfalltal
Auch die veröffentlichten Grundwassermessdaten liefern bislang kein eindeutiges Bild einer plötzlich eingetretenen Notlage. Die Messreihen zeigen seit Monaten überwiegend stabile Werte auf niedrigem Niveau; ein abrupter Einbruch unmittelbar vor Erlass der Wasserbeschränkungen ist daraus nicht ersichtlich.
Hinzu kommt, dass die Stadtwerke wesentliche Informationen zur Leistungsfähigkeit der Münchner Wasserversorgung unter Verweis auf den Schutz Kritischer Infrastruktur nicht herausgeben wollen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu sicherheitsrelevanten Details unserer Wassergewinnungs- und Versorgungsanlagen keine Auskünfte erteilen können. Die Trinkwasserversorgung ist Bestandteil der Kritischen Infrastruktur. Angaben, die Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit, Betriebsweise, Reserven oder Verwundbarkeit der Anlagen zulassen könnten, werden aus Gründen der Versorgungssicherheit und des Schutzes der öffentlichen Sicherheit grundsätzlich nicht veröffentlicht“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage.
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