Prof. Andreas Rödder über die EU: „Es gibt keine Bestandsgarantie für die Europäische Union“
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Die Europäische Union (EU) habe als Friedensprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg Großes geleistet, sagt der Mainzer Historiker Andreas Rödder (CDU) im Gespräch bei „Schuler! Fragen, was ist“. Dennoch sei die EU in einer kritischen Phase, so Rödder: „Natürlich gibt es brutale Strukturprobleme innerhalb der Europäischen Union. Es gibt keine Bestandsgarantie für die Europäische Union.“
Man erlebe immer öfter eine reformunfähige Brüsseler Bürokratie, die zu spät und zu langsam auf die politischen Entwicklungen reagiere. „Es kann auch sein, dass die Europäische Union, so wie wir sie heute erleben, unter dieser Überregulierung und der Anmaßung einer immer weiteren Zentralisierung von Kompetenzen in Brüssel zerbricht. Es kann sein, dass die Europäische Union darüber zerbricht und der Brexit nur ein Vorbote war. Das kann sein. Das würde ich auch nicht ausschließen. Insofern macht es auch keinen Sinn, die Europäische Union heiligzusprechen und jede Kritik an der Europäischen Union als Majestätsbeleidigung am guten, wahren und schönen Europa anzusehen.“
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„Konsequente Reformen sind seit der Einführung des Euro im Grunde unterblieben“
Viele europäische Staaten hätten laut Rödder „die nötigen Vitalisierungsmaßnahmen, die nötigen Innovationen, die nötigen innenpolitischen Reformen gerade auch durch den Euro verschleppt. Der Euro hat viele Länder dazu verleitet, sich auf der Bonität der einstigen D-Mark-Zone im Euroraum auszuruhen, was dazu geführt hat, dass Europa wirtschaftlich erlahmt ist.“
Rödder nimmt die Kritik aus den USA an Europa und der EU durchaus ernst. „An dem, was die jüngst veröffentlichte amerikanische Sicherheitsstrategie über Europa und die zivilisatorische Auslöschung sagt, ist vieles durchaus bedenkenswert. Gerade deshalb bräuchte Europa eine kraftvolle Führung.“ Insofern sei zumindest der Versuch von Kanzler Friedrich Merz (CDU), hier Führung zu übernehmen, erst einmal ein positiver Ansatz.
„Konsequente Reformen sind seit der Einführung des Euro im Grunde unterblieben“, so Rödder bei „Schuler! Fragen, was ist“. „Es gibt auch keine europäische Einigkeit darüber. Das ist eine Gretchenfrage für Europa.“ Der Historiker, der auch Gründer und Chef der konservativen Denkfabrik „R21“ ist, bemüht sich gleichwohl, die Hoffnung nicht aufzugeben: „Es gibt keine historischen Automatismen. Das Riesenreich China schien 1976 auf ewig erledigt ... Europa steht heute vor der Frage: Entweder vitalisiert es sich, oder dieses Europa, diese Europäische Union, wird zerbrechen. Eine Ewigkeitsgarantie hat nichts, und niemand kann sie beanspruchen.“
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Ralf Schuler
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