Nur noch Pleiten, Pech und Pannen: Warum Friedrich Merz ausempört ist
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Was haben Kanzler Friedrich Merz (CDU) und der Berliner Hauptstadtflughafen BER oder Stuttgart 21 gemeinsam? Sie sind ausempört.
Wann immer zuletzt neue Meldungen über neue Milliarden-Höchststände bei der Kostenexplosion des BER und S21, verzögerte Inbetriebnahme, über Korruption und Baumängel über die Agenturen liefen, winkten die Bürger irgendwann ermüdet ab: Ja, es ist ihr Steuergeld, was da versenkt wurde. Ja, es war völlig inakzeptable Schlamperei. Nein, es wurden keine Politiker zur Verantwortung gezogen. Aber der Arbeitsspeicher für völlig berechtigte Empörung ist irgendwann voll. Abgestumpft. Aufgegeben. Hingenommen.
Er wolle sich nicht der „ermüdenden“ Kanzlerkritik anschließen, schreibt der Welt-Kollege Marc Felix Serrao auf X, die in allem, was Friedrich Merz tut, nur Chaos und Niedergang sieht. „Allerdings macht es der Mann seinen Gegnern, gerade auf X, sehr leicht. Wen – ernstgemeinte Frage – soll so ein hölzern-pathetisches Eigenlob überzeugen.“ Angehängt ist ein Post von „Bundeskanzler Friedrich Merz“ mit den Worten: „Schon viel erreicht, aber noch viel zu tun: Mit neuem Team machen wir jetzt kraftvoll weiter …“

Stets Nachschub an Unglaublichkeiten
Gerade eben hat Merz den Doppelmoral-Tiefschlag seines zurückgetretenen Unionsfraktionschefs Jens Spahn zu einem Umbau des Kabinetts nutzen wollen und dabei den glücklosen CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann dazu genötigt, im zweiten Anlauf das Gesundheitsministerium zu übernehmen und sich damit von einer ehrlichen Haut zum selbstverbiegenden Parteisoldaten zu wandeln. Merz hat mit seinen „Personalgesprächen“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche angezählt, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in die politische Todeszelle geschickt und einen Finanzfachmann als Nachfolger angefragt, der – erkennbar klüger als der Kanzler – seine eigenen Kompetenzen besser einschätzen konnte und absagte.
Merz ist so ausempört wie der Berliner Flughafen.

Chaos à la Merz: Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU, Foto) feuerte sich schon mal selbst, doch der Kanzler hatte die Nachfolge noch gar nicht geklärt. Der Wunschkandidat, Fritz Güntzler, gab ihm einen Korb.
Der Nachschub an Unglaublichkeiten und völlig bizarren Missgriffen will seit Amtsantritt einfach nicht abreißen und überfordert zusehends den Vorrat an berechtigtem Zorn. Eben erzählt Merz in der Sommer-Pressekonferenz, dass die Koalition Tritt gefasst habe, dann wieder will er plötzlich die halbe CDU-Mannschaft austauschen.
Ein Potpourri aus Fremdscham
Es kann nicht sein, dass ein Regierungschef die eigene Mannschaft ramponiert, das Sommertheater, das er ausdrücklich vermeiden wollte, nun selbst liefert, die Umfragen nachhaltig selbstverschuldet in den Keller drückt und im ZDF-Sommer-Interview auch noch die Medien (inklusive ZDF!) beschimpft, nur das Negative zu berichten. Die Spahn-Verfehlungen sind ihm erst nach Tagen, als die CDU-Hütte schon brannte, dann doch aufgefallen, und nach dem ersten verschenkten Jahr, den abgewarteten Landtagswahlen zu Jahresbeginn und dem Zoff-Zenit im Frühjahr sollen nun auch noch die Herbst-Wahlen abgewartet werden, um dann wirklich Reformen anzugehen. Ob die neuen Minister überhaupt ernannt werden können ohne Sondersitzung des Bundestags zur Vereidigung, ist ungewiss. Vom Hohn und Spott über die Union ganz zu schweigen.

Merz gilt längst als der „Stromberg“ der Bundespolitik. Nicht nur wegen der Frisur.
Wenn jeder Auftritt zur Farce gerät, wenn die wahlkämpfenden Landesverbände eher hilflos strampeln und mit unglücklichen Kampagnen der deutschen Satire-Szene Konkurrenz machen, wird Berichterstattung zum Refrain eines Liedes, das man selbst nicht singen möchte. Ein Potpourri aus Fremdscham, ermüdender Wiederholung und der bösen Vorahnung, dass mit der „letzten Chance“ (Robin Alexander) nicht „die Demokratie“, sondern die Union gemeint ist, die auf dem Weg nach unten aus blindwütiger Verzweiflung noch viel Schaden am Land angerichtet wird.
Friedrich Merz ist ausempört. Demnächst mehr in diesem Kino.
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Ralf Schuler
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