Politiker im Visier der Plagiat-Jäger: Guttenberg, Schavan, Giffey – jetzt Weidel?
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Alice Weidel sieht sich mit Plagiatsvorwürfen um ihre Disseration konfrontiert. Ein anonymes Gutachten wirft der AfD-Politikerin in der Süddeutschen Zeitung vor, Teile der wissenschaftlichen Arbeit abgeschrieben zu haben. Die AfD-Chefin spricht von einer „politischen Kampagne“ und legte eine wissenschaftliche Stellungnahme vor, die das Gegenteil beweisen soll.
Andere Politiker waren in den vergangenen Jahren ebenfalls mit dem Vorwurf erschlichener Titel konfrontiert. Für fast alle hatte es politische Konsequenzen.
Ein Überblick:
Franziska Giffey (SPD): Die ehemalige Berliner Regierende Bürgermeisterin und aktuelle Berliner Wirtschaftssenatorin musste im Zuge einer Plagiatsaffäre rund um ihre Doktorarbeit, die sie an der Freien Universität (FU) geschrieben hatte, im Jahr 2021 von ihrem Amt als Bundesfamilienministerin zurücktreten. Nach ihrem Rücktritt entzog ihr die FU ihren Doktortitel. Anonyme Plagiatsprüfer hatten 119 Textstellen auf 76 von 205 Seiten von Giffeys Doktorarbeit als Plagiat markiert. Prüfer der FU urteilten im Juni 2021, dass Giffey Texte anderer Autoren übernommen habe, ohne dies ausreichend zu kennzeichnen.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey besuchte am heutigen Samstag das Postamt des Weihnachtsmanns in Brandenburg.
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Das Urteil der Universität Bayreuth war eindeutig: Als Doktorand habe Guttenberg „die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht“. Fälschungen seien sogar das „werkprägende Arbeitsmuster“ der Dissertation, hieß es 2011 in dem Bericht einer Kommission. Guttenberg wurde der Doktortitel aberkannt, der CSU-Politiker musste als Verteidigungsminister zurücktreten. Er begründete das Fälschen seiner Doktorarbei mit Überlastung. Auch in seinem Fall hatten Plagiatsjäger im Internet zuvor akribisch Belege gesammelt.

Der frühere CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor wenigen Tagen mit Linken-Politiker Gregor Gysi bei einem Diskussionspodcast in der Kulmbacher Stadthalle.
Anette Schavan (CDU): Die Universität Düsseldorf attestierte der damaligen Bildungsministerin 2013 „eine vorsätzliche Täuschung durch Plagiat“ und erkannte ihr den akademischen Grad ab. Wenige Tage später bot Schavan der damaligen Kanzlerin Angela Merkel ihren Rücktritt an. Zugleich versuchte sie, die Aberkennung des Doktortitels vor Gericht anzufechten – die Klage wurde abgewiesen.

Parteikolleginnen: Anette Schavan, damals noch mit Doktortitel, im Jahr 2009 mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Frank Steffel (CDU) Der damalige CDU-Abgeordnete verlor im Februar 2019 wegen Plagiatsvorwürfen seinen Doktortitel. Die Freie Universität Berlin attestierte dem Politiker „eine zumindest bedingt vorsätzliche Täuschung und eine Verletzung des Gebotes der wissenschaftlichen Redlichkeit“. Nach Ansicht der Prüfungskommission hatte Steffel nicht ausreichend kenntlich gemacht, „dass er wörtlich oder fast wörtlich Texte anderer Autoren in seine Dissertation eingefügt hat“.

Politiker Frank Steffel war von 2001 bis 2003 Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus von Berlin und von 2009 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Silvana Koch-Mehrin (FDP): Die damalige EU-Politikerin gehörte wie Karl-Theodor zu Guttenberg zu den ersten Fällen, die sich Plagiatsjäger vorknöpften. Die Prüfung ihrer Disseration im Jahr 2011 endete ebenso mit dem Entzug des Doktortitels.

Silvana Koch-Mehrin mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, im Jahr 2016
Ein Widerspruch und die Klage vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe gegen die Aberkennung des Doktorgrades blieben erfolglos. Koch-Mehrin blieb jedoch noch einige Jahre in der EU-Politik.
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