Neues Hobby in der Spitzenpolitik: Die Regierung warnt das Volk jetzt vor Dingen, die sie selbst verbockt hat …
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Die Spitzen-Politik wird immer mehr zu einer Art Verbraucherzentrale. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor „Ärztemangel im Gesundheitswesen“. Der Antisemitismusbeauftragte warnt vor „antisemitischen Straftaten“ und UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einem „Flächenbrand im Nahen Osten“. Das ist sicher alles lieb gemeint, aber was – bitte schön – soll ich mit diesen Warnungen anfangen? Was soll ich tun?
Gut, ich dachte immer, der Gesundheitsminister wäre dafür zuständig, dass die Gesundheitsversorgung läuft. Und natürlich bin ich sehr dankbar, wenn er mich rechtzeitig warnt, dass ich schon bald keinen Arzttermin mehr bekomme. Sowas kann ja unschöne Folgen haben. Besonders, wenn man krank ist. Aber wenn er mal direkt mit mir sprechen würde, könnte ich ihm mal ganz unter uns ein Geheimnis verraten: Der Ärztemangel ist längst da. Muss aber unter uns bleiben. Wohl dem, der einen Arzt in der Verwandtschaft hat! Im Osten haben wir damals immer kleine Geschenke mitgenommen. Und wichtig: die Schwestern und Sprechstundenhilfen nicht vergessen!
Aber im Ernst: Für ein Medizinstudium ist es bei mir jetzt doch etwas spät, und Termine auf Vorrat kann man sich auch nicht immer beschaffen. Oft sind dann die passenden Krankheiten nicht fristgerecht zur Hand. Wen der Antisemitismusbeauftragte warnt, weiß ich auch nicht so genau. Die Antisemiten müsste er eigentlich ansprechen. Erfahrungsgemäß hören die aber meist andere Nachrichten und nicht auf ihren Beauftragten. Und auch beim Löschen möglicher Flächenbrände im Nahen Osten kann ich nur begrenzt hilfreich sein. Schon wegen der komplizierten Anreise. Ich war als Schüler zwar mal in der Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“, bin aber über die Qualifikation für brennende Toaster und die Versorgung von Verbrennungen nie hinausgekommen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einem „Flächenbrand im Nahen Osten“.
Gut gewarnt, ist halb gewonnen
Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen zu sagen, wenn Politiker vor Dingen warnen, die sie selbst zu verantworten haben oder machtlos hinnehmen. Sage niemand, sie hätten es nicht rechtzeitig bemerkt und gewarnt. Man kann solche Warnungen vielleicht als eine Art Arbeitszeitnachweis betrachten. Und schaden tut es ja nichts. Schließlich kann man das nicht von allem sagen, was Politiker tun. Wenn man vor etwas warnt, was offensichtlich ist, kann jedenfalls hinterher keiner sagen, er sei nicht gewarnt worden.
Dass man nicht wirklich irgendwelche Handlungsoptionen aus vielen Politiker-Warnungen ableiten kann, ist natürlich kleinliche Mäkelei. Aus den Straßenschildern für „Wildwechsel“ kann man ja auch keine sinnvollen Schlussfolgerungen ziehen. Selbst wenn man sofort anhält, kann einem so ein Hirsch noch in die Seite springen und den Lack zerkratzen. Die Versicherung zahlt dann übrigens nur reduziert, weil ja gewarnt wurde. Das ist jetzt kein Scherz. Wenn Politiker mal rechtzeitig zum Beispiel vor mobilen Blitzern warnen würden, wäre es natürlich viel sinnvoller. Aber da hört man komischerweise nichts. Hach!
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Ralf Schuler
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