Deutscher Olympischer Sportbund scannt soziale Netzwerke mit KI auf „Hass“ – auch Kritik an sportlichen Leistungen wird „gespeichert“
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Pauline VossDer Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) filtert soziale Netzwerke auf sogenannte „Hasskommentare“, die sich gegen die Sportler richten. Die Nutzer-Beiträge werden gespeichert und teils an Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Dabei gerät auch legitime Kritik an den sportlichen Leistungen des deutschen Teams ins Visier.
Wie der zugrunde liegende KI-Filter funktioniert, erklärt DOSB-Sportchef Olaf Tabor: In einem ersten Schritt werden die Accounts der Sportler in sozialen Netzwerken „in Echtzeit“ gescannt und kritische Kommentare für die Sportler selbst ausgeblendet. Alle herausgefilterten Kommentare werden vom DOSB gespeichert und dann in einem „internen Managementsystem“ durch einen weiteren Filter geschickt. Dieser unterscheidet dann noch einmal und überprüft „auf Bedrohungen, Beschimpfungen, Volksverhetzung, aber auch auf ‚soziale Belästigung‘ sowie Hassrede im Allgemeinen“, wie Tabor ausführt.
Bei Letzterem handelt es sich allerdings keineswegs um Straftatbestände, sondern um die subjektive Bewertung kritischer Meinungsäußerungen. Auch solche legitimen Äußerungen werden demnach vom System des DOSB gespeichert.

Partystimmung im Deutschen Haus nach dem Gold-Sieg der Zweierbob-Fahrer Johannes Lochner und Georg Fleischhauer. Kritik ist eher unerwünscht.
Besonders brisant erscheint dieses Vorgehen gegen die freie Rede im Lichte der hohen Summen, die der DOSB aus der öffentlichen Hand erhält. Allein im Jahr 2024 flossen aus dem Innenministerium knapp 10 Millionen Euro.
Auch Kritik wird als „Hass“ eingestuft
Was von den Sportlern alles als Hass wahrgenommen wird, schildert der Skispringer Philipp Raimund, der sich auf der Normalschanze Gold sicherte, gegenüber der ARD-Tagesschau: „Es fängt an von: Du bist unfähig, du bist ein arrogantes Arschloch bis hin zu ein bisschen harmloseren Sachen, im Sinne von: Der deutsche Skisport geht unter, es ist ja erbärmlich, was ihr hier bringt, die Teamleistung ist absolut unterirdisch.“ Raimund ergänzt: „Um es hart auszudrücken, ich glaube, dass jeder Idiot bei Social Media eine Stimme bekommt und diese auch kundtut.“
Auch Kritik an sportlichen Leistungen, ein zentrales Element des Sport-Journalismus, wird hier als „Hass“ eingestuft.
1.300 Kommentare gespeichert
Tabor erklärte bei einer Pressekonferenz, es seien zahlreiche Kommentare „reingekommen“, die unter dem lägen, „was tolerabel ist“. Tabor sprach von mehr als 1.300 Zuschriften und Kommentaren, die herausgefiltert worden seien. Tatsächlich strafrechtlich relevant ist jedoch anscheinend nur ein Bruchteil davon: So würden „einige davon“ von der Staatsanwaltschaft untersucht.
Der Umgang des DOSB mit kritischen Kommentaren belegt erneut, dass Kritiker zunehmend durch steuerfinanzierte Institutionen eingeschüchtert werden, die als verlängerter Arm der Ermittlungsbehörden auftreten. Auch der Sport büßt damit seine Funktion als Ort der freiheitlichen Entfaltung ein.
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