Regenbogen-Offensive in Katar, aber kein Problem mit dem Islamisten-Symbol: Sportministerin Faeser schützt ISIS-Finger von Rüdiger
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Keine Politikerin tritt so offensiv für Vielfalt und Toleranz im Sport ein wie Nancy Faeser (SPD). Die Innen- und Sportministerin reist während der WM 2022 eigens nach Katar, um der Welt zu zeigen: Der Mannschaft kann die FIFA die Regenbogen-Kapitänsbinde („One Love“-Binde) vielleicht verbieten – aber nicht der Ministerin auf der Tribüne …
Faesers Kritik richtete sich damals vor allem gegen die muslimischen Gastgeber, die sich gegen jedwede Regenbogen-Symbolik im öffentlichen Raum wehrten.
Jetzt zeigt mit Antonio Rüdiger kurz vor der Heim-EM im Sommer ein deutscher Nationalspieler den ISIS-Gruß. Und Faeser? Sieht darin keinen Grund für Kritik. NIUS wollte von der Ministerin wissen: Wie passt das zusammen, Faesers Regenbogen-Botschaft und Rüdigers Islamisten-Gruß?
Die Antwort: Zwei Absätze, ohne auf die Frage einzugehen und den Namen Rüdiger auch nur einmal zu erwähnen. Die Geste: „unproblematisch“!
Über einen Sprecher lässt Faeser ausrichten, dass man das differenziert betrachten müsse: „Der sog. , tauhid‘-Finger gilt im Islam als Symbol der Einheit und Einzigartigkeit Gottes. Die Geste ist unter Musliminnen und Muslimen auf der ganzen Welt verbreitet. Aus Sicht des BMI ist der sog. ,tauhid‘-Finger als Glaubensbekenntnis zu verstehen und insofern mit Blick auf die öffentliche Sicherheit als unproblematisch einzuordnen. Dies gilt unabhängig von der Tatsache, dass islamistische Gruppen dieses Symbol vereinnahmen und für ihre Zwecke missbrauchen.“

Der Countdown läuft: Sportministerin Faeser kommt bei der Heim-EM im Sommer eine besondere Rolle zu
DAS IST PASSIERT: Antonio Rüdiger, Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft und Profi bei Real Madrid, hatte zu Ramadan-Beginn ein Foto bei Instagram gepostet. Der gebürtige Berliner inszeniert sich darin als streng gläubiger Muslim, ganz in weiß und auf einem Gebetsteppich, und reckt den rechten Zeigefinger in die Luft. Der Gruß der ISIS-Terroristen, der Schrecken und Schmerz in der ganzen Welt verbreitet.
Aus dem Bundesinnenministerium heißt es, Salafisten würden aus dem „tauhid“-Prinzip ableiten, dass „Allah der alleinige Souverän und die Scharia das von ihm offenbarte – und daher einzig legitime – Gesetz“ sei. Demokratie würde entsprechend als „unislamisch“ abgelehnt werden. Fazit des Sprechens: „Insofern kann das Zeigen des sog. ,tauhid‘-Fingers in bestimmten Kontexten als Zeichen einer salafistischen bzw. islamistischen Radikalisierung angesehen werden, wenn Akteure sich bewusst dieser Mehrdeutigkeit bedienen. Hier kommt es auf die Betrachtung im Einzelfall an.“
Auf Nachfrage, wie denn der Einzelfall Antonio Rüdiger zu bewerten sei, heißt es dann: „Dem BMI liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass Herr Rüdiger die Geste in einem salafistischen bzw. islamistischen Sinne verwendet hat.“

Der Instagram-Post von Rüdiger zum Ramadan-Start
Die eigenen Sicherheitsbehörden widersprechen dieser Interpretation … Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte schon 2019 in „Salafismus in Deutschland“: „Dass Salafismus gelegentlich als Subkultur oder Jugendsubkultur bezeichnet wird, hängt neben der Kleidung auch mit den verwendeten Sprachcodes zusammen. (...) Ebenso verhält es sich mit Symbolen. Am bekanntesten dürfte der nach oben gerichtete einzelne Zeigefinger sein, von Medien als ,IS-Finger‘ betitelt.“ Der bayrische Verfassungsschutz widmete in seiner Broschüre „Islamismus erkennen“ dem ausgestreckten Zeigefinger eine ausgiebige Passage. Wer den ISIS-Gruß benutze, lehnt „demokratische, säkulare Staatsformen als menschengemacht und unislamisch ab“.
Islam-Expertin Prof. Schröter: „Rüdiger bedient sich der Bildsprache von Salafisten“
Ali Ertan Toprak, Migrations-Experte von der CDU, sagte gegenüber NIUS über Antonio Rüdiger: „Er müsste als gläubiger Muslim wissen, dass der IS und andere Islamisten dieses Zeichen als Machtanspruch nutzen. So weltfremd kann er nicht sein, als dass er das nicht wüsste, als er sich in kompletter Gebetsmontur beim Gebet mit diesem Zeichen auf seiner Instagram-Seite ablichten ließ.“
Die renommierte Islam-Expertin Susanne Schröter erklärt im Gespräch mit NIUS: „Der ausgestreckte Finger allein ist kein Symbol islamischen Extremismus, sondern bedeutet ein Bekenntnis zum Tauhid, der Einheit Gottes. Beim Gebet wird die Geste beispielsweise genutzt. Allerdings nicht in einer demonstrativen und nach Außen gerichteten Form. Das Bild, das Antonio Rüdiger postet, zeigt kein religiöses Ritual, stellt keine Versenkung ins Gebet dar, sondern ist eine Inszenierung, die sich an den Betrachter richtet.“
Die Professorin weiter: „Er bedient sich dabei der Bildsprache von Salafisten, die den ausgestreckten Finger als Zeichen eines Machtanspruchs verwenden. Popularisiert wurde sie vor allem von dschihadistischen Gruppen wie dem IS, der sie als Erkennungszeichen, Kampfansage und als Zeichen der Überlegenheit des Islam gegenüber allen anderen Religionen nutzte und noch immer nutzt.“
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